Original von mopo.de:
Hat der HSV noch Chancen?
DIRK HOFFMANN
Die MOPO gibt die wichtigsten Antworten / Es muss aber weiter gezittert werden
Der Kampf um die HSV-Zukunft, er wird immer dramatischer. Welche Möglichkeiten haben die Handballer noch? Die MOPO gibt Antworten.
Bis Dienstagabend sah es so aus, als sei die Partie gegen Wilhelmshaven, die am Mittwoch mit 32:21 gewonnen wurde, die letzte in der Vereinsgeschichte. Bei einer Teambesprechung war der Tenor: "Dann sterben wir halt als Helden."
Kurz vor der Partie dann die Nachricht, dass es wieder Hoffnung gibt. Ab sofort geht der HSV eigene Wege, losgelöst von seinem wirtschaftlichen Träger Omni Sport GmbH & Co. KG. Die soll mindestens 1,9 Millionen Euro Schulden haben, Vereinsinsider taxieren die Verbindlichkeiten sogar auf mittlerweile 2,5 Millionen Euro.
Bei der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gegen die Omni Sport wäre der HSV nach den Statuten der Handball-Bundesliga (HBL) erster Absteiger. Für den Fall würde der HSV vor einem Zivilgericht gegen den Zwangsabstieg vorgehen. Weil laut Insolvenzrecht dem Insolvenzverwalter die Möglichkeit gegeben werden muss, den Verein zu sanieren. Das geht nicht, wenn man zwangsabsteigen muss.
Gibts kein Insolvenzverfahren, werden die Spieler, Hallenmiete etc. an der Omni Sport vorbei für den Rest der Saison weiterbezahlt. Liga-Boss Frank Bohmann bestätigt: "Ich kenne die Modelle des HSV nicht im Detail, aber das sind die beiden Hauptwege, die ich erkenne, dass es mit dem HSV weitergeht. Ich würde mich sehr freuen, wenn der Klub überlebt."
Ein Gnadengesuch, dem HSV per Ausnahmeregelung doch den Wechsel des wirtschaftlichen Trägers zu ermöglichen, weil man vom inhaftierten Winni Klimek (Geschäftsführer der Omni Sport) betrogen worden sei, hätte wenig Aussicht auf Erfolg. Bohmann: "Da sehe ich so gut wie keinen Spielraum. Es ist ganz allgemein nicht die Aufgabe der HBL, einen Verein vor Betrügern zu schützen." Muss der HSV die Möglichkeit übers Gericht suchen, so wie oben beschrieben, ist das aber keine Garantie für einen Erfolg. Bohmann: "Das dürfte vom Gericht abhängen." Denn: Der HSV hat sich mit der Teilnahme an der HBL automatisch verpflichtet, die Sportgerichtsbarkeit (also die Statuten der HBL), die über dem Zivilrecht steht, zu akzeptieren.
Dass die testierte Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres bis heute Nacht, 24 Uhr bei der HBL vorliegt, ist ausgeschlossen. Die Konsequenz dürfte neben des wahrscheinlichen Vier-Punkte-Abzugs wegen Schummelei bei den Lizenzunterlagen eine weitere Strafe sein. Die reicht von einer Geldstrafe bis zu weiteren Punktabzügen (maximal acht). Am 22. Dezember berät die HBL erneut über den HSV. Es muss weiter gezittert werden ...
- Für das Spiel morgen gegen Pfullingen (19 Uhr, Color Line Arena) sind bisher 4000 Karten weg.