Paul: Ich war nicht übertrieben optimistisch, zumindest nicht aus meiner Perspektive. Damals waren viele Spieler in sehr guter Form und fast niemand verletzt. Dass Prokop der Aufgabe des Bundestrainers bei seinem ersten Turnier nicht gewachsen war, das habe ich so nicht erwartet. Jedenfalls nicht in diesem Ausmaß. Dieses Mal sind wichtiger Leistungsträger verletzt oder kommen aus Verletzungen (Kühn, Drux, Wiede etc.) und die Form möglicher Leistungsträger (wie Weber) ist nicht gegeben.
Wiede war letztes mal auch nicht dabei, sofern ich mich richtig erinnere. Zumal Drux, Wiede und Weinhold leider chronisch so verletzungsanfällig sind, dass man immer befürchten muss das sie fehlen. Das mit Kühn war in der Tat Pech, auch wenn er bei der EM ebenfalls nicht das abgerufen hat, was sich die Leute von ihm wünschen, genau wie Weber.
Ich finde daran sieht man aber auch das was ich immer schreibe, meist ja Richtung Hierachie, es fehlt aber einfach ein grundsätzlicher Kern, auf den der Bundestrainer bauen setzen kann. Ich bin mir nach wie vor nicht sicher ob Prokop der richtige oder falsche Trainer ist, aber dieses Problem hätte auch Sigurdsson jetzt gehabt, da er in seiner Amtszeit sowas ebenfalls nicht aufgebaut hat.
Das tolle an den "Wild Boyz" aus 2016 war ja, dass fast in jedem Spiel ein bis zwei andere die herausragenden Akteure waren. Das ist aber etwas was zwangsläufig nicht automatisierbar ist. Wenn ich mir Frankreich selbst ohne Karabatic angucke, Norwegen (wo die ganzen Leute ja immer noch besser werden) oder Spanien...die haben halt diese klaren Strukturen. Auf dem Level war Deutschland aber schon vor der EM nicht. Kreis/Außen...kein Thema, aber der Rückraum ist eigentlich schon seit Heuberger bei jedem Turnier eine Experimentierstube und das kann man nicht immer nur auf Verletzungen und Form schieben.