Dann beginne ich mal mit der Essener Presseschau. Die Magdeburger Presselandschaft würde mich auch mal interessieren ![]()
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Wahnsinn! Tusem hat den Pott
EUROPAPOKAL-FINALE / Torgovanov markiert vor 6000 Fans in der Arena den Siegtreffer zum 31:22 gegen SCM.
Wahnsinn, einfach Wahnsinn! Der Tusem hat es tatsächlich geschafft und sich den Pott geholt. Der "einschultrige" Pino Torgovanov markierte nach einem Zwanzig-Meter-Zauberpass von Oleg Velyky den alles entscheidenden Treffer zum 31:22 (16:11). Abpfiff. Freudentaumel, Tränen, Sektdusche, Konfettiregen, "We are the champions"-Ehrenrunde mit Sieger-T-Shirts und dem Pott - das volle Feier-Programm, auf das die Essener so sehnlich gewartet hatten.
"Ihr wart Spitze, danke" brüllte Tusems irrsinnig glücklicher Torhüter Chrischa Hannawald mit schon heiserer Stimme übers Hallenmikro in die Arena Oberhausen, wo 6000 Zuschauer ein packendes und mitreißendes Endspiel erleben durften. Nach 1994 wandert nun endlich wieder ein silberner Riesen-Pokal in die Vitrine des Traditionsvereins, für den der Triumph im EHF-Pokal auch existenzielle Bedeutung hat.
Acht Tore waren viel Holz
Acht Tore Rückstand aus dem Hinspiel - das war verdammt viel Holz. Und mal ganz ehrlich - wer hatte es dem Tusem noch zugetraut, das "Handball-Wunder" zu vollbringen? Der SC Magdeburg wohl nicht. Als Tusem-Insider hatte nur Alfred Gislason immer gewarnt, wie gefährlich ein so deutlicher Sieg aus dem Hinspiel sein würde.Auch wenn er wie ein Löwe kämpfte am Spielfeldrand, alles versuchte - sein Star-Ensemble konnte es mit dem ungeheuren Siegeswillen und der Leidenschaft des Tusem an diesem stürmischen Nachmittag einfach nicht aufnehmen.
Obwohl sich Pino Torgovanov bereits nach 1.52 Minuten erneut die Schulter ausrenkte, ließ sich Tusem nicht beirren. Vier Mediziner bemühten sich um den Kapitän, der nach elf Minuten mit eingerenkter Schulter zurückkehrte und sich unter Schmerzen dann tatsächlich auch wieder ins wilde Getümmel stürzte.
Aber dieses Finale, das hatte sich der 34-jährige Weltklassekreisläufer und Abwehrspezialist bereits in Astrachan geschworen, dieses Finale würde er spielen - egal, wie.
Schon nach zwölf Minuten war der Vorsprung der Magdeburger, die mit großem und siegessicherem Gefolge in die Arena eingezogen waren, heftig zusammengeschmolzen. Beim 10:5 für Tusem zog Gislason zum ersten Mal die grüne Karte für die Auszeit. Da hatte er schon so eine Ahnung...
Chrischa Hannawald hielt unglaublich, Gokir Sigurdsson war Animateur und Antreiber für die Teamkollegen und die Halle und Ausbremser für den polnischen SCM-Rückraumtorjäger Karol Bielecki, der im ersten Finale noch zehn Tore erzielt hatte.
Eisbeutel im Nacken
Mark Schmetz blieb bei seinen Siebenmetern ganz cool, weil er so heiß wie noch nie auf diesen Titel war. Oleg Velyky führte clever Regie. In der zweiten Halbzeit saß er erneut mit einem Eisbeutel im Nacken auf der Bank. Mit Brummschädel.Aber es gab ja auch noch Sergio Casanova, dem es vorbehalten war, in der 34. Minute das 21:13 zu markieren und damit den "Ausgleich". Da kämpfte Viktor Szilagyi um jeden Zentimeter Platz, ackerte Oliver Roggisch in der Abwehr wie ein Berserker, holte Evars Klesniks alles aus sich raus, kam Mario Kelentric von der Bank und parierte einen Siebenmeter gegen Bielecki.
Nicht zu vergessen der kühne Michael Haaß, der die wichtigen Treffer zum 24:15 (41.) und 26:18 (47.) setzte. Nach zwei verwandelten Siebenmetern von Theuerkauf in Folge zum 20:26 schien Magdeburg noch einmal am Drücker zu sein. Draußen stürmte es, drinnen entwickelte Tusem Tornadogröße und riss dem SCM den Pott aus den Händen.
08.05.2005 SABINE HANNEN
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Für Chevtsov wurde ein Traum wahr
Mit verdächtig geröteten Augen gab Iouri Chevtsov nach dem EHF-Cup-Sieg mit dem Tusem ungewöhnliche Einblicke in sein Innerstes: "Für mich ist das ein Traum und ich träume weiter." Anschließend ließ er diesen Traum noch einmal Revue passieren.
Von der schweren Verletzung Pino Torgovanovs, durch die sich seine Mannschaft aber nicht hatte verunsichern lassen, sondern im Gegenteil, noch mehr gekämpft hatte. Von der Rückkehr Torgovanovs trotz großer Schmerzen, um die Mannschaft zu stärken, von dem "historischen" Tor.
Von dem Kampf der medizinischen Abteilung. Von den Fehlern seiner Mannschaft im Hinspiel und der großartigen Aufholjagd im Rückspiel. Und seiner "Vorhersage" der Final-Dramaturgie. "Ich habe der Mannschaft vor dem Spiel gesagt: Dieses Spiel wird in den letzten zehn Sekunden entschieden." Wie wahr...
* Neben dem überglücklichen Chevtsov, der auch von seinen ehemaligen Lemgoer Spielern längst Gratulationen per Handy erhalten hatte, hatte es Alfred Gislason schwer, Worte zu finden: "Natürlich bin ich enttäuscht. Wir waren selber Schuld. Mir war klar, dass das kein Spaziergang wird. Aber das ging wohl nicht allen so."
* Danach wollte Gislason nur noch weg. Und mit ihm die Mannschaft, die der Einladung zum gemeinsamen Essen mit Essen nicht nachkam. Der Tusem hatte dem SCM mehr als nur den Appetit verdorben.
* Hade Schmitz, Sportlicher Leiter des Tusem, bekannte, dass für ihn "ein Wunder wahr geworden ist." Aber er hatte schon nach dem ersten Finale eine Aufbruchstimmung in der Mannschaft gespürt: "Da war sofort die Tendenz: Das biegen wir noch um!" Er lobte die große Stärke der Mannschaft, die über den Kampf zu einer verschworenen Gemeinschaft verschmolz und den siegessicheren Stars aus Magdeburg mit Mut und Herz Grenzen aufgezeigt hatte. "Als der Vorsprung so schnell zusammenschmolz, geriet Magdeburg in Angst."
* 1989 hatte Schmitz als Trainer mit dem Tusem den ersten Europapokal-Titel nach Essen geholt. Damals gegen Creteil. "Die Mannschaft von 89 war auf ihrem Zenit mit Spielern wie Rasmussen, Happe, Schwalb, Fraatz, Hecker, als sie den Pokal holte. Das musste man auch von ihr erwarten dürfen. Die Mannschaft von 2005 ist eine ganz andere. Sie lebt von ihrem großen Herzen und hat damit ein Team in die Knie gezwungen, das mit Weltklasse-Könnern gespickt ist." (saha)
08.05.2005
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In die Tollhaus-Freude mischte sich auch Wehmut
EUROPAPOKAL / In der Kabine ließen die Spieler ihren Emotionen freien Lauf. Kapitän Torgovanov muss sich Dienstag operieren lassen.
Dicke Luft in der Kabine. Hier riecht es nach Erfolg. Riesenerfolg. Temperaturen wie in der Bio-Sauna. Kein Wunder, so heiß wie die Jungs auf ihren silbernen Pokal waren, der jetzt übersät von Kussspuren und Handabdrücken neben den Köpi-Kästen steht.
Aber eigentlich ist er längst zum Wanderpokal geworden. Für Erinnerungsfotos mit immer neuen Motiven und immer demselben Dauerstrahlen, das irgendwie eintätowiert ist in die Gesichter. Die einen stimmen unter der Dusche Gesänge an, die nicht ganz jugendfrei sind, andere müssen sich erst einmal sammeln, es gibt die Freuden-Telefonierer, Tollhaus-Tänze und da ist auch Wehmut zu spüren. Denn in dieser Runde werden sie nicht mehr lange zusammenhocken...
Wenn Iouri Chevtsov seinen Co-Trainer Kristof Szargiej herzt und mit den feierlich klingenden Worten bedenkt: "Du hast immer zu mir gehalten, egal, was war. Danke!" werden auch gestandenen Mannsbildern die Augen feucht.
Zwei Tage sacken lassen
Wenn es aus Mario Kelentric herauspurzelt: "Das ist das Schönste für mich, mit dieser Mannschaft zu siegen", wenn Evars Kleniks gesteht: " Das ist das Größte" und daneben Mark Schmetz laut vor sich hindenkt: "Ich hab" das noch gar nicht kapiert. Ich glaub, ich brauch´ erst mal zwei Tage, bis mir das alles so richtig bewusst wird." Dann muss man (Frau) sich einfach mitfreuen mit einer Mannschaft, die zusammen durch dick und dünn marschiert ist und jetzt diesen emotionalen und kostbaren Ausnahmezustand Seite an Seite in vollen Zügen genießt.
Im Zentrum des ganzen Freudenknäuels hockt Pino Torgovanov, der einfach alles riskiert hat für diese glücktriefenden Momente und sich am Dienstag einer Schulteroperation durch Hans-Gerd Pieper in Bremen unterziehen muss. Für ihn war es das letzte Spiel der Saison.
"Ich bin so stolz. Das ist eine besondere Mannschaft. Bei uns ist einer stolz auf den anderen und froh, miteinander spielen zu dürfen. Es ist schade, dass wir auseinandergerissen werden und auch der Trainer geht. Er ist für mich der Größte." (saha)
08.05.2005
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EINWURFVon Herzen und Schatullen
Lange Jahre hat es gedauert, bis das Essener Handball-Aushängeschild Tusem wieder einen Titel erobern konnte. Und das nach einem scheinbar uneinholbaren Rückstand aus dem ersten Finale mit Magdeburg, als die Mannschaft mit acht Toren in der Bördelandhalle unterlag. In der Arena Oberhausen gelang dann doch das Essener "Handball-Wunder" nach einer Bluthöchstdruck-entfachenden Aufholjagd.Als der verletzte Kapitän Pino Torgovanov den Pott endlich in seinen großen Händen hielt, flossen Schampus und Tränen in Strömen. Ein wunderbares Gefühl.Dieser EHF-Cup-Titel ist in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes. Er ist so kostbar, weil er ein unvergängliches Geschenk ist, das sich die Mannschaft unter dramatischen Umständen selber machte. Ein perfektes Dankeschön an ihren Trainer, mit dem sie so eng verwachsen sind wie Efeu mit alten Mauern. Ein Siegesbecher für die scheidenden Spielerpersönlichkeiten Chrischa Hannawald und Gudjon Sigurdsson, die man am liebsten doch nicht gehen lassen würde. Der Pokal kann auch zum "Überlebensretter" des finanziell mit dem Rücken zur Wand stehenden Traditionsvereins werden. Er soll Schatullen öffnen. Tusem-Boss Klaus Schorn glaubt noch immer an die Möglichkeit, dass sich der säumige Sponsor noch erweichen lässt oder Geschäftspartner von Georg Weiner in die Bresche springen, so dass die ausstehenden 2,77 Millionen doch noch fließen.
D er Cup kann auch als "Türöffner" für potenzielle neue Geldgeber fungieren, die den von der ersten Minute an zur Bundesliga gehörenden Klub retten helfen. Jetzt sollten alle, Förderer, Politiker, Fans des Tusem an einem Strang ziehen. So, wie es die Mannschaft vorlebt.
08.05.2005 SABINE HANNEN
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Die Glücks-Sekunde !
Wir haben ihn! Pino Torgovanov (l.) und Oleg Velyky stemmen den Pott nach dem EHF-Cup-Coup von Tusem Essen gegen Magdeburg in der Arena Oberhausen in die Höhe. (Foto: Simon)HANDBALL / Pino Torgovanov krönt seine Karriere mit dem entscheidenden Tor bei Tusem Essens Triumph im EHF-Cup.
ESSEN. Wenn es so etwas wie eine Handball-Vorsehung geben sollte, dann hielt sie für Pino Torgovanov die Schlüsselsekunde des Endspiels um den EHF-Pokal zwischen Tusem Essen und dem SC Magdeburg parat. Vor 6000 Zuschauern in der Arena Oberhausen versenkte der Essener Kapitän die Kugel nach einem genialen Anspiel von Oleg Velyky Zehntelsekunden vor Schluss zum 31:22 (16:11). Der Pott blieb im Pott. Keinem wurde das Siegtor mehr gegönnt als dem blonden Riesen mit dem großen Herzen und der schwachen Schulter.
Es war gleichzeitig Torgovanovs letzte Aktion dieser Handball-Saison. Am Dienstag muss er sich an der Schulter operieren lassen, die er sich bereits nach knapp zwei Minuten wieder ausgekugelt hatte. Neun Minuten später kehrte er aufs Parkett zurück. Weil er sich geschworen hatte, zum ersten Mal in seiner Weltkarriere einen Europapokal zu holen.
"Nobody" Haaß spielt Kretzschmar an die Wand
Acht Tore hatte der Tusem nach der Hinspiel-Niederlage aufzuholen. Mit einem unbändigen Willen machten sich die Essener an das fast aussichtslose Unterfangen. Sie entwickelten einen Riesendruck, dem das Magdeburger Star-Ensemble nicht standhielt. Ein "Nobody" wie der 21-jährige Michael Haaß spielte mit seinem Mut einen hochdekorierten Stefan Kretzschmar glatt an die Wand. SCM-Trainer Alfred Gislason, einstiger Tusem-Spieler, hatte schon nach dem 30:22-Hinspielsieg seiner Mannschaft geunkt: "Wir sind noch nicht durch." Er sollte Recht behalten. "Wir waren selber Schuld", so das bittere Schlusswort von Gislason.Der SCM und seine frustrierten Fans suchten nach der Siegerehrung schnell das Weite. Die 1200-Jahr-Feier in Magdeburg hatten sie mit dem Pokal begehen wollen. Jetzt mussten sie mit leeren Händen heim.
Der Tusem badete in Sekt. Es wurde gerockt, gesungen, getrunken, gelacht und geredet in ausgelassenstem Durcheinander. Und immer wieder zog es die Spieler magisch zu ihrem "Pott". Fügelflitzer Mark Schmetz hätschelte ihn wie sonst seinen vierbeinigen Freund, Oleg Velyky postierte seinen kleinen Sohn Nikita vor dem Kelch, Oliver Roggisch nahm sich freudetrunken einen großen Schluck aus dem mit Bier gefüllten Silberteil, dessen Deckel vorsichtshalber in Verwahrsam genommen worden war. Der wäre jetzt auch nur im Weg gewesen.
"Für mich ist das ein Traum", gestand der zu Tränen gerührte Tusem-Trainer Iouri Chevtsov, der sich mit diesem Titel nach vier Jahren aus Essen Richtung Kronau-Östringen verabschiedet.
Auch für Chrischa Hannawald (Großwallstadt) und Gudjon Sigurdsson (Gummersbach) ist der EHF-Cup-Gewinn ein selbstgemachtes Abschiedsgeschenk. Eines ohne Verfallsdatum. (NRZ)
08.05.2005 SABINE HANNEN