Schuld hat nur die Ecke
Der 14. Spieltag. Wer ist diesmal alles betrogen worden?
Hamburg, Hoffenheim und Wolfsburg.
Was? Gleich drei Teams? Das war doch sicher die Wettmafia!
Ja genau. Hoffenheim hat gegen Dortmund verloren, weil der BVB einen Elfmeter bekommen hat, Hamburg spielt in Mainz nur 1:1, weil der Schiedsrichter auf Ecke anstatt auf Abstoß entscheidet, und Wolfsburg lässt Punkte in Bremen, weil der Schiedsrichter nach einem Handspiel von Özil nicht auf Freistoß für Wolfsburg, sondern auf Ecke für Bremen entscheidet.
Moment Mal. Keine regulären Tore aberkannt, keine fatalen Abseitsentscheidungen? Mit so etweas entscheiden doch Schiedsrichter normalerweise Spiele.
Das ist ja das Schöne. Heute können Trainer und Spieler alles auf den Schiedsrichter schieben, weil er einen Eckball gegeben hat.
Das ist ja praktisch.
Genau. So ist David Rozehnal fein raus. Der Hamburg hat nach besagter Ecke zwar im eigenenn Fünfmeterraum Gegenspieler Tim Hoogland eine formvollendete Vorlage für den Mainzer Ausgleichstreffer gegeben. Aber was soll's Der Schiedsrichter ist schuld. War ja gar kein Eckball.
Klar. Und was war in Bremen los?
Mesut Özil hat einen Pass angenommen, da war möglicherweise irgendwie Hand im Spiel. Der Schiedsrichter ließ weiterspielen: Ball im Aus, Ecke für Bremen. Die durfte dann Per Mertesacker dann vollkommen unbehelligt einköpfen. Kein Vorwurf an die Wolfsburger Abwehr. War ja gar keine Ecke.
Toll, da könnte man auch sagen: "Wenn der Schiedsrichter das Spiel nicht angepfiffen hätte, hätten wir auch nicht verloren."
Gute Idee. Muss man sich merken. Oder auch: "Wenn der Schiedsrichter keinen Elfmeter für Dortmund gegeben hätte, wäre der BVBnicht in Führung gegangen, dann hätte Weidenfeller nicht auf Zeit gespielt, dann hätte Hoffenheims Maicosuel ihm nicht den Ball aus der Hand schlagen müssen und hätte dafür keine Rote Karte gesehen. Dann hätte auch Dortmunds Owomoyela Maicosuel nicht anschreien müssen, und Vedad Ibisevic hätte Owomoyela nicht an den Haaren ziehen müssen." Alle hätten sich furchtbar lieb gehabt, wäre da nur nicht der fiese Schiedsrichter.
Verstehe. Und was ist mit Hertha los? Die haben jetzt nach 14 Spielen elf Niederlagen. Werden die auch immer betrogen?
Nein. Die können es nicht.
Ok. Und was wollen sie dagegen tun?
Nichts. Präsident Werner Gegenbauer sagt: "Ich bin überzeugt, dass Sportdirektor Michael Preetz und Friedhelm Funkel die Antworten finden werden."
Na dann viel Erfolg dabei.
Und auf Wiedersehen.
Stefanie Schmidt, Kölner Stadtanzeiger - 30.11.09