Badische Zeitung vom Freitag, 1. Juli 2005
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TV Willstätt erhält Zweitliga-Lizenz
Der Coup von Minden / Ständiges Schiedsgericht bestätigt den Zweitligisten voll und ganz in seiner Argumentation
Von unserem Redakteur Wolfram Köhli
Handball. „Wir haben die Lizenz!“ Die Stimme von Rainer Lusch überschlug sich gestern Abend fast am Telefon. „Wir haben die Lizenz gerade bekommen.“ Der Zweite Vorsitzende und der TV Willstätt wurden vom Ständigen Schiedsgericht der Lizenzvereine in Minden in ihrer Rechtsauffassung einstimmig bestätigt.
Zuvor hatte der Liga-Vorstand der SG Willstätt/Schutterwald die Lizenz zweimal wegen des angeblich unzulässigen Wechsels des wirtschaftlichen Trägers und Fristversäumnissen verweigert. Außerdem war der Klub, der zur neuen Saison, nach Ablauf des gestern ausgelaufenen Vertrages mit dem TuS Schutterwald über eine Spielgemeinschaft, wieder als TV Willstätt antritt, beim Landgericht Dortmund mit dem Antrag auf eine einstweilige Verfügung gescheitert.
Es war fast eine konspirative Aktion gewesen: Die Reise von Rainer Lusch und Anwalt Martin Mildenberger nach Minden. In den Gesprächen, ob der Termin nicht vom 11. Juli auf den gestrigen Donnerstag vorverlegt werden könne, hatte sich die Hintertür einen Spalt geöffnet. Wenn noch Zeit sei, könne ja vielleicht doch noch verhandelt werden, klang durch. So machten sich Lusch und Mildenberger gestern Vormittag auf die Bahnfahrt nach Minden. Dort tigerten sie sechs Stunden lang im Gang herum – „wie vor dem Kreissaal“, so Lusch – und warteten, ob ihr Moment noch kommen solle. Um 17.45 Uhr war es soweit. Da die SG Wallau-Massenheim ihren Antrag zurückgezogen hatte, kam der Fall TV Willstätt zur Erörterung.
Bereits nach Aktenstudium stand für die drei Richter Ralf Nottmeier (Minden), Stefan Tholund (Kiel), Jürgen Punke (Schleswig) fest: „Es fand keine Verfristung statt“, wie es im Juristendeutsch heißt. Allgemeinverständlich formuliert: Der TV Willstätt hat keine Frist beim Lizenzierungsverfahren versäumt. Der zuvor bemängelte Austausch des wirtschaftlichen Trägers – wegen zu erwartender Insolvenz – führte nicht zu einem derart gravierenden Verstoß gegen die nicht eineindeutig formulierten Richtlinien bei der Lizenzierung, als dass die Verweigerung der Lizenz Rechtens gewesen wäre.
Ihren letzten Zug verpassten Rainer Lusch und Anwalt Martin Mildenberger gestern in Minden: Jenen zurück nach Hause. Den in die Zweite Liga für den TV Willstätt haben sie indes gerade noch erreicht. In der neuen Saison werden die Hanauerländer in der aufgestockten Süd-Gruppe der Zweiten Handball-Bundesliga spielen.