@ Alle die das Spiel nicht gesehen haben und sich dieses Spiel nach der Berichterstattung nicht vorstellen können kommt hier der Artikel der Hauszeitung der SGL (Mannheimer Morgen):
Peinlich, peinlich SG Leutershausen!
HANDBALL: Desolate Vorstellung beim 17:34 gegen den Primus aus Pfullingen
Meistermacher zu sein - das müsste eigentlich ein tolles Gefühl sein. So wie vor zwei Jahren die Fußballer der SpVgg Unterhaching, die danach bundesweite Beachtung fanden und viel Lob einheimsten. Die Handballer der SG Leutershausen werden wahrscheinlich nach dem nächsten Wochenende ebenfalls den Meister in der zweiten Bundesliga gekürt haben. Doch statt Anerkennung zu finden, wird diese Tatsache einen faden Beigeschmack haben. Im Gegensatz zu den Münchner Vorstädtern, die dem Tabellenführer eine bittere Niederlage beibrachten und dem Verfolger zum Sprung auf den Thron verhalfen, sorgten die Roten Teufel von der Bergstraße mit einer indiskutablen Leistung beim desaströsen 17:34 (10:17) gegen den Primus aus Pfullingen dafür, dass die Schwaben den Sprung in Liga eins dichter denn je vor Augen haben.
Viel diskutiert war dabei nicht die Niederlage als solche, denn gegen die bärenstarken Pfullinger ist eine Pleite möglich, doch die peinliche Vorstellung besonders in der letzten Viertelstunde stößt der Konkurrenz aus Östringen und Friesenheim böse auf. Gerade der TSV Baden Östringen war vor der Partie bei Punktgleichheit schließlich nur zwei Tore schlechter platziert als der VfL, vor dem abschließenden Spieltag sind es jetzt 17 Treffer - nach allgemeinem Tenor nicht mehr aufzuholen.
Trainer, Mannschaft und Fans der Pfullinger wurde schnell bewusst, dass der Sieg an der Bergstraße eigentlich drei Punkte Wert war und dementsprechend euphorisch feierten sie den Erfolg auch nach der Partie. Man konnte fast den Eindruck haben, als sei der Sprung in die Beletage des Handballs bereits vollbracht. Coach Rolf Brack sprach von einer "Jahrtausendchance, nächste Woche den Aufstieg aus eigener Kraft zu schaffen".
Während der Spitzenreiter am Samstag vor heimischer Kulisse gegen den TVA Saarbrücken wohl den Aufstieg bejubeln kann, verabschiedeten sich die Leutershausener denkbar schlecht von den eigenen Anhängern. Knapp 700 der über 1000 Besucher - der Rest hielt es mit dem VfL - waren zunächst überrascht und später wie gelähmt angesichts der emotionslosen Vorstellung der Pysall-Sieben. Sogar der eigentlich unermüdliche "Rackerer" Thomas Ratzel musste später einräumen, dass "unser Willen gebrochen wurde".
Kritischen Fragen wich SGL-Coach Peter Pysall nicht aus, wehrte sich aber vehement gegen das "Kaputtreden einer insgesamt guten Saison". Dass die Bergsträßer über den Erwartungen liegen und positiv überraschten, ist Verantwortlichen und Akteuren nicht abzusprechen, doch gerade die guten Leistungen über Monate hinweg, lassen das Debakel vom Samstag unverständlich erscheinen. Schließlich ließen sich die Cracks zum Schluss regelrecht "abschlachten", obwohl gerade der Kampfgeist bisher der Trumpf der SGL war. Bitter, denn der letzte Eindruck bleibt in den Köpfen haften und verwischt schnell das gute Bild, das sich die Truppe erarbeitet hat.
Ein Spiel bleibt den Roten Teufeln noch, um den am Samstag entstandenen Eindruck zu korrigieren - und dann geht es ausgerechnet zu Pfullingens ärgsten Rivalen, dem TSV Östringen. miwi
© Mannheimer Morgen – 06.05.2002