Übrigens, ein Kommentar aus dem Kölner Stadtanzeiger:
Kommentar - Bestechung im Handball
Theorie und Praxis
Von Karlheinz Wagner, 03.03.09, 20:41h, aktualisiert 03.03.09, 21:08h
Die Bestechungsvorwürfe gegen den Handball-Bundesligist THW Kiel erregen die Gemüter. Doch schon in der Vergangenheit hat es im Welthandball Entscheidungen gegeben, die nicht nachvollziehbar waren.
Für Verschwörungstheoretiker im Sport ist der Handball ein Paradies: Stürmer- oder Defensivfoul? Stand der Torschütze im Kreis? Oder der Verteidiger? Pfeift man heute noch Schrittfehler? Und wenn ja, wie oft? Für welches Vergehen werden Spieler vom Platz gestellt? Wann belässt man es bei einer Ermahnung? Ab wann ist Zeitspiel zu ahnden? Achtet man darauf, dass ein Einwurf von der korrekten Stelle ausgeführt wird? Und wenn ja, wie oft? Hält man in den Schlussminuten bei jedem Pfiff die Uhr an? Fragen über Fragen. Und jede dieser Fragen kann jeder Schiedsrichter in jedem Spiel aufs Neue klipp und klar beantworten: mal so, mal so.
Jeder Handball-Freund hat für jedes der Probleme sofort spielentscheidende Szenen parat - dass bei der Olympia-Qualifikation in Asien die Südkoreaner betrogen worden sind, ist aktenkundig; und das Unbehagen reicht noch weiter. Wieso ist Frankreich beim WM-Halbfinale 2007 gegen Deutschland ein vollständig einwandfreies Tor aberkannt worden? Warum hatten die Deutschen bei der WM 2009 so auffälliges Pech mit den Schiedsrichtern?
Die Macht der Schiedsrichter zu einer Art Willkür, bei der simpler Irrtum und bezahlte Korruption einander ähneln wie ein Tornetz dem anderen - das ist es, was den Handball so anfällig macht für Verschwörungstheoretiker. Und so verlockend für Praktiker.