Bei der gesamten Diskussion um damals Prokop und jetzt Gislason haben nach meiner Ansicht die wenigsten Fehler die beiden Trainer gemacht, sondern die Verantwortlichen im DHB. Jeder Personalverantwortliche in einem Unternehmen hätte wahrscheinlich selber ein Problem, wenn er so mit einem seiner leitenden Mitarbeiter umgehen würde, zumal mit einem der am stärksten in der Öffentlichkeit steht.
1. Wenn eine Entscheidung für einen Bundestrainer gefallen ist, muss dieser unbedingt nach außen gestärkt und verteidigt werden. Interne Diskussionen müssen intern bleiben.
2. Wenn ein weiteres Engagement Gislason von der Olympia-Qualifikation abhängig gemacht werden sollte und das entsprechend Turnier unmittelbar bevorsteht, kann man doch noch die paar Tage auf eine Vertragsschließung warten. Nach außen: "Wir haben volles Vertrauen, aber Trainer und Mannschaft sollen sich jetzt erstmal auf das Sportliche konzentrieren."
3. Durch den vorher abgeschlossenen Vertrag und die bekanntgewordenen Details hat man Trainer und Mannschaft geschwäscht. Die Reputation des DHB ist weiter abgestürzt.
4. Die Entscheidungsstrukturen und Kommunikationsstrukturen des DHB sind nicht konsistent. Das Präsidium entscheidet etwas, der Sportdirektor muss es vertreten, auch wenn er die Entscheidung nicht unbedingt unterstützt. Dadurch eiert auch der Sportdirektor in der Öffentlichkeit herum.
Hoffen wir, dass es eine interne Aufarbeitung im DHB über das Handeln und die verantwortlichen Personen gibt. Wenn wir davon nichts hören, kann dies besser sein, als wenn wir davon hören. Wie gesagt, es geht um eine interne Aufarbeitung, nicht um ein Zerreden in Medien und Foren.