Original von sport1.de:
"Müssen sehen, dass der Patient nicht stirbt"
München/Bad Schwartau - In Teil 2 des Sport1-Interviews spricht Klimek über einen Drei-Jahres-Plan, die zukünftige Zusammenarbeit mit den Vereins-Oberen, den Unterschied zum Eishockey und wehrt sich gegen die Gerüchteküche.
Sport1: Herr Klimek, alles was wir bisher gehört haben, klingt nicht danach, als ob Sie von ihrem Posten als Geschäftsführer zurücktreten werden, dabei wird das allgemein kolportiert...
Klimek: Ich hatte geplant, in den Aufsichtsrat zu wechseln... Das hat so bisher nicht geklappt. Wir haben einen großen Plan, und wir arbeiten daran. Letztendlich geht es um die Einhaltung der gesteckten Ziele für die laufende Saison. Das geht jedem Unternehmen so. Man erwartet so und so viel Zuschauer - und das hängt dann von vielen Faktoren ab: die sportliche Attraktivität und was auch immer - bis zum Wetter. Wir hatten in der letzten Saison 7498 Zuschauer im Schnitt. Wir haben geplant mit 6500 Zuschauern. Unsere Planung ist also nicht zu optimistisch oder gar euphorisch, sondern realistisch.
Sport1: Aber von Zuschauereinnahmen allein kann heute kein Verein mehr leben. Kommen wir zu den Sponsoren. Da sollen einige kurzfristig abgesprungen sein...
Klimek: Ne, ne, ne, ne, ne... Keiner der Sponsoren ist abgesprungen. Im Gegenteil, wir haben erheblich dazu gewonnen. Wir hatten aber eine noch höhere Erwartung.
Sport1: Trotzdem diese Unterdeckung...
Klimek: Der 'Spielplatz' Arena ist nun mal ein bisschen teurer... Und es geht ja nicht nur uns so. Die harte Realität in der Bundesliga - siehe auch Essen - ist, dass jeder Verein sich am Markt bewähren muss. Es geht nicht jedem so gut, wie dem THW Kiel, der durch den hohen Dauerkartenverkauf schon am Anfang der Saison seine Einnahmen generiert hat.
Sport1: Wenn Pläne nicht aufzugehen scheinen, muss man sie dann nicht ändern?
Klimek: In der Tat, die muss man dann anpassen. Daran arbeiten wir gerade. Voraussetzung ist, dass die wichtigsten Partner zum Projekt stehen. Die wichtigsten Partner sind der Hamburger Sport-Verein, die Arena, das Catering-Unternehmen, das uns betreut... - und am allerwichtigsten natürlich die Spieler.
Sport1: Sie selbst sprachen von Intrigen gegen ihre Person. Wie wollen Sie mit der jetzigen Vereinsführung weiterarbeiten?
Klimek: Alle Beteiligten müssen in eine Richtung streben. Wenn jemand der Meinung ist, er würde das anders besser machen, muss er sich in dem Team durchsetzen. Oder er muss aufhören, darüber zu reden.
Sport1: Lässt man Ihnen überhaupt Zeit in dieser prekären Situation?
Klimek: Natürlich haben wir wenig Zeit. Wir müssen die Probleme sofort anpacken. Wir müssen zunächst einmal sehen, dass der Patient nicht stirbt, und dann können wir therapieren. Ich kann nur sagen, unser Plan ist realistisch, und wir tun jetzt alles, um ihn umzusetzen. Der beinhaltet die Tilgung der Verbindlichkeiten - mit eventuell auch neuen Personen.
Sport1: Vielleicht notwendig, denn es gibt ja sogar Vorwürfe ihres Präsidenten Heinz Jacobsen gegen ihre Person. In einem Interview mit dem 'Hamburger Abendblatt' wirft er ihnen Vetternwirtschaft vor, zu eng sei die Verquickung Verein und ihrer Firma Omni Sports gewesen...
Klimek: Für jemanden wie Heinz Jacobsen, der neu hinzu stößt, ist es vielleicht nicht immer leicht, die Zusammenhänge zu sehen. Ich habe mich mit Herrn Jacobsen intensiv ausgetauscht. Wir müssen zurück zu einem gemeinsamen Nenner - und das ist, ein Team in Hamburg zu etablieren, das wirtschaftlich und sportlich erfolgreich ist.
Sport1: Eishockey hat in Hamburg ganz anders eingeschlagen. Hat es dem Handball geschadet, dass gleich zwei populäre Sportarten mit Eröffnung der Arena an die Elbe gezogen sind?
Klimek: Das kann man nicht vergleichen. Wir haben damals gesagt, dass wir drei Jahre brauchen, um uns zu etablieren. Das liegt ganz einfach daran, dass das Handball-Publikum ganz anders ist als das Eishockey-Publikum. Handball-Publikum ist ein fachkundiges Publikum. Da zählt weniger die Event-Seite. Eishockey ist Partie.
Sport1: Den Umzug von Bad Schwartau nach Hamburg haben Sie bisher nicht bereut?
Klimek: Auch das kann man nicht vergleichen. Ich bewundere jeden Verein, dem es gelingt, in einer kleineren Stadt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Alles wird immer teurer, und leider haben die Zuschauer immer weniger Geld in der Tasche.
Sport1: Aber gerade die Handball-Bundesliga ist bekannt dafür, dass kleinere Orte ihr ihren Bekanntheitsgrad verdanken...
Klimek: Ich glaube, dass wir in Hamburg mit dem Einzugsgebiet und den vielen Handballvereinen in der Region etwas ganz Großes aufbauen können. Ziel ist es, eine internationale Mannschaft mit einem deutschen Gesicht zu präsentieren. Ich glaube, dass das ankommt bei den Zuschauern. Aber das geht eben nur Schritt für Schritt. Marktuntersuchungen geben uns da Recht. Daher sollten wir es schaffen. Und wir dürfen nicht vergessen, es geht um Sport - und nicht den Profit.
Sport1: Aber doch um viel Geld...
Klimek: Es gibt ein altes Gesetz: E muss größer sein als A - also Einnahmen müssen größer sein als Ausgaben.
Sport1: Was ist dran an dem Gerücht, dass der Verein in die kleinere Alsterdorfer Halle umziehen muss.
Klimek: Nicht ernst zu nehmen.
Das Gespräch führte Jürgen Blöhs