ORiginal von sport1.de:
"Kann Grundgesetze nicht außer Kraft setzen"
Köln/München - Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Gummersbach trennt sich mit sofortiger Wirkung von Trainer Richard Ratka.
Auch der Einzug ins Halbfinale des EHF-Pokals konnte den früheren Nationalspieler und "Helden von Düsseldorf" - Ratka führte die HSG in der vergangenen Saison in die Bundesliga - nicht retten.
"Menschlich schwierige Entscheidung"
"Wir haben nicht mehr den Eindruck gehabt, dass wir unsere sportlichen Ziele mit Richard Ratka erreichen können", begründete der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Peter Krämer die Entscheidung des Rekordmeisters gegenüber Sport1.
"Menschlich war es eine sehr schwierige Entscheidung. Auch ich kann die Grundgesetze des Geschäfts nicht außer Kraft setzen."
Krämer-Kritik ohne Wirkung
Immer wieder hatte Krämer in der Vergangenheit das mit Nationalspielern wie dem Koreaner Kyung-Shin Yoon, dem Norweger Steinar Ege, den Franzosen Daniel Narcisse und Cedric Burdet oder dem Deutschen Frank von Behren gespickte Team hart kritisiert, sie an der Ehre gepackt.
Nun musste wieder einmal das schwächste Glied, der Trainer, dran glauben. "Wir standen vor der Wahl: Mannschaft oder Trainer?", so Krämer, der die Entscheidung am Mittwochmorgen dem Team mitteilte und dabei offenbar eine Standpauke hielt.
Mannschaft in der Pflicht
Krämer: "Ich habe die Mannschaft in die Pflicht genommen. Man kann nicht die ganze Schuld dem Trainer geben. Die Individualisten müssen sich nun in den Dienst der Mannschaft stellen. Sie müssen jetzt ein Zeichen setzen."
Nach der Talfahrt in der Bundesliga in den vergangenen Wochen (4:8 Punkte) und dem Absturz auf Rang neun brachte die Leistung des VfL gegen Nordhorn das Fass offenbar zum Überlaufen.
"Was ist da los?"
Der Rekordmeister verspielte gegen die Niedersachsen beim 31:31 in der Kölnarena vor 14.000 Zuschauern in den letzten 16 Minuten eine 25:18-Führung, kassierte dabei 13 (!) Treffer.
Dabei wirkte das Gummersbacher Team nicht austrainiert.
Krämer kann noch immer nicht fassen, was sich abspielte: "Ich muss mich doch fragen: Was ist da los? Nordhorn war durch die Rote Karte von Przybecki geschwächt und ein Holger Glandorf spielt mit 39 Grad Fieber. Und wir kassieren 13 Tore in 16 Minuten! Auf welchem Planeten leben wir?"
Saisonziel in Gefahr
Das Star-Ensemble (Krämer: "Wir haben vermutlich den höchsten Spieleretat der Liga!") droht trotz "hervorragender Infrastruktur" das vor der Saison genannte Ziel Europapokal-Qualifikation noch zu verspielen.
Spielmacher Francois-Xavier Houlet, der zuletzt auch als Co-Trainer fungierte, soll jetzt als Interimstrainer das Ruder herumreißen. Geschäftsführer Uwe Braunschweig sucht derweil nach einem neuen Cheftrainer.
Ratka gescheitert
Der "muss erfolgsorientiert sein, konsequent und eine hohe Fachkompetenz haben", sagt Krämer.
Richard Ratka jedenfalls ist dabei gescheitert, den VfL zurück an die Spitze der Bundesliga zu führen.