Interview mit Jörg Lützelberger
„Man muss mit ganzem Herzen dabei sein!"
Jörg, welchen Rat gibst du als Nachwuchsspieler, der den Sprung in die Bundesliga und die Champions League geschafft hat, Jugendlichen, die auch hoch hinaus wollen?
Man muss viel Spaß an der Sache haben und sehr viel Einsatz bringen, egal,ob man Handball oder Klavier spielt. Ich hatte so viel Spaß am Handball, dass ich nie das Gefühl hatte ein Stück meiner Jugend zu verlieren. Ich habe
auch an Samstagen, wo ich nicht mit Freunden ausgegangen
bin, nichts vermisst. Man muss einfach mit ganzem Herzen dabei sein!
Wie viel war bei dir Einsatz - und wie viel Talent?
Schon in der Jugend hat mir der Hallenwart manchmal das Licht ausgeschaltet, weil ich nach dem Mannschaftstraining noch bis in den späten Abend alleine weiter trainiert habe. Ich bin eigentlich in allen Sportarten mmer schnell zurecht gekommen, weil ich
die Bewegungsabläufe schnell drauf hatte. Vielleicht hatten andere mehr Talent für den Handball als ich, aber ich habe mit Hingabe dafür gearbeitet. Wobei diese Einstellung noch längst keine Garantie ist, dass man Bundesliga-Spieler wird. Aber man muss wissen, dass man für einen selbst
das Richtige tut. Das ist eine Voraussetzung, um Spaß an der Sache zu haben. Zum Glück war ich auch nie verletzt.
Wie verlief dein Weg zum Kreisläufer?
Ich habe eigentlich in der Jugend nur im Rückraum gespielt, wo ich aber an meine Grenzen stieß. Dann habe ich mich an den Kreis gestellt, was auch gut funktioniert hat, weil ich ziemlich kräftig und abwehr-
stark bin. Das hatte ich nicht von der D-Jugend an gelernt wie einige andere. Ich bin dann als Kreisläufer-Autodidakt zum TVG gekommen, wo ich natürlich viel von Uli Wolf und Jens Tiedtke mitnehmen konnte. Und bei den DHB-Trainern habe ich dann auch systematisch spezielle Sachen dazu-
gelernt.
Was sagst du als junger deutscher Spieler zur Diskussion um den deutschen Nachwuchs?
Der DHB macht mit den Trainern Heuberger und Petersen eine super Arbeit nicht nur an der Spitze, sondern auch weiter runter. Da sind Strukturen geschaffen worden, wo die Maßnahmen ineinander greifen.
Der Erfolg kommt ja auch, Deutschland ist jetzt zweimal Junioren-Europameister ge- worden. Das größere Problem besteht, wie
Heiner Brand ja auch immer beklagt, darin, 18, 19, 20-Jährige in den Männerbereich zu bringen. Da müsste es einfach mehr Gislasons geben. Alfred stellt die Jungs einfach aufs Feld und vertraut ihnen.
Kritiker merken bei Heiner Brand an, dass er durch die Einbürgerung z.B. von Velyky und Klimovets deutschen Talenten den Weg verbaut.
Oleg und Andreij sind Weltklassespieler, diese Chance hätte wohl jeder Trainer der Welt ergriffen, sie sind eben eine Klasse für sich und nehmen somit auch niemandem den Platz weg. Der Bundestrainer führt zahlreiche junge Spieler an den Kader heran. So beispielsweise Dominik Klein oder Cristoph Theuerkauf, um den Kritikern nur zwei Namen zu nennen.
Und welche Entwicklung machst du jetzt beim VfL?
Momentan bin ich sehr zufrieden. Im Training lerne ich täglich dazu, dabei helfen mir neben dem Trainer besonders die erfahrenen Nationalspieler mit wertvollen Ratschlägen weiter. Zudem erhalte ich die notwendige Spielpraxis. Ich bin sicher, dass ich in allen Bereichen, also sowohl
was die Physis und die Psyche betrifft als auch Technik und Taktik, noch lange nicht am Maximum bin. Das zu erreichen ist mein ganz persönliches Ziel, und dafür habe ich in diesem starken Team sehr gute Bedingungen.
Von Robbi schaue ich mir Vieles ab, doch sein Überkopfrückhandwurf wird wohl ein- zigartig bleiben. Den habe ich nach dem Training schon ein, zwei Mal probiert und mir dabei einfach nur wehgetan.
(Quelle.VfL-Magazin)