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ZitatAlles anzeigenOriginal von sport1.de:
"Der Täter wird zum Opfer gemacht"
Essen/München - Die schlimmste Krise in der noch jungen Geschichte der Handball-Bundesliga (HBL) spitzt sich weiter zu.Europapokalsieger TUSEM Essen, dem der Liga-Verband auch in zweiter Instanz die Lizenz für die nächste Saison verweigerte, hat beim Landgericht Dortmund eine Einstweilige Verfügung gegen diese Entscheidung eingereicht und damit für mächtig Zündstoff gesorgt.
"Die Solidargemeinschaft HBL ist höchst belastet", gesteht HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann gegenüber Sport1.de ein.
Ist es das wert?
Der jetzige Vorsitzende Bernd-Uwe Hildebrandt geht gegenüber Sport1.de sogar noch einen Schritt weiter. Im Sommer soll sein Nachfolger gewählt werden.
"Der neue Vorsitzende sollte sich angesichts dieser Vorgänge Gedanken machen, ob es das überhaupt wert ist, die Aufgabe zu übernehmen. Was jetzt passiert, ist bedenklich", sagt der Manager des SC Magdeburg.
Man habe eine Fürsorgepflicht für alle Vereine. "So macht es keinen Spaß mehr. Hier wird der Täter zum Opfer gemacht."
Die Zeit wird knapp
Dass der Altmeister in einem bisher einmaligen Vorgang vor einem Zivilgericht die Lizenz erstreiten will, muss als Akt der Verzweiflung gewertet werden.
Die letzte Instanz der Sportgerichte, das Ständige Schiedsgericht, wird nicht mehr abgewartet. Hintergrund: Dem TUSEM läuft die Zeit davon. Bereits im September beginnt die neue Saison. Planungssicherheit aber hat Essen nicht."Schwer nachvollziehbar"
Die Westdeutschen setzen die Grundlagen der HBL aufs Spiel. Alle Klubs hätten im Lizenzvertrag das Ständige Schiedsgericht als letzte Instanz anerkannt, so Bohmann: "Daher ist Essens Entscheidung schwer nachvollziehbar."
Dem Beispiel könnten nun aber andere folgen, sollten sie vor Sportgerichten scheitern.
Bohmann wird die HBL gemeinsam mit Rechtsbeistand Andreas Thiel am 23. Juni vor Gericht vertreten.
TUSEM-Angriffe auf DHB und HBL
Die Fronten sind ohnehin verhärtet, das Tischtuch zwischen Essen und der HBL sowie dem Deutschen Handball-Bund (DHB) scheint zerschnitten.
Anfang der Woche hatte TUSEM-Präsident Ulrich Gaißmayer in einem Schreiben DHB-Präsident Strombach direkt angegriffen und ihn zu einem Machtwort aufgefordert. Gaißmayer legte mittlerweile noch einmal nach.
Ziel seiner Vorwürfe ist nun die HBL. "Jeder Kreisklassenverein ist besser organisiert als diese Institution", wird Gaißmayer in der "WAZ" zitiert.
Mehr als ein Rechtsstreit
Hildebrandt hat Verständnis für Essens Situation: "Natürlich ist es klar, dass jeder bis zum bitteren Ende um die Lizenz kämpft."
Für die HBL geht es in den nächsten Wochen um mehr als einen Rechtsstreit. Es geht um die Grundgedanken der Gemeinschaft aller Bundesligisten. Auch wenn Frank Bohmann betont, die Mehrzahl der Klubs verhalte sich solidarisch.
Griff nach dem Strohhalm
Flensburgs Manager Thorsten Storm bringt es bei Sport1.de auf den Punkt: "Essen kämpft ums Überleben. Dass der TUSEM nach dem letzten Strohhalm greift, ist doch klar. Es wäre ja auch schade, wenn die Spiele gegen Essen nicht mehr stattfinden."
Allerdings, so Storm, sei dieses Vorgehen "für die Solidargemeinschaft HBL negativ, wenn Entscheidungen auf diesem Wege in Frage gestellt werden. Und vielleicht sogar umgebogen werden".
Michael Schwartz
Wenn Herr Bohmann das Vorgehen nicht nachvollziehen kann, dann tut es mir um seinen begrenzten Horizont leid. Der Verhandlungstermin für das Schiedsgericht ist leider Gottes vier Tage zu spät. Ansonsten hätte man in Essen wohl erst die Entscheidung abgewartet.