Original von mopo.de:
HSV HANDBALL | 28.12.2004
Interview: Andreas Rudolph
DIRK HOFFMANN
»Glaube nicht, dass wir Spieler verlieren«
Auf seinen Schultern ruhen große Hoffnungen: Andreas Rudolph, der Heinz Jacobsen als Präsident der HSV-Handballer ablöst. Die MOPO sprach mit dem 49-Jährigen über die Krise und die Zukunft des Vereins.
MOPO: Sie wollen sich auch finanziell beim HSV engagieren. Sind Sie der Retter?
Rudolph: Das soll hier keine neue Ich-AG werden. Wir wollen nicht von einer Person abhängig sein, dann sind wir da, wo wir vorher waren. Wir brauchen eine stabile Basis, viele Partner aus großen, mittelständischen und kleinen Unternehmen.
MOPO: Die Spieler und Angestellte warten weiter auf ihr November-Gehalt. Wann gibts eine Lösung?
Rudolph: Wenn die Spieler beim HSV angestellt sind, dann bekommen sie auch ihre Gehälter. Wir prüfen juristisch alle Möglichkeiten, uns von der Omni Sport zu trennen.
MOPO: Die Spieler wollen in zwei, drei Wochen wissen, ob der Klub eine Zukunft hat. Können Sie alle halten?
Rudolph: Ich glaube nicht, dass wir einen Spieler verlieren. Ich bin zusammen mit der Mannschaft nach der Partie in Magdeburg im Bus nach Hamburg gefahren, habe viele gute Gespräche geführt. Bei den Spielern habe ich gar keinen Zweifel. Dass sich ein Profi vielleicht mal überlegt, woanders sein Glück zu finden, wenn man zwei Jahre Unruhe im Umfeld hat, ist nachvollziehbar.
MOPO: Die Konkurrenz wirft dem HSV vor, eine zu teure Mannschaft zu haben.
Rudolph: Der Vorwurf ist ad absurdum geführt. Alle Top-Teams sind drei Mal so gut besetzt wie wir.
MOPO: Das Verhältnis zur Handball-Bundesliga ist, vorsichtig formuliert, angespannt ...
Rudolph: Die HBL muss sauer sein auf den HSV. Der HSV ist nicht ehrlich umgegangen mit der HBL, da können wir nicht erwarten, dass man uns mit offenen Armen empfängt. Wir sind jetzt in der Pflicht, für eine positive Grundstimmung zu sorgen.
MOPO: Sie haben in Magdeburg auch Gespräche mit Liga-Boss Bernd-Uwe Hildebrandt geführt. Gibt es neue Erkenntnisse?
Rudolph: Wir führen konstruktive Gespräche, arbeiten an Lösungen.
MOPO: Hilft am Ende doch nur, bei einer Insolvenz der Omni Sport gegen den Zwangsabstieg zu klagen?
Rudolph: So weit muss es gar nicht kommen.
MOPO: Wie sieht die akute und mittelfristige finanzielle Situation aus?
Rudolph: Seit Monaten haben wir keine Zuschauereinnahmen, das Geld geht sofort ans Finanzamt, soweit ich weiß. Wir brauchen ganz schnell Liquidität. Da würde eine Bürgschaft und / oder ein Darlehen der Stadt ungemein helfen. Sponsoren, die jetzt sofort Geld zahlen, sind schwierig zu finden. Der Etat für die nächste Saison dürfte bei rund vier Millionen Euro liegen.
MOPO: Sollen die Handballer bald unter dem Dach des großen HSV spielen?
Rudolph: Wir brauchen erst mal eine saubere Weste, das steht aktuell nicht an. Aber Fakt ist, dass wir für die sportlichen Schlagzeilen unter dem Namen HSV sorgen, dass wir international spielen. Ausschließen möchte ich das für die Zukunft deshalb nicht.
MOPO: Gibts mittelfristig endlich ein Showprogramm um die Heimspiele herum?
Rudolph: Wir brauchen auf jeden Fall viel mehr Unterhaltung, keine Frage. Die Freezers machen uns das vor, haben ein hervorragendes Entertainmentprogramm. Wir müssen auch sehen, dass wir so tolle Spieler-Typen wie Pascal Hens, Toto Jansen, die Gille-Brüder besser vermarkten.