Ich finde, in Bewertung, Lob und Kritik geht hier vieles durcheinander. Für mich ist die gefundene Lösung ambivalent:
Auf der Negativseite steht eindeutig die Kommunikation der Entscheidungsfindung. Keiner weiß genau, was da abgelaufen ist, welche Akteure hier mit welchen Interessen gespielt haben. Das Ergebnis hier als "Rettung in letzter Minute" zu feiern, ist absurd. Ob es Teil der Marketingstrategie ist, wissen wir nicht.
Wer auf Seiten des DHB das Ergebnis ehrlich wie bewertet, ist auch nicht klar. So, wie ich Bob Henning wahrnehme, ist es nicht die von ihm bevorzugte Lösung. Er ist eigentlich nicht sehr aufgeschlossen für "Neuland"-Konstruktionen, seine Medienverständnis ist eher das eines Gerhard Schröder: was zählt, sind "Bild und Glotze", übersetzt: die klassischen öffentlich-rechtlichen Medien, allem anderen traut er, glaube ich, in puncto Aufmerksamkeitserzeugung wenig zu. Und die käme bei ihm vor jedem wirtschaftlichen Interesse, Daher glaube ich nicht, dass er maßgeblich hinter dem Deal steht. Alle Meinungen, dass die Füchse hier irgendeine Rolle spielen könnten, halte ich für ziemlich absurd. Es wurde hier zu Genüge gesagt, dass die DKB zwar auch zu den Füchse-Sponsoren gehört, aber eben auch zu den Sponsoren zahlreicher anderer Vereine und natürlich der Liga insgesamt. Für den DHB insgesamt kann ich mir schon vorstellen, dass er die DKB gepusht hat, nachdem klar war, dass die Öffentlich-Rechtlichen es nicht werden. Aber auch das ist Spekulation.
Zur nun gefundenen Lösung: Grundsätzlich glaube ich, dass wir ein solches Konstrukt nicht zum letzten Mal sehen werden. Ganz im Gegenteil, so wird die Fernsehzukunft aussehen. Und in der Fernsehbranche werden sich noch einige Alteingesessene umgucken, welche Player da auf einmal am Markt sind (ok, vielleicht nicht gerade zur Handball-WM, aber das ist ein Anfang). Nun kann man sagen: "Nische". Ist es auf den ersten Blick auch, aber das hat vor allem etwas mit den Gewohnheiten des Publikums zu tun, weniger mit dem Angebot selbst. Denn es ist ja nicht so, wie im hier schon zitierten Welt-Kommentar suggeriert, dass man sich nun mit einem Laptop ein wackelndes, amateurhaftes Bild ansehen muss. Selbst Fernseher mittleren Alters und neue Geräte einfacher Bauart haben eine Buchse, die man mit dem Computer verbinden kann. In der Praxis wird man keinen Unterschied merken. Ist ja nicht so, dass Netflix-Serien-Junkies verwackelt-schemenhafte Filmchen heimlich auf Bürocomputern gucken. Und das nutzen inzwischen breite Teile der Bevölkerung. Hier ist der Kommentar schon etwas tendenziös. Im Grunde haben wir es hier mit einer Technik zu tun, die in ihrer Einfachheit für den Nutzer, ihrer Allverfügbarkeit ohne Qualitätsverlust die linearen Pay-Angebote wie Sky (Set-Top-Box, Festplattenrecorder...) ziemlich unter Druck setzen wird. Andererseits: Es zählt in der Öffentlichkeit eigentlich nur das Angebot, in das man zufällig reinzappt. Und da wird es dann eben keine Bilder vom Halbfinale, Finale etc. geben, die sich der Nation ins Gedächtnis einbrennen. Ob das allerdings im Falle eines öffentlich-rechtlichen Angebots der Fall sein würde, ist auch nicht ausgemacht...
Immerhin, das Angebot ist umsonst und für alle in Deutschland verfügbar. Ich freue mich, die WM sehen zu können, und zwar wahrscheinlich so viel von der WM wie noch nie. Sicher, die ganze Rechtesituation ist absurd, dass ausgerechnet in der digitalen Welt, die eigentlich sämtliche Grenzen überwindet, nationale Grenzen aufgebaut werden... Dass die Möglichkeit, Großereignisse zu verfolgen, davon abhängt, ob sich Sponsoren finden, für die sich ein Rechteerwerb irgendwie lohnt... Das sind dann wieder die Absurditäten. Wie gesagt, höchst ambivalent, die Geschichte!