Warten auf die Aufsichtsratssitzung
Stefan Hecker bleibt beim VfL - Poker um die Ungarn Daniel Buday und Gabor Csaszar
von DIETER LANGE
GUMMERSBACH. Seit gestern steht die Weltmeisterschaft in Deutschland im Blickpunkt der Handballfans. Derweil ist es um den VfL Gummersbach nach den negativen Schlagzeilen durch den Rücktritt von Hans-Peter Krämer als Aufsichtsratsvorsitzender ruhig geworden. "Wir arbeiten hinter den Kulissen aber mit Hochdruck weiter", weist derweil Geschäftsführer Stefan Hecker Versionen zurück, der VfL sei handlungsunfähig. Allerdings, auch Hecker muss eingestehen, dass vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung keine wichtigen Entscheidungen gefällt werden können. An dieser Sitzung wird auch Krämer, der an diesem Wochenende aus seiner Erholungskur zurückerwartet wird, teilnehmen.
Wie der Unternehmensberater Jochen Kienbaum signalisiert hat, werde er sich nicht verschließen, den Vorsitz zu übernehmen, wenn sich kein anderer für den Posten findet. Inzwischen hat Krämer aus der Kur signalisiert, dass er weiter im Aufsichtsrat mitwirken und sich auch an der Suche nach neuen Sponsoren beteiligen werde.
Gegenstand von Spekulationen war in den letzten Tagen auch Stefan Hecker selbst. Der immer noch in Essen wohnende Ex-Nationaltorhüter wurde urplötzlich mit seinem alten Verein TuSEM Essen in Verbindung gebracht. Hecker gibt zu, dass er von den TuSEM-Verantwortlichen angesprochen worden sei, er aber kein konkretes Gespräch mit dem Ex-Bundesligisten, der nach seiner Zurücksetzung in die Regionalliga mit aller Macht in die 1. Bundesliga zurückstrebt, geführt hat: "Das ist für mich kein Thema. Ich habe beim VfL meine Aufgabe, schließlich habe ich Alfred Gislason und fast alle neuen Spieler geholt, diese Arbeit will ich auch fortsetzen."
Apropos Alfred Gislason. Der isländische VfL-Trainer ist derzeit - zusammen mit den drei VfL-Spielern Gudjon Valur Sigurdsson, Robert Gunnarsson und Sverri Andreas Jakobssen - für Island bei der WM in Aktion, aber natürlich steht er in ständigem Kontakt zum VfL. Gislason gesteht, dass er mit einer gewissen Sorge die augenblickliche Hängepartie beim VfL verfolgt. Zwar lehnt er es ab, die Situation im Aufsichtsrat beim VfL zu kommentieren, aber im Hinblick auf Personalentscheidungen für die nächste Saison drängt Gislason schon auf mehr Eile.
Dabei denkt er wohl in erster Linie an die Verhandlungen mit den beiden Ungarn Daniel Buday (26/MKB Veszprem) und Gabor Csaszar (22/ Dunaferr SE), die auf seiner Wunschliste ganz oben stehen. Vor allem im Poker um den vielseitigen Rückraumspielers Gabor Csaszar, der trotz seiner erst 22 Jahre schon 56 Länderspiele (123 Tore) bestritt, könnte der VfL nur "zweiter Sieger" werden, wenn der derzeit talentierteste Ungar eine gute WM spielen sollte. Diese Gefahr sieht auch Stefan Hecker, der am 26. Februar einen Termin mit Buday und Csaszar hat: "Wir wollen versuchen, schon vorher die Verträge klar zu machen, denn Ende Februar könnte es zu spät sein." Allerdings, bevor der Aufsichtsrat kein grünes Licht gegeben hat, sind ihm die Hände gebunden.
Nicht zu spät scheint der VfL dagegen im Fall des Nachwuchstalents Kevin Jahn (21) zu sein. Zwar hat das Magdeburger Eigengewächs beim VfL noch nicht unterschrieben, aber Gislason ist guter Dinge, dass dieser "Wechsel auf die Zukunft" klappt.
(Quelle:OVZ vom 20.01.2007)