Nur, weil ich die Sache ja auch mit meinem ersten Kommentar angeschoben habe:
Postfan: Nach SpON hat Merckle einen Abschiedsbrief hinterlassen, bevor er das Haus verlassen hat. Er hat sich also nicht spontan zum Suizid entschieden. Ich gehe vielmehr so weit und sage, hier hat jemand, der sich vollkommen verkalkuliert hat, einen "Bilanzsuizid" begangen. Geplant - wenn auch vielleicht von Überlegungen getrieben, die wir nicht nachvollziehen können.
Das es keinen "guten" Weg gibt sich umzubringen, ist klar - irgendjemandem wird man immer Schmerzen zufügen, irgendjemanden wird man immer überfordern. Dennoch ist es ein Unterschied, ob man jemanden, der sich mit Tabletten suizidiert hat, still im Bett liegend findet - oder ob man als Zugführer im Extremfall jemanden schon mehrere hundert Meter vor dem Zusammenstoß auf den Gleisen stehen oder liegen sieht, verzweifelt die Notbremse betätigt, bette und flucht, dass die Scheißkiste endlich zum Stehen kommt und dann doch mitansehen muss, wie der Zusammenstoß erfolgt.
@ harmi: Ich habe bereits geholfen, eine Leiche aus dem Fluß zu ziehen, und ich habe bereits einen elfjährigen Jungen reanimieren dürfen (mit zweifelhaftem Ergebnis) ... und du hast recht, es hat mich tagelang nicht losgelassen. Und dennoch - mir fehlt (zum Glück) die Erfahrung des Lokführers - denke ich, dass die Erfahrung des Lokführers ein ganzes Stück traumatischer ist.
UlfN: Es war bei mir tatsächlich der erste Gedanke mit dem Zug. Mag sein, dass das befremdlich ist - aber beruflich bedingt sind Tote für michts besonders furchtbares. Auch mit Suizidenten habe ich ausreichend am Hut. Und ich maße mir nicht an, über den Suizid eines Menschen zu urteilen, den ich nicht kannte - das muss diese Person mit sich selbst oder einen höheren Instanz ausmachen. Aber ich finde es sehr befremdlich, wenn man dabei andere Menschen so beeinträchtigt, wie das bei Lokführern (oder Straßenbahnfahrern) so oft der Fall ist.
@ wintermute: Ich denke, es ist schon etwas anderes, ob ein Bestatter oder Retungsdienstler oder Feuerwehrler, der beruflich häufiger mit Toen zu tun hat, einen Toten findet - oder ob jemand mitbekommt, wie sich jemand vor den eigenen Zug wirft und man selber ohnmächtig zusehen muss, wie der von einem selber gelenkte Zug jemanden tötet ... ob man etwas dafür kann oder nicht.