Original von abendblatt.de:
"Ich glaube an diese Geschichte"
Handball: Martin Schwalb wird neuer Trainer des HSV Hamburg. Der frühere Nationalspieler erhält einen Vertrag bis 2008.
Von Achim Leoni
Hamburg/Wetzlar -
Am Freitag nachmittag bereitete Thomas Knorr den HSV Hamburg wie geplant auf das Bundesligaspiel am Sonnabend beim Wilhelmshavener HV (19.30 Uhr, Nordfrost-Arena) vor. Doch noch ehe das Training in der Sporthalle beendet war, stand fest, daß sich der frühere Nationalspieler wieder auf sein Dasein als Handballprofi konzentrieren kann. Als neuen Trainer hat der HSV wie geplant Martin Schwalb von der HSG Wetzlar verpflichtet. Der 42jährige, der das Amt des am Montag nach 168 Tagen entlassenen Christian Fitzek antritt und einen Vertrag bis 2008 erhält, wird schon in Wilhelmshaven auf der HSV-Bank sitzen und mit dem verletzten Torsten Jansen seine neue Mannschaft betreuen.
"Der HSV bietet mir die Chance, einen Verein zu trainieren, der einen anderen Anspruch hat", sagte Schwalb zu seiner Motivation. "Für mich ist Handball in Hamburg eine Riesenherausforderung. Ich glaube an diese Geschichte." HSV-Geschäftsführer Dierk Schmäschke bezeichnete die Verpflichtung als "wichtigen Schritt in die Zukunft. Wir haben die Geschicke der Mannschaft in kompetente Hände gegeben".
HSV-Präsident Andreas Rudolph und Wetzlars Manager Rainer Dotzauer hatten letzte Details bei einem Treffen in Kassel geklärt. "Es wurde eine vernünftige Einigung zwischen dem HSV, Wetzlar und Martin Schwalb erzielt", kommentierte Schmäschke das Ergebnis viertägiger Verhandlungen. Zu den Modalitäten wollte er sich nicht äußern. Der HSV habe allerdings seine Positionen durchsetzen können: "Wir haben weder eine Ablöse gezahlt, noch wird es ein Tauschgeschäft mit einem Spieler geben."
Dotzauer hatte ausdrücklich Interesse am serbischen Rückraumspieler Branko Kokir geäußert, der in Hamburg bisher kaum zum Einsatz kam. Doch dessen Freigabe hatte Rudolph stets verweigert: "Branko hat mir gesagt, daß er bleiben will. Außerdem soll der neue Trainer den bestmöglichen Kader vorfinden."
Laut Dotzauer sei der Transfer möglich geworden, "weil der HSV uns versprochen hat, uns bei der Verpflichtung eines bundesligaerfahrenen Spielers zu helfen". Möglicherweise wollen die Hamburger einen Transfer mitfinanzieren. Wahrscheinlicher ist, daß Schwalb nach einer Eingewöhnungsphase in Hamburg einen HSV-Profi aussortiert und zu seinem bisherigen Verein transferiert. "Wenn Schwalb bei uns ist, werden wir uns über alles in Ruhe unterhalten", sagte Rudolph.
Mit Schwalb hat der Präsident seinen Wunschkandidaten durchgesetzt. Schon im Mai hatte Rudolph nach der Entlassung von Fitzeks Vorgänger Bob Hanning um Schwalb geworben - damals vergeblich, weil der Schwabe noch bis zuletzt auf eine Sanierung der SG Wallau-Massenheim gehofft hatte. Der Klub erhielt schließlich keine Lizenz.
In Wallau hatte der ausgebildete Journalist, 193maliger Nationalspieler und zweimal Europacup-Gewinner, bis vergangenen Sommer 15 Jahre lang als Profi und Trainer erfolgreich gewirkt. Nach dem Lizenzentzug und der Rückstufung des Traditionsvereins in die Regionalliga war der gebürtige Stuttgarter zu Saisonbeginn nach Wetzlar gewechselt. Dort hatte er nach einem überraschenden Auftakterfolg gegen Magdeburg sechs Niederlagen hintereinander hinnehmen müssen. Dennoch stand sein Posten nicht zur Disposition.
Dotzauer bat am Freitag die enttäuschten Wetzlarer Fans um Verständnis für den kurzfristigen Wechsel. "Die HSG und insbesondere ich hätten Martin gern behalten, aber wir müssen seine Entscheidung akzeptieren", sagte Dotzauer, der bis Dienstag einen Nachfolger präsentieren will. Beim Sonnabendspiel in Lemgo wird die Mannschaft von Co-Trainer Axel Spandau betreut, den Schwalb nicht mit nach Hamburg bringt. Ob beim HSV nun auch ein Assistenzcoach eingestellt wird, soll in der nächsten Woche geklärt werden.
erschienen am 22. Oktober 2005