Moin Lord,
ich kann vollends nachvollziehen, wie es euch geht. Ich hatte einmal das "Vergnügen", im Freibad einen 11jährigen reanimieren "zu dürfen" - gut, ich kannte ihn nicht, wie es bei Euch war - aber ein Kind da klinisch tot liegen zu haben, ist (für mich) so etwa das härteste, was man erleben kann.
Wir haben ihn wiedergeholt, wie die Rettungskräfte so schön sagen, und ihn dann in den Heli verladen, er hat die Sache auch überlebt, mit dem kleinen "Manko", dass er Apalliker (Pflegefall/ Wachkoma) ist ... mir ging es auch viele Wochen danach nur sehr mäßig. Irgendwann bin ich dann drüber hinweggekommen - in erster Linie vermutlich, indem ich über die Sache gegrübelt habe und mich gefragt habe, was ich hätte anders machen können ... und irgendwann dann akzeptiert habe, dass ich nichts hätte anders machen können und es in diesem Fall einfach (bitteres) "Schicksal" war.
Was euch ein (wenn auch derzeit schwacher, er wird mit der Zeit stärker) Trost sein darf und auch sollte, ist die Tatsache, dass ihr
a) geholfen habt und nicht - wie das oft passiert - in kopflose Panik verfallen seid. Ihr habt zügig festgestellt, dass es eurem Freund nicht gut geht, und ihr habt die erforderlichen und richtigen Maßnahmen ergriffen. Auch wenn es vielleicht etwas zynisch ist und eurem Freund nicht mehr hilft - viele andere Patienten wären froh gewesen, wenn sie solche Helfer wie Euch gehabt hätten! IHR habt euch in keiner Weise etwas vorzuwerfen - ihr seid sicherlich nicht "Schuld" an dem Tod eures Freundes!
b) nach ärztlichem Gutachten nichts tun konntet und euer Freund "keine Chance" hatte. Ihr seid gut gewesen - aber es hat in diesem Fall halt nicht gereicht, weil es von vornherein aussichtslos war - also hätte alles, was ihr hättet tun können, nicht geholfen. Ein viel besseres Gefühl, als wenn man wüsste - hätte ich richtig reagiert, dann hätte ich ihm helfen können, oder?
Mit der Trauer und der Belastung, bei dem Tod eines Freundes anwesend gewesen zu sein, muss jeder selber fertig werden, da muss auch jeder selber seine Strategie entwickeln. Helfen kann vieles - mit anderen reden, sich an den Toten und die schönen Momente mit ihm zu erinnern, jeder hat da seine eigene Umgangsform.
Helfen können aber auch Notfallseelsorger oder Mitglieder der KrisenInterventionsTeams (KIT) der Hilfsorganisationen - oder aber jeder geschulte Seelsorger/ Psychologe. Diese Leute sind extra dafür geschult, mit Leuten (Zeugen, anderen Opfern, Angehörigen, aber auch haupt- und ehrenamtlichen Rettern), die bei einem medizinischen Notfall anwesend waren, umzugehen und ihnen bei der Bewältigung ihrer Stressreaktionen, ihrer Trauer zu helfen.