Original von handball-world.com:
Die Rote Karte gegen Zeitz: Was sagen die Regeln?
Die Rote Karte gegen Christian Zeitz im Finale des Final Four hat die Gemüter erhitzt. Noch während der Live-Übertragung versuchte der NDR, die Szene aufzuarbeiten, holte Statements von Erhard Wunderlich, Heiner Brand und Jo Deckarm ein, die allesamt von einer zu harten Entscheidung der Methe-Brüder sprachen. Kiels Trainer "Noka" Serdarusic ordnete die Bestrafung, die möglicherweise vorentscheidend für den Ausgang des Finales war, gar in einer Reihe von Entscheidungen gegen Christian Zeitz ein, die für ihn seit der Weltmeisterschaft in Tunesien eine Kampagne darstellten. In den Internetforen wird seither heiß diskutiert. handball-world.com versucht, die Entscheidung aus Sicht der Regeln aufzuarbeiten.
Olaf Nolden (19.04.2005)
Bestraft wurde Christian Zeitz nach der Regel 8:5 a. Diese besagt:
Ein Spieler, der den Gegenspieler gesundheitsgefährdend angreift, ist zu disqualifizieren (16:6c), insbesondere, wenn er:
* a) einem in der Wurfaktion befindlichen Spieler von der Seite oder von hinten auf den Wurfarm schlägt oder den Wurfarm zurückreißt;
* b) eine Aktion so ausführt, dass der Gegenspieler an Kopf oder Hals getroffen wird;
* c) mit Fuß, Knie oder in anderer Weise den Gegenspieler absichtlich am Körper trifft; dazu gehört auch Beinsteilen;
* d) einen im Lauf oder im Sprung befindlichen Gegenspieler stößt oder so angreift, dass dieser dadurch die Körperkontrolle verliert. Dies gilt auch, wenn ein Torwart seinen Torraum bei einem Gegenstoß der gegnerischen Mannschaft verlässt;
* e) einen Abwehrspieler bei einem als Direktwurf aufs Tor ausgeführten Freiwurf am Kopf trifft, unter der Voraussetzung, dass dieser sich nicht bewegte, oder gleichfalls den Torwart mit einem 7-m-Wurf am Kopf trifft, unter der Voraussetzung, dass der Torwart sich nicht bewegte.
Der THW Kiel befand sich in der 21. Spielminute beim Stand von 10:9 für die SG Flensburg/Handewitt in der Abwehr. Christian Zeitz deckte die linke Kieler Seite ab. Flensburgs Blazenko Lackovic versuchte, in einer 1:1-Situation zwischen Zeitz und Johan Pettersson durchzukommen. Er sprang in den Kreis hinein. Christian Zeitz sprang mit ihm hoch und attackierte Lackovic von der Seite kommend fast frontal. Dabei geriet er mit beiden Armen in den Wurfarm von Lackovic. Während Lackovic im Fallen war, konnte Zeitz seine Arme nicht mehr aus dem Wurfarm des Flensburgers lösen, sodass der eingeklemmte Arm nach hinten gerissen wurde, während beide fielen.
Hans Thomas: "Die logische und einzig folgerichtige Konsequenz war Rot"
Die Gebrüder Methe waren sofort einer Meinung und zeigten nach kurzer Rücksprache Zeitz zum Entsetzen der Kieler Bank die Rote Karte. Zeitz war bis dahin der effektivste Kieler, die Hinausstellung stellte eine erhebliche Schwächung des THW dar, wie sich auch in der Folge zeigte, als der Titelverteidiger aus Flensburg bis auf sechs Tore enteilen konnte.
Hans Thomas, Schiedsrichter-Lehrwart beim Deutschen Handball-Bund, erklärt für handball-world.com die Situation und die daraus resultierende Bestrafung durch die Schiedsrichter: "Der Spieler Zeitz attackierte seinen Gegner Lackovic zunächst fast frontal. Er griff mit beiden Armen in den Wurfarm seines Gegners, was anfangs mit maximal zwei Minuten und einem Siebenmeter zu ahnden wäre. Da er allerdings diese Haltung nicht änderte und den Arm, wie man das bei vielen anderen Spielern immer wieder sehen kann, nicht freigibt, kommt es zur 'gesundheitsgefährdenden' Aktion, wobei der springende Spieler mit seinem Wurfarm nach hinten durch die Abwehraktion runtergezogen wurde. Die Intention der Regel liegt auf '...gefährdend'. Viele Sportler, die so attackiert wurden, mussten ein solches Foul mit einer manchmal sehr langen Verletzungspause 'bezahlen'. Die logische und einzig folgerichtige Konsequenz war hier die Rote Karte, egal ob Absicht, unglücklich oder nicht. Dass der Spieler sich dadurch nicht verletzt hatte, war Glück, reines Glück, weil vielleicht seine Muskulatur stark ausgebildet war und der Spieler nicht mehr durchgezogen hat."
"Dass unsere Schiedsrichter in der Lage sind, nach kurzer Absprache die korrekte Entscheidung zu treffen, zeigt die Tatsache, dass in den diversen Foren die annonymen Schreiber zunehmend, d.h. nach mehrmaligem (!) Betrachten der Szene in Zeitlupe zur gleichen Meinung kommen."