Ich finde, man hat gestern eine große Chance verpasst. Für mein Empfinden ist das die schwächste spanische Mannschaft seit Jahren. Dass heißt nicht, dass das kein gutes Niveau wäre, es ist aber nichts außergewöhnliches mehr wie das noch bei der EM 2018 der Fall gewesen war. Die Spanier haben kein Kreisläuferspiel mehr. Daniel Dushbajev ist kein internationaler Klassespieler und Canellas und Enterrios sind nicht mehr unaufhaltsam. Ich rechne nicht damit, dass die Spanier bei dieser WM eine Medaille holen. Sie haben sich gestern dank ihrer Torhüter über die Ziellinie gerettet.
Ich bin verwundert, dass Alfred Gislason hier so angegangen wird. Für mein Empfinden war die deutsche Mannschaft sehr gut auf die offensive Deckungsvariante eingestellt. Noch nie in den vergangenen Jahren mussten die Spanier während eines Spiels gegen Deutschland auf 6:0 umstellen, weil diese offensive Variante ausgespielt wurde. Als dann auf 6:0 umgestellt wurde, war es doch folgerichtig, dass Kühn kam. Ein Gislason kann aber nichts dafür, wenn dann von Kühn einfach nichts kommt. Ich denke, Gislason wird gemerkt haben, dass das kein Spieler ist, auf den er in Zukunft bauen kann. Ähnlich verhält es sich mit Firnhaber. Dass er von den Erlangen-Fans verteidigt wird, ist normal und auch gut so. Abner ehrlicherweise hat seine Leistung mit internationalem Niveau vorne wie hinten nichts zu tun. Er stellt sich da oftmals wahnsinnig naiv an. Aber wer wäre im Innenblock eine Alternative gewesen? Vielleicht Heymann? Golla hat auch viele Fehler gemacht. Ihm traue ich aber neben einem Wiencek oder Pekeler zu, dass er sich steigert. Als Abwehrchef fehlt ihm aber auf diesem Nievau noch die Reife.
Häfner fand ich gestern gut, Philipp Weber spielt ein ordentliches Turnier. Jogi Bitter auch, Andreas Wolff dagegen nicht. Ein Wolff in guter Verfassung hätte genügt, um Ungarn und Spanien zu schlagen. Er ist aber meilenweit von seiner Bestform entfernt. Keine Ahnung, woran das liegt. Und ganz ehrlich: Vielleicht haben wir in den kommenden Jahren tatsächlich ein Torwart-Problem. Ich sehe nämlich in der neuen Generation keinen, dem ich die außergewöhnlichen Leistungen zutraue. Till Klimpke durchschreitet in Wetzlar gerade seine erste Talsohle. Einen Rudeck oder einen Birlehm halte ich auch nicht für so grandios gut. Alle Spitzenvereine der HBL setzen auf ausländische Keeper. Da ist höchstens mal ein Deutscher die Nummer 2, wie Quenstedt in Kiel oder Genz in Berlin. In beiden sehe ich aber nicht den Retter der Nationalmannschaft.