Einmal so und einmal so!? ![]()
„Gesundheit geht jetzt vor“
VON JOACHIM SCHMIDT UND DIETER LANGE, 03.01.07, 20:15h
KÖLN / GUMMERSBACH. Für erhebliche Aufregung hat gestern beim VfL Gummersbach die Rücktrittserklärung von Hans-Peter Krämer gesorgt, der den Vorsitz des vierköpfigen Aufsichtsrates des einst erfolgreichsten Handballvereins der Welt niederlegte. „Aus vornehmlich gesundheitlichen Gründen habe ich mein Amt am 27. Dezember niedergelegt. Ich bleibe vorläufig normales Aufsichtsratsmitglied, um die überwiegend von mir akquirierten Premiumsponsoren und Geldgeber zu betreuen und zu beraten“, ließ der starke Mann des Clubs gestern schriftlich verbreiten.
Erst knapp sechs Stunden später meldete auch der Verein den Rücktritt seiner Galionsfigur. Außerdem wurde mitgeteilt, dass die übrigen drei Aufsichtsratsmitglieder (Ex-Nationalspieler und Unternehmer Gerd Rosendahl, Unternehmensberater Jochen Kienbaum, VereinsvorsitzenderGerhard Breidenbach) für die nächsten Tage eine Sitzung planen, um über die Nachfolge des Vorsitzes zu entscheiden.
Wie zu erfahren war, erlitt Hans-Peter Krämer am zweiten Weihnachtstag einen Kreislaufzusammenbruch. Derzeit hält sich der 65-Jährige für die nächsten zwei Wochen in einer Kurklinik nahe Oberstdorf auf. Im Gespräch mit der Rundschau sagte er: „Das war die richtige Zäsur. Meine Gesundheit geht jetzt vor. Es war in den letzten Monaten einfach zu viel, was ich mir aufgebürdet habe.“
Neben seinen vielfältigen Aufgaben im sportlichen und finanziellen Bereich des VfL Gummersbach engagiert sich Krämer vor allem auch als Vizepräsident Finanzen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sowie im Stiftungsrat der Max-Ernst-Stiftung in Brühl. „In wieweit ich nach meiner Erholungszeit meinen Aufgaben beim DOSB wieder nachkommen kann, weiß ich derzeit nicht“, deutete Krämer die Schwere seiner gesundheitlichen Probleme an.
Gleichzeitig ließ er durchblicken, wie stark aber sein Herz am VfL hängt. „Ich habe angeboten, mich weiter für den Verein einzubringen. Wenn das gewünscht wird, stehe ich zur Verfügung.“
Darauf hofft VfL-Geschäftsführer Stefan Hecker, der von dem Rücktritt überrascht war. Auch Ex-Mannschaftskapitän und designierter Sportdirektor François-Xavier Houlet zeigte sich geschockt: „Ich wusste von den gesundheitlichen Problemen, aber dass es so massiv war, wusste ich nicht.“
Als der VfL Gummersbach vor fünf Jahren vor dem Ruin stand, war es Hans-Peter Krämer, der finanzstarke Sponsoren anwarb und ein wirtschaftliches Erfolgskonzept aufstellte. Damit kehrte auch der sportliche Erfolg zurück. Derzeit steht der Verein in der Spitzengruppe der Bundesliga und im Viertelfinale der Champions League. Dass sich der Finanzexperte mit seiner Vorgehensweise nicht nur Freunde machte, gibt er zu: „In jedem Unternehmen gibt es unterschiedliche Meinungen. Außerdem bin ich nie ein guter Diplomat gewesen. Wenn ich jemanden für einen Provinzpolitiker gehalten habe, habe ich es ihm gesagt.“
Gegenwind im Aufsichtsrat bekam Hans-Peter Krämer in jüngster Zeit vor allem wegen der auf seine Initiative hin in der Kölnarena ausgerichteten Vereins-Europameisterschaft. Sie soll zu einem finanziellen Minus von mehr als 100 000 Euro geführt haben.
http://www.rundschau-online.de/jkr/artikel.jsp?id=1162484292977
Rücktritt nach Machtkampf
VON ERIK EGGERS, 03.01.07, 19:49h
Nach Kritik und Konflikten im Aufsichtsrat macht der Handball-Visionär „vornehmlich gesundheitliche Gründe“ geltend.
Köln - Gerade noch hatte der VfL den letzten Siebenmeter verworfen, aber Hans-Peter Krämer war trotzdem außer sich vor Freude. Während über 10 000 verstummte Zuschauer die Kieler Ostseehalle verließen, hüpfte der VfL-Aufsichtsratschef völlig entrückt aufs Spielfeld, umarmte die Spieler und Trainer, er herzte überhaupt jeden, der ihm in die Quere kam. An diesem Abend des 6. September 2006, als der VfL im Duell der Rekordmeister mit 39:37 triumphiert hatte, das erste Mal seit über zwölf Jahren in Kiel, dazu mit modernem und hochattraktivem Hochgeschwindigkeitshandball, wirkte Hans-Peter Krämer glücklich. Keine vier Monate später ist dieser Mann konsterniert, gesundheitlich angeschlagen. Es ist von Herz-Rhythmus-Störungen und Kreislaufproblemen die Rede - und er hat gestern, offenbar nach Auseinandersetzungen in den Führungsgremien, seinen Rücktritt als Aufsichtsratschef bekannt gegeben. „Ich habe lange Zeit wirklich alles für diesen Verein gegeben“, sagte Krämer, bevor er einen zweiwöchigen Erholungsurlaub antrat. Als „Schock“ bezeichnet Alfred Gislason, der isländische Trainer, die Demission des Vereinspatrons, „das ist ein Schock für mich und die ganze Mannschaft“.
Die dürren Zeilen der Pressemitteilung lassen viel Raum für Spekulationen. „Aus vornehmlich gesundheitlichen Gründen habe ich mein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der VfL Handball Gummersbach GmbH am 27. 12. 2006 niedergelegt“, ließ Krämer wissen, aber auch, dass er „vorläufig normales Aufsichtsratsmitglied“ bleibe, „um die überwiegend von mir akquirierten Premiumsponsoren und Geldgeber zu betreuen und zu beraten.“ Über Krämers Nachfolge wird der Aufsichtsrat „in den nächsten Tagen“ befinden, hieß es in einer noch knapper gehaltenen Mitteilung des Klubs.
Die Leistungen, die Krämer seit über fünf Jahren erbracht hat, gehen über den VfL Gummersbach hinaus. Vor einem Jahr nannte Uwe Schwenker, der Manager des Branchenführers THW Kiel, Krämer in dieser Zeitung einen „Glücksfall für den VfL“ und schrieb ihm sogar historische Verdienste zu. Denn als die Blau-Weißen im November 2001 erstmals in der Kölnarena auftraten und über 18 000 Zuschauer dem Handballspiel gegen Kiel beiwohnten, da wusste Schwenker: „Das ist der Schritt in eine neue Dimension, in eine neue Zukunft.“ Und die Vision dazu hatte Krämer entwickelt.
Diese ganze Renaissance des Rekordmeisters, der 1991 seine letzte deutsche Meisterschaft gefeiert und, wegen einer finanziell existenzbedrohenden Lage, im Sommer 2001 nur durch einen Gnadenakt des DHB-Präsidiums die Lizenz erhalten hatte, wirkte wie an einem Reißbrett vorgezeichnet. Durch die Events in der Kölnarena angelockt, akquirierte Krämer mit den glänzenden Kontakten, die er als Vorstandschef der Kölner Kreissparkasse hatte, viele potente Sponsoren, unter anderem mit TUI den einzigen DAX-Wert in der Handball-Bundesliga. Und er modernisierte die Strukturen, gliederte die Profi-Abteilung aus dem Gesamtverein aus. Auf dieser Grundlage erfüllte die Mannschaft stets die sportlichen Vorgaben, zuletzt gelang mit Platz drei erstmals der Sprung in die Champions League. Hier steht man sensationell im Viertelfinale, und in der Meisterschaft liegen die Oberberger auf Platz fünf, Tabellenführer Kiel ist nur zwei Punkte entfernt. „Er hat den Verein von null auf hundert gebracht“, sagt VfL-Manager Stefan Hecker. Umso spektakulärer dieser Rücktritt.
Die wahren Gründe dafür liegen in schon länger schwelenden Konflikten zwischen Krämer und Aufsichtsratsmitglied Jochen Kienbaum - jener Mann, der Krämer im Jahr 2001 zu einem Engagement überredet hatte. Kienbaum kritisierte Krämer zuletzt wegen seines Führungsstils („Es wird zu wenig geredet“), und auch VfL-Manager Hecker war sich nach Lage der Dinge über den Kurs des Klubs nicht mehr mit Krämer einig und distanzierte sich von ihm. „Zu den Gründen des Rücktritts kann ich mich nicht äußern, das ist seine Sache“, sagte Hecker gestern zurückhaltend. Aber dass er und Kienbaum schon Alternativen im Ärmel haben für den Fall, dass Krämer ganz aussteigen sollte, scheint sicher: „Falls Krämer geht, müssen wir das Ganze halt anders aufziehen“, so Hecker. Wie der Klub unter den neuen Vorzeichen weiterarbeitet, steht im Moment noch in den Sternen.
Klar ist nur: Es bricht eine neue Ära an beim VfL Gummersbach.
(Quelle:http://www.ksta.de)