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Acht Punkte Abzug und weiter Angst um die Existenz
Handball: Die Bundesliga pocht auf ihre Statuten, dem Klub droht das Aus. Acht Punkte Abzug.
von Julien Wolff
Im Kampf um die vorderen Tabellenplätze in der Handball-Bundesliga wird der HSV Handball in nächster Zeit keine Rolle mehr spielen. Wegen Verstoßes gegen die Lizenzauflagen ist der Verein von der Handball-Bundesliga (HBL) mit einem Abzug von acht Punkten am Ende der laufenden Saison bestraft worden. Zudem wird dem HSV eine Geldstrafe von 15 000 Euro auferlegt. Dies beschloß der Ligavorstand nach einer vierstündigen Sitzung mit der Delegation der Hanseaten in Hannover. "Das ist eine bittere Geschichte. Wir sind enttäuscht über das Urteil. Mit dem Strafmaß hatten wir nicht gerechnet, weil wir viele Punkte der Auflagen umgesetzt haben", meinte Trainer Bob Hanning.
Bezüglich der Zukunft des Vereins aber wurde auch gestern keine Entscheidung getroffen. Wie die Delegation des HSV nach der Sitzung erklärte, seien während des Gesprächs, in dem man im Sinne des Handballsports argumentiert habe, immer wieder Vorwürfe gegen das Verhalten des wirtschaftlichen Trägers Omni Sport und der Rolle des derzeit in Untersuchungshaft sitzenden Geschäftsführers Winfried M. Klimek vorgebracht worden. Der HBL-Vorstand habe seine Verärgerung zum Ausdruck gebracht, hieß es.
In einigen Punkten habe man zwar Einigkeit erzielen können. In Grundsatzfragen jedoch nicht. Dennoch sei man weiterhin gewillt, für eine letzte Chance zu kämpfen und diese gegebenenfalls zu nutzen.
Dem Vernehmen nach präsentierten die Verantwortlichen des HSV gleich mehrere Lösungskonzepte, die einen drohenden Zwangsabstieg verhindern sollen. Hauptproblem ist dabei der mit rund zwei Millionen Euro verschuldete wirtschaftliche Träger Omni Sport GmbH & Co. KG.
Ob eine kurzfristige Trennung von Omni Sport möglich ist, scheint auch nach dem gestrigen Tag unklar. "Der HSV muß eine Insolvenz vermeiden. Er muß seine Hausaufgaben machen", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Im Rahmen der Satzungen werde man sich bemühen, "Hamburg als Handball-Standort zu erhalten".
Die Hamburger Verantwortlichen schätzen das Gespräch realistisch ein. "Die Situation ist mit diesem Tag nicht leichter geworden", erklärte HSV-Manager Dierk Schmäschke. Traberpräsident Jürgen Hunke, der mit zur Hamburger Delegation gehörte, betonte, "daß wir Signale bekommen haben, welche Wege wir gehen können. Dies müssen wir jetzt mit all ihren Risiken prüfen."
Bevor man weitere Entscheidungen treffe, werde man daher zunächst gemeinsam die Schlußfolgerungen aus den jüngsten Geschehnissen erörtern.
Neben Schmäschke waren auch Vizepräsident Fritz Bahrdt, Wirtschaftsprüfer Jens Lingthaler und Hunke nach Hannover gereist, um die Handball-Bundesliga von einer positiven Zukunft des HSV zu überzeugen. Präsident Heinz Jacobsen war bei dem Gespräch nicht anwesend. Als ehemaliger Vorsitzender der Liga gilt sein Verhältnis zur HBL bezüglich des HSV als problematisch, seitdem er im Sommer für die Lizenzvergabe an den HSV votierte und kurz darauf Vorsitzender des Bundesligisten wurde.
Die Delegation war am Abend vor dem entscheidenden Gespräch durch einen sportlichen Erfolg der Mannschaft zusätzlich motiviert worden. Vor 7478 Zuschauern in der Color Line Arena hatte der HSV den VfL Gummersbach mit nur sechs eingesetzten Feldspielern in einer äußerst umkämpften Partie mit 30:29 (13:15) besiegt und nach dem Schlußpfiff ausgiebig mit den Fans gefeiert. Lange war es in der Arena nicht so laut gewesen. Die Anhänger feierten ihre Mannschaft, als wäre es die letzte Gelegenheit. Die Spieler präsentierten sich enorm siegeswillig und legten somit erneut ein sportliches Bekenntnis zum Handballstandort Hamburg ab. "Das war wirklich phantastisch. Wir waren alle ein bißchen nervös. Die Situation ist im Moment nicht einfach für uns und unsere Familien. Die Anspannung kam in diesem Spiel aus uns allen raus", sagte Torhüter Tomas Svensson.
Die Ungewißheit über die eigene Zukunft und die des Vereins belastet die Spieler mittlerweile enorm. "Man fühlt sich wie ein Halbaufgeknüpfter und fürchtet, daß einer an der Leine zieht. Es wird Zeit, daß die Sache endgültig geklärt wird", betonte Nationalspieler Torsten Jansen. Wie seine Spieler will sich auch Trainer Hanning über seine Zukunftspläne erst Gedanken machen, "wenn es soweit ist". Trotz aller Querelen im Umfeld kann er der derzeitigen Situation sogar noch etwas Positives abgewinnen. "Die aktuellen Erlebnisse", so der Trainer, "werden uns in Zukunft weiter stärken." Gemeinsam mit der Mannschaft habe er nun schon so lange dem psychischen Druck standgehalten, "jetzt wollen wir die Sache auch bis zum Ende durchstehen".