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Starker Wille gegen Star-Ensemble
Der Tusem steht im Finale des EHF-Pokals. Wenn die Essener am Samstag zum ersten Endspiel beim SC Magdeburg auflaufen (15.10 Uhr, Bördelandhalle - live im MDR), ist es der größte Erfolgs seit dem Gewinn des City-Cups 1994. "Die Mannschaft ist hungrig auf den Titel", sagt Tusem-Trainer Iouri Chevtsov. Die Spieler haben rechtzeitig zum großen Showdow wieder zueinander gefunden.
Wie immer zu solchen Anlässen, werden Sportler abergläubisch. Gewisse Rituale müssen sein. So starten die Essener heute Richtung Sachsen-Anhalt und machen in Braunschweig Zwischenstation. "Das ist ein bisschen Aberglaube, weil wir es beim Punktspiel in Magdeburg in dieser Saison genauso gemacht haben", erklärt der Sportliche Leiter HaDe Schmitz.
Im Oktober 2004 reisten die Essener eher als Außenseiter nach Magdeburg und landeten dort einen nahezu sensationellen Coup. Ohne die verletzten Oliver Roggisch und Kapitän Dimitri Torgovanov, dessen Einsatz am Samstag immerhin schon fraglich ist, hielten sie die hoch gehandelten Gastgeber in Schach, trieben den Konkurrenten mit einer offensiven, aggressiven Deckung zur Verzweiflung und triumphierten mit 24:19.
Stolz verwies Trainer Iouri Chevtsov auf die Leistung seiner Mannschaft, die im Laufe der Saison zu einer verschworenen Einheit gewachsen ist. Moral, Wille, Charakter - damit haben die Essener manchen Rivalen in die Knie gezwungen. Unter anderem die Magdeburger im zweiten Treffen in der Arena Oberhausen, als sie mit 31:28 gewannen.
"Wir haben zusammen gewonnen." Das sagte Chevtsov nach dem jüngsten 33:30 über den TBV Lemgo. Zwar zeigte Oleg Velyky mit elf Toren ein sensationelles Solo, doch unterm Strich war es unerschütterlicher Team- und Kampfgeist, der die Essener inspirierte und zum Erfolg trug.
"Gerade dieses Spiel gegen Lemgo spricht für uns. Wir sind reifer geworden", argumentiert Chevtsov, der genau weiß, dass seine Jungs morgen in der hitzigen Atmosphäre der Bördelandhalle einem starken Druck ausgesetzt sein werden. Ganz Magdeburg ist heiß, erst recht nach der zweiten, etwas unglücklichen Pleite in der Arena. Da versprachen die frustrierten Gäste eine handfeste Revanche beim Wiedersehen. Und die erfolgsverwöhnten Fans der Gladiators fordern wenigstens einen Titel in dieser Saison. Die Champions League-Teilnahme, die das Aufgebot von Trainer Alfred Gislason fast sicher hat, scheint da fast schon zu wenig.
Kein Wunder bei der Vergangenheit. Vor vier Jahren war der SCM zuletzt Deutscher Meister, holte 2002 als erster und bisher einziger deutscher Klub den Titel in der Champions League. Nun wollen die Ostdeutschen nach 1999 und 2001 auch zum dritten Mal den "EHF-Pott".
"Magdeburg hat den besseren Kader", sagt Chevtsov. Im Angriff wirbelt ein Starensemble: Allen voran Stefan Kretzschmar, das filigrane Handball-Idol, der "Kanonier" Karol Bielecki, der versierte Allrounder Renato Vugrinec, der abgezockte Joel Abati, und am Kreis, hinten wie vorn, der robust-kompakte Sigfus Sigurdsson, der die Abwehr mit Steffen Stiebler stabilisieren wird.
Der Tusem setzt dagegen auf Geschlossenheit dagegen, obwohl auch Oleg Velyky, Gudjon-Valur Sigurdsson sowie Viktor Szilagyi, der in der Schlussphase gegen Lemgo noch Selbstvertrauen getankt hat, als glänzende Individualisten durchgehen.
Die Handballer von der Margarethenhöhe werden dagegen halten auch mit ihren "großen Willen". Und so soll es natürlich ebenfalls im Rückspiel sein, wenn in der Arena Oberhausen am Samstag, 7.Mai, die Entscheidung fällt.
Der Weg ins Finale:
Tusem: Aquas Santas (Portugal/ 27:26, 29:23), Redbergslids Göteborg (28:21, 23:20), Fidelinka Subotica (Serbien/Montenegro/ 23:24, 32:24), BM Granollers (29:29, 34:25), Dynamo Astrachan (31:23, 24:25).
SC Madeburg: Paris HB (30:25, 36:23), Skofja Loka (Slowenien/32:31 37:31), Bregenz (30:28, 41:25), VfL Gummersbach (24:25, 34:32).
28.04.2005 Von Rolf Hantel EHF-Pokal 1. Finalspiel