Die Adler der Zwoten fliegen nicht mehr!
Es ist ein schwarzer Tag für den Breitensport und vor allem für die Spieler der zweiten Männermannschaft des 1.VfL Potsdam. Doch nach langem internen Disput mit dem Verein, streicht der Großteil der Mannschaft die Segel und in der Geschäftsstelle des Vereins geht eine Kündigung der Mitgliedschaft nach der anderen ein.
Gründe hierfür gibt es viele, doch ausschlaggebend wird für die meisten die schlechte Kommunikation und vor allem geringe Wertschätzung von Vereinsseite aus sein.
Bei der Zwoten handelte es sich um eine junge Truppe motivierter Amateur-Handballspieler, die zum Teil seit langer Zeit zusammenspielen, aber auch gerne neue Teamkollegen in ihren Reihen begrüßt haben. Seit Langem hat man sich in der höchsten Spielklasse des Landes etabliert und strebte sogar nach dem Aufstieg in die Oberliga Ostsee-Spree. Man sollte meinen, ein Verein wie der 1.VfL Potsdam, welcher sich nach Außen gerne wie ein großer Verein darstellt, sollte sich darüber freuen, eine Vertretung auf Landesebene zu haben… doch das Gegenteil scheint der Fall!
So war die Zwote in den letzten zwei Jahren auf sich allein gestellt und musste um jede Hallenzeit kämpfen, um einen Spielbetrieb aufrechtzuerhalten.
Trotz mehrfacher Bitte um Mithilfe und Unterstützung an den Vereinsvorstand, wurde man immer wieder vertröstet und man machte vielmehr deutlich, dass der Breitensport, vor allem im Männerbereich, ein lästiges Übel für den Verein zu sein scheint. Denn trotz freier Hallenkapazitäten wurden und werden Zeiten in der Ballspielhalle lieber an die zweite Männermannschaft der Füchse Berlin oder an die Männermannschaft des HV Grün Weiß Werder vergeben oder sogar nur freigehalten. Dies geschah immer wieder mit der Begründung, dass die zuständige Luftschiffhafen GmbH die Sportstätten auf dem Gelände dem Leistungssport vorbehalte. Warum zudem die Steinadler, welche zum Großenteil aus ehemaligen oder aktiven Vereinsvorstandsmitgliedern bestehen, jeden Donnerstag eine Hallenzeit zum Fußballspielen bekommen, wollte man der Zwoten nicht beantworten.
Eine eigene Anfrage der Zwoten an die Luftschiffhafen GmbH brachte zum Vorschein, dass lediglich die Sportschule Potsdam in der Vergabe priorisiert werde und es kein Vorrecht Leistungs- vor Breitensport gäbe. Der Antrag, in den mit der Luftschiffhafen GmbH geschlossenen Nutzungsvertrag Einsicht zu nehmen, wurde gänzlich ignoriert.
Auch in Sachen Trainer musste sich die Zwote selbst kümmern und organisierte alles in Form von Spielertrainern. Dass der Verein keine Trainer hervorzaubern kann, ist wohl jedem bewusst, aber hielten sich auch hier die Bemühungen des Vereins mehr als in Grenzen. In den sozialen Medien wird immer wieder mit der Durchführung von bundesweiten Trainerfortbildungen geprahlt und dann wird verkündet, man kenne niemanden für die eigene zweite Mannschaft… oder ist man einfach zu unwichtig, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, weil man ja nur Breitensport ist?
Alles in allem bleibt zu sagen, dass es traurig ist in welche Richtung sich der 1.VfL Potsdam entwickelt hat, bei all dem sportlichen Erfolg, den man erreicht hat, komplett die Wurzeln und die Basis des Vereins zu verlieren, ohne den Weitblick zu haben, was passieren kann, wenn Bob Hanning und die Füchse Berlin sich aus der „Kooperation“ zurückziehen.
Dann bleibt dem Verein eine Männermannschaft in der niedrigsten Spielklasse, keine Perspektive für Nachwuchsspieler aus der Jugend und ein finanzielles Debakel.
Der VfL verliert mit den zahlreichen Kündigungen nicht nur viele zahlende Mitglieder, sondern auch Schiedsrichter, Kampfrichter und aktive sowie ehemalige ehrenamtliche Trainer, welche allesamt eine wichtige Säule des Vereins prägten, darstellten.
Wenn man nun behauptet, es läge nur am „Klisterthema“, zeigt dies deutlich, wie es um Empathie, Teamgeist und Professionalität im Vorstand bestellt ist.
Wir bedanken uns bei all den Unterstützern im privaten Umfeld der Zwoten und allen Mannschaften aus der Oberliga Brandenburg mit denen man sich gerne gemessen hat und wünschen viel Erfolg in der kommenden Saison… ohne uns.
Am Ende bleiben uns nur noch die Worte des sportlichen Leiters des 1.VfL Potsdam: „Mir ist das vollkommen egal, wenn die zweite Männermannschaft sich auflöst!“