Im ungarischen Damenhandball ist, wie ich schon vor 2 Monaten hier im Forum festgestellt habe, der Rückwärtsgang eingeschaltet. Györs Vorstellung wurde schon oben richtig kommentiert, noch unterirdischer jedoch jene von Ferencvaros im EHF-Pokal, welche im Heimspiel gegen den dänischen Vertreter nahezu hilflos wirkend klar unterging.
Da stimmt vieles nicht, die Probleme sind nicht kurzfristig entstanden, es gibt zur Zeit auch kaum Talente aus dem Land, welche die Lücken schließen könnten.
Damit bin ich nicht völlig einverstanden.
Győr hat verletzungs- und schwangerschaftsbedingt viele wichtige Spielerinnen (nämlich Lunde, Görbicz, Amorim, Orbán) verloren, so eine Verlust könnte keine Mannschaft der Welt problemlos ertragen. Noch dazu haben sie offensichtlich gescheitert mit Susann Müller, sie spielt deutlich schwächer als erwartet. Doch, für nächstes Jahr habe sie wieder sehr gute Spielerinnen verpflichtet, auch Görbicz und Amorim werden zurückkehren, sie werden wieder eine sehr gute Mannschaft haben.
Bei Ferencváros (FTC Budapest, wie die in Deutschland bekannt sind) die eigentlich nicht im EHF-Pokal sondern in Pokal der Pokalsieger (Cupwinners Cup) teilnehmen gibt es wirklich große Probleme, die liegen aber vor allem nicht bei den Fähigkeiten der Spielerinnen. Tomori, Szucsánszki und Pena sind alle in gutem Älter (28, 28 und 26), und spielten alle in sehr hohem Niveau vor ein paar Jahren - sie sind also gute Spielerinnen die in diesem Jahr tatsächlich ziemlich schwach leisten. Alle drei haben ein Gehalt der in Deutschland unfassbar wäre (5-stellig in Euro). Ich sehe hier Trainerprobleme, und auch das bekannte Prinzip des Klubs (max. 3 Ausländern im Kader) hat schlechte Folgen: die ungarische Spielerinnen wissen dass sie nicht gut spielen müssen, weil sie auch so nicht mit Spielerinnen aus dem Ausland ersetzt werden.
Talente gibt es. Die Jahrgänge 1992 bis '95 haben viele talentierte Spielerinnen, und Gabi Tóth aus dem Jahrgang '96 ist auch sehr talentiert, sie spielt schon in der Nationalmannschaft. Der Problem ist dass viele talentierte junge Spielerinnen von Győr und FTC verpflichtet sind, wo aber sie keine Spielmöglichkeiten haben weil die beste und teuerste Spielerinnen der Welt auch in diesen Mannschaften spielen. Zum Beispiel die schon erwähnte Tóth. Sie spielt in RL oder RM. Und sie ist in Győr, in einer Mannschaft die für diese Positionen Eduarda Amorim, Zsuzsanna Tomori, Nycke Groot und Anita Görbicz haben wird. Tóth wechselte zu Győr mit 13, und hat eine langfristige Vertrag, also keine Möglichkeit den Klub zu verlassen. Dieses Jahr spielt sie, ausgeliehen, in Mosonmagyaróvár (inoffiziell aber tatsächlich die zweite Mannschaft von Győr).
Ja, ungarische Frauenhandball ist reich. Sie können das angeblich größte Talent der letzten Jahrzent ständig auf der Wechselbank sitzen lassen...
Einige haben doch Glück, wie Dorina Korsós (Jg. '95). Sie ist auch in Győr und wird in 2-3 Jahren eine der besten LA-Spielerinnen der Welt sein. Sie hat sehr viele Spielmöglichkeiten bekommen weil Győr wegen Verletzungen alle andere LA-Spielerinnen verloren hatte. Und so haben alle, auch Ambros Martín, der junge Talente ungern am Spielfeld sieht, gesehen, dass Korsós mit 18 im CL-Niveau spielen konnte, und jetzt spielt sie regelmäßig in Győr.
Ja, ich höre auf. So große Interesse hat man hier an ungarischem Handball wahrscheinlich nicht 