Original von nrz.de:
Chevtsov verlässt den Tusem
HANDBALL-BUNDESLIGA / Nach vier Jahren trennen sich die Wege. Als Nachfolger wird Martin Schwalb gehandelt.
Iouri Chevtsov hat sich entschieden und diese Entscheidung ist ihm nicht leicht gefallen. Nach vier Jahren als Trainer des Essener Handball-Bundesligisten Tusem sucht der 45-Jährige eine neue Herausforderung.
Chevtsov unterschrieb einen zwei-Jahres-Vertrag in Baden. Bei einem Verein mit Perspektive, das war ihm wichtig. Die Rede ist vom Zweitligisten SG Kronau-Östringen, wo er Rolf Bechtold als Trainer folgt. "Ich habe meine Entscheidung getroffen. Ich sehe für mich in Kronau die bessere Perspektive." Man habe ihm ein vielversprechendes Konzept vorgelegt, das er mittragen wolle.
Titel zum Abschied
Am liebsten würde sich der Olympiasieger von 1988 und Weltmeister von 1982 mit einem Titel aus Essen verabschieden. Im EHF-Cup bietet sich dazu noch die Chance. Am 6. März bestreiteten die Essener ihr Viertelfinale gegen den spanischen Klub Granollers. "Ich weiß, das wird schwierig. Aber ich werde alles dafür geben. Und meine Mannschaft auch."
Aufgaben gelöst
Chevtsov kann für sich in Anpruch nehmen, die ihm gestellten Aufgaben gelöst zu haben. Und das unter schwierigen Bedingungen. "Ich habe hier eine sehr gute Mannschaft aufgebaut. Ich bin stolz darauf, zwei Spieler in die deutsche Nationalmannschaft gebracht zu haben und andere nach vorne gebracht zu haben." Er habe ein sehr gutes Verhältnis zu seiner Mannschaft, aus der er alles herausgeholt habe, was nur möglich war.
Am Telefon informierte er die beiden Essener Nationalspieler Oleg Velyky und Oliver Roggisch persönlich von seiner Entscheidung, Essen am 30. Juni den Rücken zu kehren. Allerdings wird sich der 45-Jährige allein nach Kronau begeben. "Wir haben als Familie entschieden, dass meine Frau und die Kinder in Essen bleiben."
Als Nachfolger von Chevtsov wurde bereits Martin Schwalb ins Spiel gebracht, der seine Option auf eine Vertragsverlängerung bei Bundesligist Wallau-Massenheim verstreichen ließ.
Tusem-Boss Klaus Schorn erklärte dazu auf Nachfrage der NRZ: "Chevtsovs Entscheidung überrascht mich nicht." Jetzt werde man sich umgehend nach einem neuen Trainer umschauen. "Bis jetzt wurde noch mit keinem anderen Trainer gesprochen. Aber es gibt genug gute Kandidaten."
Nachdem Chevtsovs Wechsel gestern Vormittag öffentlich bekannt wurde, gab es nach Angaben von Klaus Schorn bereits binnen weniger Stunden sechs Bewerbungen auf den Trainerjob beim Traditionsklub auf der Margarethenhöhe.
Gutes Klima aufgebaut
Tusems sportlicher Leiter Hade Schmitz bedauert den Weggang des Weißrussen, der mit den Essenern das Pokalfinale 2003 und das Halbfinale im Europapokal der Pokalsieger 2004 erreichte. "Schade, Iouri hat in Essen gute Arbeit geleistet. Er hat eine gute Mannschaft aufgebaut, in der vor allem ein gutes Klima herrscht."
Schmitz würdigt die Aufbauarbeit mit jungen Leuten wie Michael Haaß, Gudjon Sigurdsson oder Viktor Szilagyi, die unter Chevtsovs Führung zu Klassespielern reiften. Der sportliche Leiter zeigt aber auch Verständnis für die Entscheidung Chevtsovs, sich verändern zu wollen. "Iouri hat in den letzten zwei Jahren vor allem darunter gelitten, dass wir aufgrund der finanziell angespannten Situaion nicht in der Lage waren, die Mannschaft spielerisch zu verstärken." Außerdem müsse man bedenken, dass vier Jahre eine lange Zeit seien, in der sich gewisse Dinge schlichtweg abnützten.
Schmitz hält es nun für besonders wichtig, neben einem neuen Trainer auch eine Perspektive aufzuzeigen, wohin es mit dem Tusem geht. Die finanziellen Sorgen des Vereins sind nach wie vor groß. Von Entspannung kann noch keine Rede sein.
Martin Schwalb könnte er sich durchaus als Nachfolger auf der Bank vorstellen. "Er hat gezeigt, dass er ein guter Trainer geworden ist und auch vor allem mit jungen Leuten hervorragend arbeiten kann." Gesprochen habe auch er noch mit keinem möglichen Kandidaten als Chevtsov-Nachfolger. Die Situation sei auch für ihn neu.
Tusem-Boss Klaus Schorn verbindet auf Nachfrage mit dem Namen des ehemaligen Tusemspielers Martin Schwalb eine "Kreativität mit dem Blick für junge Leute aus Deutschland."