Wer nicht gut ausbildet, zahlt!
Den Sprung aus der eigenen Jugend in den Kader der ersten Mannschaft hat Tusem-Talent Ruwen Thoke (l.) - hier im Zweitliga-"Endspiel" gegen Dormagen - geschafft. Foto: WAZ, Gohl
Das neue "HBL-Jugend-Zertifikat" belohnt alle Vereine, die sich vorbildlich um den eigenen Nachwuchs kümmern.
Bei Nichterfüllung des Anforderungskataloges müssen Erst- und Zweitligisten Gebühr in einen Fonds einzahlen
HANDBALL 1. BUNDESLIGA Die Qualität der Jugendarbeit soll nach dem Willen aller Vereine der Handball-Bundesliga (HBL) noch stärker als bisher gefördert werden. Ein wichtiger Baustein in diesem Konzept ist das "HBL-Jugend-Zertifikat". Diese Auszeichnung sollen in Zukunft all diejenigen Erst- und Zweitligaklubs erhalten, die sich in vorbildlicher Weise im Bereich der Jugendarbeit verdient machen. Im Gegensatz dazu müssen Vereine, die den Anforderungskatalog für dieses Zertifikat nicht oder nur teilweise erfüllen, Gebühren in einen Fonds der HBL einzahlen.
"Ich finde, das ist eine gute Sache", sagte Jens Wachowitz gestern der WAZ. Der Tusem-Sprecher vertrat die Interessen des Erstliga-Aufsteigers bei jener Ligaversammlung in Dortmund, auf der die Einführung des Zertifakts beschlossen wurde. Und das einstimmig, wohlgemerkt. "Es gab in der Vergangenheit einige Profi-Klubs, die keinen allzu großen Wert auf die Jugendarbeit gelegt haben. Das wird sich nun wohl ändern", prognostiziert Wachowitz. Denn alle Ausbildungs-Müden müssen fortan einmal jährlich 0,5 Prozent ihrer Bruttolohnsumme in besagten Fonds einzahlen. Die Mindestgebühr für Erstligisten beträgt 7500 Euro, für Zweitligisten 1500 Euro.
Mit den Fonds-Geldern sollen in Zukunft Spitzen-Jugendprojekte gefördert werden - etwa die Ausrichtung international besetzter Turniere. Auch Trainingslager oder die Fortbildung von Jugendtrainern sollen aus diesem Geld-Topf bezahlt werden. Ein Gremium, dem auch Vorstandsmitglieder der HBL angehören, ist für die Vergabe, Verwaltung und Kontrolle der Projektgelder verantwortlich. Laut HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann richtet sich das Angebot aber nicht nur an Vereine der HBL, sondern explizit an alle Klubs.
Zwölf Jugendteams und insgesamt 400 Aktive umfasst die Handball-Abteilung des Tusem derzeit. Um den Nachwuchs kümmert sich laut Jens Wachowitz ein rund 15-köpfiger Trainer- und Betreuerstab. "Allerdings verfügen wir momentan noch über keinen hauptamtlichen Jugendtrainer, das ist jedoch ein Teil des Anforderungskataloges", so Wachowitz. Er betont, dass die Weichen für die Zukunft der Jugendarbeit im Tusem in den kommenden Wochen endgültig gestellt werden.
Ziel dieses Projektes soll es sein, möglichst viele klubeigene Talente an den Profibereich heranzuführen. In Ben Schütte, Martin Wozniak, Ruwen Thoke und Alexander Schult stehen immerhin vier Spieler im Bundesliga-Kader des Tusem, die aus der eigenen Jugend stammen. "An der Margarethenhöhe wird traditionell gute Jugendarbeit geleistet", sagt Wachowitz - und verweist auf die Ex-Essener Florian Kehrmann, Torsten Jansen und Michael Haaß, die sich seit Februar 2007 allesamt "Weltmeister" nennen dürfen.
Zu den Entwicklern und Befürwortern dieser Zertifikats-Idee zählt auch Handball-Bundestrainer Heiner Brand. Er hatte schon seit Jahren dafür plädiert, die Arbeit im Jugendbereich zu intensivieren und deutschen Talenten mehr Spielzeiten im Spitzenbereich zu ermöglichen. Nun erhörten die HBL-Vereinsvertreter zumindest den ersten Ruf.
08.07.2007 Von Thomas Richter