Original aus dem Kölner Stadtanzeiger
Vorbild Beiersdorfer
VON FRANK NÄGELE, 17.08.07, 20:57h
Köln / Hamburg - Der Fall Rafael van der Vaart beschäftigt nicht nur die Fans des Hamburger SV, sondern den ganzen deutschen Fußball. Der Kampf des HSV-Stars und einstigen Publikumslieblings um einen Wechsel zum FC Valencia schürt die Ängste in jedem Anhänger eines Fußballvereins. Sollte es dem Niederländer gelingen, gegen den Willen seines Arbeitgebers nach Spanien zu wechseln, wäre das ein Zeichen für die Machtlosigkeit der deutschen Vereine. Genau deshalb bemüht sich Hamburgs Sport-Direktor Dietmar Beiersdorfer jetzt um Härte. „Wir werden ihn unter keinen Umständen abgeben“, sagte Beiersdorfer.
Inzwischen hat der HSV den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und den Weltverband Fifa eingeschaltet. Der Klub schickte den Dachorganisationen einen Durchschlag des Briefs, in dem er den FC Valencia dazu aufforderte, das Werben um den 24-Jährigen „unverzüglich“ einzustellen. Sollten dem spanischen Klub oder van der Vaarts Berater Sören Lerby nachgewiesen werden, dass sie den bis 2010 in Hamburg unter Vertrag stehenden Spieler zum Wechsel bewegen wollen, drohen ihnen drastische Strafen. Noch am Rande des Uefa-Pokal-Spiels bei Honved Budapest hatte der Däne Lerby gemeinsam mit van der Vaarts Vater versucht, Beiersdorfer zu überreden.
Ähnlicher Machtkampf vor elf Jahren
Der Hamburger Sport-Direktor kennt das Interesse und die Position des Spielers ganz genau. Vor elf Jahren, im Sommer 1996, hat er als Profi einen ähnlichen Machtkampf mit seinem damaligen Verein 1. FC Köln ausgetragen. Und gewonnen. Der Verteidiger war in der Winterpause 1995 / 1996 vom SV Werder Bremen zum FC gekommen, der in Abstiegsgefahr schwebte. Nicht zuletzt dank seiner hervorragenden Leistungen gelang dem Klub am letzten Spieltag die spektakuläre Rettung mit einem 1:0-Sieg bei Hansa Rostock. Bester Mann auf dem Platz: Beiersdorfer, der noch am Tag zuvor unter Fieber litt. Nur wenige Tage später konfrontierte Beiersdorfer den damaligen FC-Manager Wolfgang Loos mit seinem Wunsch, trotz laufenden Vertrags zum italienischen Erstligisten Reggina Calcio zu wechseln. Erste Reaktion des Vereins: niemals, unverkäuflich. Fünf Wochen später musste der FC aufgeben. „Ich kann mich noch gut daran erinnern“, sagte Wolfgang Loos (jetzt 1. FC Saarbrücken) am Freitag, „wir wurden massiv von ihm unter Druck gesetzt.“ Der heutige HSV-Sportdirektor soll dem FC damals damit gedroht haben, seine Karriere zu beenden und ein Studium zu beginnen, wenn man ihm diese Chance verbaue. In einem Artikel der „Sport-Bild“ wird er sogar so zitiert: „Wenn ich bleiben muss, bin ich ständig verletzt.“ Beiersdorfer sah in Italien eine berufliche Zukunft bei einer Mineralwasserfirma. Der damalige Trainer Peter Neururer erklärte gestern: „Ich habe damals nächtelang nicht geschlafen, aber Didi sprach damals mit Tränen in den Augen von seiner beruflichen Chance.“ Beiersdorfer spielte übrigens noch ein Jahr in Reggina,
dann beendete er seine Karriere. Generell hat der derzeit vertragslose Neururer eine klare Meinung zu Fällen wie diesen: „Wenn dem Treiben nicht langsam Einhalt geboten wird, macht am Ende jeder, was er will.
Ich sage das jetzt rein emotional: Ich würde einen solchen Spieler bis zum Ende seiner Vertragszeit auf die Bank setzen, Grundgehalt bezahlen, Feierabend.“ Die Hamburger scheinen offenbar bemüht, im Kampf um Rafael van der Vaart irgendwie das Ende der Transferperiode am 1. September zu erreichen, danach sind Wechsel bis zum Winter ohnehin nicht mehr erlaubt. Trainer Huub Stevens bemüht sich um inneren Frieden, indem er zur angeblichen Verletzung seines Landsmannes sagte: „Rafael war und ist verletzt. Er hat den HSV noch nie im Stich gelassen.“