Beiträge von Beuger

    Ich musste gestern permanent an das CL-Finale denken, nämlich immer dann, wenn ein Abwehrspieler mit einem RIESENschritt auf den Außen gegangen ist, teilweise wurde der Außen dann auch gerempelt. Nach dem Maßstab des CL-Finales hätte es eigentlich rote Karten nur so regnen müssen, nach einem realistischen Maßstab wären aber tatsächlich mehrere 2-Minuten-Strafen fällig gewesen. Und was dann passiert wäre, weiß man nicht.


    Blödsinn, es geht um den Fuß, bei der WM bisher sind die Entscheidungen auf den Außenpositionen bisher sehr nachvollziehbar. Ich habe jetzt aber wirklich keine Lust auf die nächste SR Diskussion, lass uns lieber über das Spanienspiel diskutieren, bevor das von einer SR Diskussion überlagert wird wie so eine Corona Mutation.

    Tatsächlich war Deutschland gestern vom Spielstand her nicht chancenlos. Genau wie gegen Ungarn habe ich (als neutraler Beobachter, ich halte für und gegen keine Mannschaft) das deutsche Team etwas schwächer gesehen, als es der Spielstand ausgesagt hat.
    Folgende Punkte bleiben mir im Gedächtnis bezüglich Mannschaft und Trainer:

    - warum wird gegen eine derart offensive Abwehr nicht auf Marian Michalczik gesetzt? Er hätte in der Offensive sicherlich bessere Lösungen gefunden als Kühn oder Böhm und hätte hinten anstelle des überforderten Firnhaber im Mittelblock decken können. Nichts gegen Firnhaber, aber das ist einfach noch nicht sein Level, er hängt sich sehr rein, aber da kommt nicht mehr bei rum. Gerade in der ersten Halbzeit haben die Abwehr-Angriff-Wechsel der deutschen Mannschaft den Spaniern ein einfaches Tempospiel ermöglicht

    - die Deutschen haben bis kurz nach der Halbzeit gebraucht, um Lösungen gegen die offensive Abwehr zu finden. Dass dies hier von manchen Usern gelobt wird, kann ich nicht nachvollziehen. Zwar gingen die Deutschen dann in Führung, verloren wurde das Spiel in meinen Augen aber zu großen Teilen in der ersten Halbzeit. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass man im modernen Profihandball eine Abwehr bis zur Mittellinie mehr als selten sieht. So viel taktische Finesse in der Spielvorbereitung hätte ich von Gislason schon erwartet. Den angeblich weltbesten Linksaußen jeden Angriff einlaufen zu lassen, fand ich dann doch etwas unkreativ

    - es ist ein absolutes Nogo, wie die erfahrenen deutschen Spieler auf Juri Knorr rumhacken: 301 Moved Permanently Erstens kam er viel zu spät ins Spiel, zweitens wäre seine Auswechslung höchstens als kurze Verschnaufpause zu rechtfertigen gewesen und drittens war er mit Abstand der spielstärkste deutsche Akteur auf dem Platz. Sein zweiter Fehlpass geht auf die Kappe von Golla (schreibe ich als Flensburg-Fan). Und was machen Gensheimer und Bitter? Hacken auf den jüngsten Spieler ein, geht's noch? Andere Größen des Sports hätten nach einer Niederlage bei sich selbst die Verantwortung gesucht, Gensheimer und Bitter ziehen es wohl vor, die Saubermänner in der Öffentlichkeit zu bleiben. Das ist echt zum Fremdschämen. Passt ins Bild dieser Mannschaft, die nach jedem Tor völlig aufgesetzt mit versteinerter Mine die Faust in die Luft ballt und sich zum Pushen ins Gesicht brüllt.

    - Rein spielerisch waren die Spanier eine ganz andere Dimension. Deutschland war körperlich und athletisch massiv überlegen, die Spanier haben das Spiel aber mit technischer und taktischer Finesse dominiert. Kreative Lauf- und Körpertäuschungen, tolle Kleingruppenlösungen, riskante antizipative Abwehr, ein grandioses Zusammenspiel von Abwehr und Torwart und schwierige Wurfvarianten haben gegenüber der puren Power und Kopflosigkeit gesiegt. Eine Schande, dass Spanien eine Vielzahl solcher Rückraumspieler zum Vorschein bringt, Deutschland keinen einzigen. Mit Abstrichen ließen sich da Wiede und Weinhold nennen, Knorr und Michalczik vielleicht in Zukunft.

    Gomes wäre natürlich ein guter Transfer, aber dann muss der Kühn weg, sonst spielt der Gomes nicht, was so kommen wird, Kühn hat die Hausmacht. Damit wird sich der Gomes nicht entwickeln und die Kaderplanung ist schon wieder völlig für den Poppes.

    Kannst du gerne so sehen, ich hab eine andere Auffassung von Handballtaktik. Stell dir Mahe mal bei den Spaniern vor. DAS ist Handball. Nicht umsonst haben zwei seiner letzten drei Vereinstrainer ihn auch umgehend von der Rückraum Mitte Position ausgebootet.

    Spanien macht wirklich Spaß. Ich verstehe aber einige Entscheidungen des Trainers nicht:
    - warum ein Abwehr Angriff Wechsel? Man sollte es lieber ohne probieren, um das Tempo mitgehen zu können. Andere decken auch nicht schwächer im Mittelblock als Firnhaber. Gollas Pensum ist dazu zu hoch
    - sieben gegen sechs sollte als Alternative gespielt werden gegen so eine Abwehr
    - das Rauslassen von Heinevetter, Michalczik und Metzner halte ich gerade gegen Spanien für falsch
    - Warum spielt Knorr nicht?

    as BT-Argument kann man auch umdrehen. 3 der letzten 5 Bundestrainer waren Deutsche


    WOW, was ist besonderer:
    - dass zwei der letzten fünf (oder auch zwei der letzten drei) Bundestrainer von Deutschland Isländer waren?
    - dass drei der letzten fünf (oder auch einer der letzten drei) Bundestrainer von Deutschland Deutsche waren? :respekt:

    Sieht man deutsche Trainer eigentlich überhaupt bei erfolgreichen Handballnationen im Ausland, sei es auf Vereins- oder auf Verbandsebene? Schorle Roth war in Bahrain, wer noch? Das sieht beim Fußball schon ganz anders aus.

    Gut ist relativ. Er hat sehr gute athletische Anlagen, das stimmt, und er hat viele Aktionen, was beinahe zwangsläufig zu vielen Assists und vielen Toren führt. Ebenso hat er aber viele Turnover, viele schlechte Pässe, die Tempowechsel stimmen nicht, die Verlagerungen scheinen mir sehr zufällig zu sein und die Abstände zur Abwehr sind eine Katastrophe. Die Meinung muss man ja nicht teilen, aber ich würde ihn als Manager nicht verpflichten.

    Island hat als bessere Spielmacher als Deutschland und da hört es eigentlich auch schon auf.


    Island hat zunächst mal ca so viele Einwohner wie Deutschland aktive Handballer. Dass Island nur bessere Spielmacher hat, kann ich sowohl für aktuell, als auch für die letzten zwei Jahrzehnte nicht unterschreiben. Island hat momentan den besseren Superstar als Deutschland (Palmarsson) und auch außerhalb der Rückraum Mitte Position in den letzten beiden Jahrzehnten die stärkeren Stars hervorgebracht (Sigurdsson, Stefansson). Dazu bringt Island viel mehr bekannte Trainer zum Vorschein als Deutschland, selbst zwei der letzten drei deutschen Nationaltrainer waren Isländer. An diesen Punkten sieht man, dass das deutsche Handball-Ausbildungssystem einfach für den Poppes ist. Kein Isländer würde auf die Idee kommen, mit 15 in ein Drill-Internat zu gehen. Da wird lieber im Sommer Fußball gespielt, aber solch simple Zusammenhänge zwischen später Spezialisierung und langfristigem Erfolg versteht die DHB-Spitze in ihrer Engstirnigkeit und Kurzfristigkeit einfach nicht. Naja, genug des off topic.

    Der beste isländische RM spielt in Göppingen


    Und der zweitbeste in Magdeburg. Jonsson ist trotzdem ein sehr guter. Da sieht man den Unterschied zwischen Island und Deutschland.

    Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass junge, talentierte Spieler nicht nach Melsungen gehen sollten, vorausgesetzt sie wollen keinen Karriereknick.

    Viele Kommentare hier gehen in die richtige Richtung. Die deutschen Spieler sind sich zu ähnlich, zu schematisch, zu sehr Kopf-Wand, zu eindimensional. Wir haben keine "Zocker" a la Lekai, Duvnjak, Sagosen, oder es muss ja nicht mal Weltklasse sein, Bilyk, Karacic, Sarmiento, Zhitnikov und wie sie alle heißen. Spieler dieses Kalibers würden uns auch unabhängig von der Qualität gut tun. Am ehesten das Potential dazu sehe ich bei Michalczik und Knorr. Wiede hat das auch drauf, ihm fehlt aber ein bisschen der Biss und er ist zu verletzungsanfällig. Meiner Meinung nach sollte man deswegen Michalczik und Knorr ganz bewusst Verantwortung übertragen, sie können die fehlende Rolle ausfüllen. Gepaart mit Troubleshootern a la Weber, Metzner und auch Heymann (auch wenn ich den technisch limitiert finde) könnte das im Angriff was werden. Die Ausbildungsleitlinien in den nächsten Jahren müssen ganz klar mehr individuelle Freiheiten zulassen. Die Internatszwänge des Jugendzertifikats versprechen aber leider wohl das Gegenteil.

    In dieser Gruppe ist ordentlich Spannung drin, vier Teams mit realistischen Chancen aufs Weiterkommen. Deutschland mit dem Vorteil, ausgeruhter zu sein, dafür auch noch nicht so eingespielt. Das Spiel gegen Spanien wird wohl wegweisend. Spanien habe ich in diesem Turnier bisher etwas schwächer gesehen als im letzten Jahr, nicht zuletzt aufgrund des Fehlens von Aguinagalde. Diese Personalie könnte den Deutschen nützen, denn mit einer guten Abwehrleistung könnte es gelingen, die Spanier bei 25 Toren oder weniger zu halten. Voraussetzung dafür: keine unforced errors im Angriff, die den gegenstoßstarken Spaniern leichte Schnellangriffe ermöglichen.

    Mit Sicherheit die schwächste der Hauptrundengruppen, Kroatien hat bisher enttäuscht, Dänemark wird durchmarschieren, für Platz zwei sind Argentinien, Japan und Katar trotz ihrer frischen Art, Handball zu spielen, dennoch einfach zu schwach. Bahrain sehe ich auf dem letzten Platz. Schade im Nachhinein, dass Japan in der Vorrunde nicht gegen Kroatien gewinnen oder gegen Katar einen Punkt mitnehmen konnte. Dann wäre deutlich mehr Spannung garantiert gewesen.