Ich gehöre auch zu denen, die Jicha lange Zeit nicht so kritisch gesehen haben wie viele andere. Inzwischen hoffe ich darauf, dass Jichas Zeiten in Kiel im Sommer zu Ende sind und man einen anderen Trainer holt. Ich mag gar nicht beurteilen, ob Jicha ein guter oder schlechter Trainer ist, ob er Talente entwickeln kann und ob die CL wegen oder trotz Jicha gewonnen wurde. Heute seh ich einen Trainer und eine Mannschaft, die viel gemeinsam oder der Trainer öffentlich auch über die Mannschaft reden, aber keine konstanten Veränderungen auf der Platte.
Stellt sich dann „nur“ die Frage, welcher Trainer wäre frei oder mit einer tragbaren Ablöse zu bekommen, der den THW helfen kann. Ich stecke nicht so tief im Handballkosmos, dass ich hier namentliche Ideen vorbringen könnte. Die Aussage, dass nur eine handvoll Trainern, den THW übernehmen könnte, halte ich auch Sicht der Verantwortlichen für gar nicht so abwegig (auch wenn die Zahl vermutlich etwas zu eng gefasste ist): einen völlig unbekannten Namen, halte ich für total unwahrscheinlich beim THW, da das nicht zum „Eigenen Anspruch und Denken“ passt, ein bekannten Trainer, der bislang hauptsächlich den normalen Ligaalltag kennt, braucht ggf. seine Zeit, um sich an die wenige Vorbereitungszeit zwischen Ligaalltag und internationalen Wettbewerben zu gewöhnen und international erfahrene Trainer haben entweder einen Vertrag und sind nicht zu bekommen oder aber haben bisher nicht gezeigt, dass sie auch auf internationaler Ebene erfolgreich arbeiten können. Ob die Verantwortlichen ihre eigenen Kriterien derzeit nicht deutlich zu eng setzen und man sie zu einem späteren Zeitpunkt doch noch aufweicht wird sich zeigen. Noch eine Verlängerung mit Jicha halte ich derzeit für ausgeschlossen und für ein absolutes Kamikaze-Szenario.
Ich traue Jicha übrigens durchaus zu, dass ihm wirklich so viel am THW liegt, dass er er von sich aus den Stuhl räumt aber das hilft eben nicht weiter, wenn es keinen sinnvollen Nachfolger aus Sicht der restlichen Verantwortlichen gibt.
Zum Thema Reinkind: ich würde mich hier aufgrund der Leistung über eine Trennung im Sommer „freuen“, aber ich glaube nicht daran. Die Nachverpflichtung von Emil kommt kaum bIs gar nicht zum Einsatz und mit Jesse Dahmke wollte man das Risiko doch schon beim Ausfall von Emil nicht eingehen und hat semi-erfolgreich nachverpflichtet. Den offensichtlichen Leistungseinbruch bei Reinkind sehe ich als Resultat daraus, dass er erst lange Zeit den Alleinunterhalter auf der Position gegeben hat und danach oder dadurch selbst in die langwierigere Verletzungen geraten ist.
Über die Verlängerungen von Dule und Rune kann man natürlich diskutieren, aber die Diskussionen helfen uns jetzt nicht weiter. Die Verträge sind da und als Außenstehender kann ich nicht beurteilen, warum man so gehandelt hat. Vielleicht spielen beide zu deutlich reduzierten Bezügen und haben für die Mannschaft und den Verein andere wichtige Skills, weshalb man verlängern wollte.
Wenn es das „Standing“ (hust) und die finanzielle Situation nicht noch mehr belasten würde, würde mir persönlich das Verpassen der internationalen Wettbewerbe herzlich wenig ausmachen. Vielleicht täte es den Spielern und dem Trainerteam gut, ein Jahr mal deutlich weniger zu spielen aber dafür mehr Zeit für Training und auch mentale und körperliche Erholung zu haben. Im Moment sehe ich auf dem Platz viele Einzelkämpfer, die bei Gegentoren sich oft gegenseitig „böse“ anschauen, manchmal wild gestikulieren aber eben keine echte Mannschaft.
Ob die mentale Stärke bei allen Spielern vorhanden ist, sich selbst so zu regulieren, dass man zwischen den Spielen in der derzeitigen Situation zu sich selbst und zu neuem Selbstvertrauen findet, kann ich mir nicht vorstellen. Im „normalein“ Berufsleben erkranken viele Leute an diesem Dauerstress und Druck und ich kann mir nicht vorstellen, dass Sportler zu den ausgewählten Menschen gehören, die vor mentaler Erschöpfung verschont sind.
Glück auf
smoerf