Beiträge von Löwenherz

    Dulfer verhindert eine grosse Blamage für den Weltmeister
    und sichert den Einzug in die Hauptrunde.


    Das Fehlen von Polman ist bei den Holländerinnen nicht zu übersehen. Für mich waren es vor allem die jungen Spielerinnen von der Bank (Housheer, Nusser), die Holland den Arsch gerettet haben. Es war aber auch zu erkennen, dass Ungarn zurzeit keinen international konkurrenzfähigen Rückraum hat. Und wenn die gegenerische Abwehr steht (wie heute in der 2. Hz), dann ist auch mit Durchbrüchen nix mehr zu machen und man läuft sich immer wieder fest.

    Also, mein Vorschlag ist, mit dem Urteil noch ein bisschen zu warten.


    Das sollte kein Urteil sein, sondern nur eine Reflexion der bisherigen Entwicklung. Und aus dieser Sicht muss es erlaubt sein, einiges kritisch zu hinterfragen. Auch wenn es nicht so klingen mag: Ich bin nach wie vor ein Fan von Bölk und hoffe inständig, dass sie aus ihren sehr guten Anlagen noch viel mehr machen kann.

    Außerdem habe ich überhaupt nichts gegen FTC und finde es gut, dass man dort - im Unterschied zur Weltauswahl Györ - auf junge Spielerinnen setzt. Ob es für Bölk der richtige Verein ist, wird sich zeigen. Ich habe da kein gutes Bauchgefühl. Aber das kann natürlich täuschen. Vielleicht kommt durch den Weggang von Hafra die große Chance für Bölk mit dem Entwicklungssprung.

    Als gerade mal 18jährige hat Bölk als RM bei Buxte schon mitunter das Spiel gemacht und dem THC in Langensalza mal 10 blitzsaubere Buden eingeschänkt. Da habe ich gedacht, das ist die Zukunft des deutschen Handballs. Beim THC hat sie sich zwar entwickelt, aber nicht im erhofften Maße. Meines Erachtens bekam sie zu früh zu viel Verantwortung aufgeladen. Auch wenn sie geniale Momente hatte: Die Leichtigkeit verflog immer mehr, man spürte förmlich, wie der Druck auf ihren Schultern zunahm. Und dann kam der Schritt ins Ausland (wohl auch, um sich dem Druck zu entziehen - auch wenn ihr das vielleicht nicht bewusst war) - zu früh und zum falschen Club. Und der Druck wurde dort natürlich nicht weniger. Ihr Spiel wurde immer verkrampfter und fehlerhafter. Heute war der Gipfel erreicht: Schlechter geht es nicht mehr. Hoffentlich kommt sie aus diesem Tal wieder heraus.

    Hinzu kommt wohl die Corona-Erfahrung. Kennt jemand eine Spielerin bei dieser EM, die Corona hatte und gut drauf ist? Von Neagu war schon die Rede, ebenso von Behnke und Bölk. Welche Nach- bzw. Langzeitwirkungen hat das Virus bei den betroffenen Menschen, selbst wenn sie wieder davon genesen bzw. keimfrei sind?

    das wird nicht besser,ein Glück das die Polen auch viel Grütze spielen..und hinterher feiern sie sich wieder wenn sie in die Hauptrunde einziehen


    Ach, was sind das für Zeiten, wenn ein Unentschieden gegen stark ersatzgeschwächte Polinnen als großer Erfolg bejubelt wird (auch von den Kommentatoren). Und wann hat eine deutsche Frauenmannschaft bei einer WM oder EM mal so viele Siebenmeter verworfen? Und was heute aus dem Rückraum kam, war wiedermal so gut wie garnix. Am Anfang machte noch Maidhof etwas Hoffnung auf mehr, aber das war es dann auch schon fast ...

    Ich galube auch, dass Deutschland, trotz der schweren Niederlage gegen Norwegen, eine realistische Chance hat, das Halbfinale zu erreichen.


    Du hast natürlich recht. Deutschland hat diesmal eindeutig die leichtere Turnierhälfte erwischt und es ist insbesondere die Frage, wie lange Kroatien und Serbien mit ihrer dünnen Kaderdecke das gegenwärtige Niveau durchhalten können. Doch wie heisst es in Goethe´s Faust: "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube." Lassen wir uns überraschen ...

    Nachdem sich das Entsetzen gelegt hat und eine Nacht darüber geschlafen wurde, bleibt nach den ersten beiden Spielen die Erkenntnis: Deutschland steht im europäischen Handball irgendwo zwischen Platz 6 und 10 - also nach wie vor genau dort, wo frau bei den letzten Meisterschaften gelandet war. Es ist keine Entwicklung in Richtung Weltspitze zu erkennen, eher im Gegenteil. Und diesmal können Ausfälle nicht als Ausrede herhalten. Wenn im Vorfeld - wieder einmal - vom Halbfinale geredet wurde, auch mit dem Verweis, man habe dieses bei den letzten Turnieren nur ganz knapp verpasst und sei nun mal dran, dann zeugt das lediglich von einer völlig falschen Selbsteinschätzung. Hin und wieder gelingt mal ein Sieg gegen einen der Großen, aber daraus zu schließen, man sei nicht weit von der Weltspitze entfernt (wie in den letzten Jahren gebetsmühlenartig wiederholt), wurde wieder einmal ad absurdum geführt. Zur Erinnerung: Eine solche Formulierung gab es sogar, als unsere Juniorinnen vor einigen Jahren bei der WM PLatz 13 belegt hatten.

    Das bedeutet aus meiner Sicht: Solange man/frau nicht aufhört, sich selbst zu beweweihräuchern, nicht endlich ehrlich zu sich selbst und den eigenen Leistungen ist, wird es kaum möglich sein, auf ein anderes Niveau zu kommen - geschweige denn in der Weltspitze mitzuspielen.

    Die jungen Torhüterinnen waren bisher nicht sehr überzeugend. Noch dazu, da es in der ungarischen Liga kaum noch Spiele gibt, absolvierte zum Beispiel Sára Suba (Jg. 1999 U20-Weltmeisterin) seit Mitte Oktober keine Spiele, Lili Herczeg (2000, U19-Europameisterin) sogar seit Ende September gar keines, und es wäre ziemlich riskant, junge Torhüterinnen die seit Monaten in keinem Pflichtspiel teilgenommen haben, mitzunehmen.


    Ich hatte nicht an die ganz jungen Torfrauen, sondern an die vorhergehenden Jahrgänge gedacht. Wie haben die sich entwickelt?

    Mit Minaur Baia Mare, Astrachan und Storhamar hat der THC eine interessante Gruppe erwischt: Gegner aus 3 Himmelsrichtungen, aber keine Dänen, keine Franzosen, keine Ungarn. Wer kann die Mannschaften einschätzen, gegen die der THC spielen wird? Karl kann uns sicher etwas zu Minaur Baia Mare sagen (die für die Gruppenphase gesetzt waren) und Harpiks vermutlich zu Storhamar. Wer weiß etwas zu Astrachan?

    In mir bekannten Kader sind Melinda Szikora (32) und Agnes Triffa (33) nominiert, die etwas bekanntere Blanka Biro von FTC nur auf Abruf.


    Wenn ich mich richtig erinnere, hatte Biro in den letzten Spielen zwar immer ein paar spektakuläre Paraden, aber insgesamt keine besonders guten Quoten. Wie weit die jungen Torhüterinnen schon sind, kann ich nicht beurteilen. Sicher kann uns Germanicus hier helfen.

    So kann das beim THC nicht weitergehen: 27 Gegentore gegen FAG, 31 gegen Blomberg, 34 gegen die Tussis - was kommt jetzt in Blomberg? Wann hat der THC mal 34 Gegentore bekommen, kann mich selbst in der CL kaum an so etwas erinnern. Das (Nicht-)Abwehrspiel grenzt schon an Arbeitsverweigerung: fehlende Abstimmung, kein flexibles Verschieben, kaum gegenseitiges Helfen, kaum Stoppfouls. Und im Angriff fehlt jegliche Kreativität, deshalb gibt es planloses Festrennen oder es werden unvorbereitete Würfe genommen, die nicht ins Tor gehen. Es macht einfach keinen Spaß mehr, dem THC zuzusehen.

    Das Feuer war heute auf Blomberger Trainerseite-Steffen Birkner hat mindestens 100 mal gebrüllt "Haltet sie unter Druck"-und genau das war der Schlüssel zum Erfolg


    Das ist richtig, aber keine Antwort aus die Frage nach der unsäglichen Wurfausbeute (selbst bei freien Würfen) und nach den 31 Gegentoren. Der THC hatte kein Rezept (weder gegen Würfe aus dem Rückraum noch gegen Durchbrüche), obwohl man wusste, wer bei Blomberg die Tore wirft.

    Könnte dieser Gedanke in den Köpfen beim THC "gespukt" haben?


    Das glaube ich eher nicht. Dieser Mannschaft fehlt einfach das Feuer (ähnlich wie in der letzten Saison) - was sowohl in der Abwehr als auch im Angriff sichtbar ist. Und auf Jerabkova liegt zuviel Druck, sie soll es richten (wie früher Koresova): das Spiel gestalten und zugleich viele Tore werfen. Damit ist sie öfter überfordert. Wenn es bei ihr läuft, sieht der THC gut aus (wie z. B. gegen BBM), wenn nicht, läuft das ganze Spiel nicht. Und Müller scheint für diesen Fall keinen Plan zu haben. Eine chaotische Wechselei, die den Spielerinnen von der Bank keine wirkliche Chance und der Abwehr keine Stabilität geben. Gerade die Abwehr war heute wiedermal eine einzige Katastrophe. Blomberg hat gezeigt, wie man es machen muss. Völlig verdienter Sieg, der mit etwas Glück sogar noch deutlich höher ausfallen konnte.

    Apropos Katastrophe: Das waren die Schiedsrichterinnen auch, aber spielentscheidend war das nicht.