Original von sport1.de:
Alarmierende Zwischenbilanz
München - Mit Optimismus und großer Euphorie war GWD Minden in die Bundesliga-Saison gestartet.
Eine Kooperation mit der TUI Arena in Hannover, in der mehr als die Hälfte der Heimspiele ausgetragen werden, sollte Geld in die leeren Vereinskassen spülen.
"Einen einstelligen Tabellenplatz", hatte Manager Horst Bredemeier als Saisonziel für den in GWD Minden-Hannover umbenannten Klub ausgegeben.
Nur ein Punkt aus elf Spielen
Doch mit nur einem Punkt aus elf Spielen steht der Traditionsverein auf dem vorletzten Platz. Die Zwischenbilanz ist alarmierend.
"Es ist normal, dass man Angst hat, wenn man 1:21 Punkte hat", sagt Bredemeier im Gespräch mit Sport1. Auch finanziell läuft es alles andere als rund. "Wir haben einen sehr eng bemessenen Etat aufgestellt, hinter dem wir momentan schon herlaufen, weil die Zuschauerzahlen in Minden und Hannover nicht so waren, wie wir kalkuliert hatten", erklärt Bredemeier.
Mit 2000 Fans (Minden) und 4000 (Hannover) - einem Schnitt von 3700 Zuschauern - und 650.000 Euro netto aus den Heimspielen hatte man gerechnet. Doch bislang kamen weniger als 3200 Besucher zu den sechs Heimpartien.
Drei Leistungsträger verletzt
Wohl wegen der sportlichen Talfahrt. Am Wochenende kassierte der Meister von 1977 in der mit 3700 Zuschauern immerhin ausverkauften heimischen KAMPA-Halle in Minden im Derby gegen TuS N-Lübbecke eine 37:40-Niederlage.
Dazu kommt die prekäre Personalsituation mit den Langzeitverletzten Ivan Vukas, Patrekur Johannesson und Andreas Simon, der sich am Dienstag im Testspiel gegen Zweitligist Spenge die Schulter auskugelte.
"Patrekur ist am Meniskus operiert worden. Da muss man den Heilungsprozess abwarten. Ivan hat sich gegen Wetzlar eine Ellbogenverletzung zugezogen und wird mindestens bis Ende Dezember fehlen. Auch Andreas dürfte die nächsten fünf bis sechs Wochen fehlen", schildert Bredemeier die schwierige Lage.
Vertrag nur für Bundesliga gültig
Problematisch ist die finanzielle Situation: Die Kooperation zwischen der TUI-Arena und GWD Minden läuft über drei Jahre, ist aber hinfällig, wenn Minden aus der Bundesliga absteigen sollte.
"Ohne die Kooperation mit Hannover hätten wir keine Bundesliga-Lizenz bekommen", begründet Bredemeier den gewagten, aber zugleich notwendigen Schritt. "Das ist ein Versuch. Wenn er dann nicht geht, dann sind wir Manns genug, das einzugestehen. Dann ist eben die Konsequenz, dass GWD in der Zweiten Liga spielen muss."
Auch Trainerwechsel bringt keinen Sieg
Die Trennung von Trainer Rainer Niemeyer und die Verpflichtung seines Nachfolgers Velimir Klajic brachte bislang bei den Ostwestfalen nicht die erhoffte Wirkung. "Wirtschaftlich hätten wir keinen Trainerwechsel vornehmen können", verrät Bredemeier.
"Wir können uns mit den Klubs, die Etats zwischen 3,5 und 5 Millionen Euro Etat haben, nicht messen", meint der Manager. "Sieben Jahre lang haben wir ja gute Ergebnisse erzielt, aber irgendwann hast du auch einmal eine Substanz erreicht, wo es dann nicht mehr geht. Das muss man einfach nur akzeptieren."
Bredemeier verzichtet auf Geld
Um einen Weg aus der Krise aufzuzeigen, greift Bredemeier auch zu ungewöhnlichen Mitteln: "Bei einem solchen Etat wie unserem muss man auch schon auf das Eine oder Andere im Bereich Management verzichten. Da muss der Manager auch schon einmal für weniger arbeiten. Das heißt nicht, dass ich mir erlauben kann, in Zukunft auf ein geregeltes monatliches Einkommen zu verzichten."
Beim Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hatte Ex-Präsident Dr. Gerd Niebaum zuletzt angekündigt, auf Teile seines Lohns zu verzichten.
Bredemeier sieht jedoch keine Parallelen zu den Schwarz-Gelben: "Ich hatte das schon vor vier Wochen angekündigt - und wir haben auch keine 118 Millionen Euro Schulden." Fest steht jedoch: BVB und GWD kämpfen gegen den Abstieg.
Konkurrent aus der Regionalliga?
In Minden sorgt zudem eine Meldung aus Hannover für Unruhe: Mit Regionalliga-Tabellenführer TSV Burgdorf (mit dem der einstigen Weltstar Alexander Tutschkin) stünde bereits ein zweiter Klub parat, der in der TUI-Arena auflaufen könne.
"Die Arena kann sich ja Partner suchen soviel sie will. Dass man auch in Hannover mit unserem Tabellenstand nicht glücklich ist, braucht man auch nicht zu diskutieren", bleibt Bredemeier gelassen.
"Müssen Aufholjagd starten!"
Auch der drohende Abstieg ist für den ehemaligen Bundeliga- und Nationalmannschaftstrainer noch kein Thema: "Das ist mir heute zu früh. Wir müssen erst den Dezember abwarten und dann die Rückrunde in Angriff nehmen. Dann müssen wir eben eine Aufholjagd starten um die Liga zu erhalten!"
Sollte die Aufholjagd ausbleiben, ist die Bundesliga bald um einen Traditionsverein ärmer.
Thorsten Mesch