Zumidest diese Zuspitzung in der Überschrift halte ich für ein ziemliches Gejammere.
Mir gefällt es gar nicht, wenn Sport und Schule argumentativ gegeneinander ausgespielt werden sollen und das Ganze dann auch noch unsinnig unterfüttert wird.
Keine Ahnung, ob es in NRW anders war: In Berlin jedenfalls standen Hallen noch nie um 13:00 für die Sportvereine zur Verfügung. Wozu auch? Selbst im alten Schulsystem war da noch Schule, und der Sportunterricht wurde schon vor 30 Jahren gerne in den Nachmittag ausgelagert.
Heute verlieren alle großen Organisationen Mitglieder. Parteien, Gewerkschaften, Feuerwehren, Schützen- und eben auch Sportvereine. Man kann dafür natürlich immer die Schuld bei anderen Organisationen suchen, aber hilft das etwas? Ich beobachte, dass erfolgreiche Sportvereine sich nicht über wandelnde Verhältnisse beklagen, sondern diese Verhältnisse aktiv gestalten. Also: Kooperation mit den Schulen, sinnvolle Angebote nach der Schule, Feriencamps, Beschäftigung mit den Themen Integration und Inklusion - im Verbund mit anderen gesellschaftlichen Akteuren. Das ist anspruchsvoll und herausfordernd, so wie das Leben derzeit eben ist.
Wobei, und das ist ganz klar, die Schule der Dreh- und Angelpunkt sein muss und kann. Kein Weg führt in unserer Gesellschaft an der Ganztagsschule vorbei. Sie ist pädagogisch sinnvoll und für viele Familien, die sonst keine Betreuungsmöglichkeiten haben, aber auf den Lohn zweier Arbeitnehmer angewiesen sind, sehr wichtig (von Alleinerziehenden ganz zu schweigen). Dies nicht zu akzeptieren bedeutet, die Kinder dieser Familien von Vornherein vom Sport auszuschließen, und das kann ja wohl kein Ziel der Sportförderung sein.
Die gute Nachricht dabei: Bildungslandschaften, die schulische und außerschulische Akteure im Blick haben, bieten sowohl für Breiten- als auch Spitzensport weit mehr Möglichkeiten als das betuliche Sportvereinssystem von vor 20 Jahren. Aber es fordert auch das Engagement aller Beteiligten, die sich vielleicht nicht immer nur schmollend in die Ecke beklagen sollten, dass alles nicht mehr so ist, wie es mal war.
Also Landessportbund: Hausaufgaben machen und Chancen nutzen!