"Ja, ich gehe zurück nach Chambery"
Vor Europacupspiel in Norwegen spricht Daniel Narcisse im Rundschau-Interview Klartext
Seit Wochen gibt es Spekulationen über die Zukunft von Daniel Narcisse (26). Vor dem heutigen Champions-League-Spiel bei Sande- fjord TIF in Norwegen sprach Ulrich Klein mit dem französischen Weltklasse-Handballer des VfL Gummersbach.
Frage:
Herr Narcisse, Bundestrainer Heiner Brand bescheinigt Ihnen absolute Weltklasse. Andere Experten halten Sie für den überragenden Akteur der aktuellen Bundesliga-Saison. Haben die Fachleute recht?
Narcisse:
Diese Einschätzung ehrt mich und macht mich fast ein bisschen verlegen. Solche Komplimente hört man natürlich sehr gerne. Aber ich möchte betonen, dass ich meine Leistungen nur deshalb bringen kann, weil ich hervorragende Mitspieler habe, die mich unglaublich gut unterstützen. Zudem spielt Alfred Gislason eine entscheidende Rolle. Er hat mir viel Vertrauen geschenkt, das ich natürlich zurückgeben möchte.
Frage:
Dabei hat der Trainer Sie doch kurzfristig umfunktioniert. Sie spielen primär gar nicht mehr im linken Rückraum, sondern auf der Spiel-macherposition . . .
Narcisse:
Ja, das ist ein enormer Vertrauensbeweis, der mich sehr freut. Auf der Mittelposition laufen schließlich alle Fäden zusammen. Allerdings bin ich inzwischen ja auch ein bisschen gereift. Es war für mich an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen. Ich mache das gerne, gerade auch deshalb, weil wir inzwischen ein richtig gutes Team haben. Ich habe großen Spaß an dieser Aufgabe.
Frage:
Und dennoch zieht es Sie zum Saisonende nach Frankreich zurück?
Narcisse:
Ja, es stimmt. Ich möchte mit meiner Familie zurück nach Frankreich und habe bei meinem alten Verein in Chambery schon vor längerer Zeit einen Vertrag unterschrieben.
Frage:
Aber besitzt der VfL nicht eine Option, wonach er Sie noch länger halten kann?
Narcisse:
Dann müssen sich die Vereine eben einigen. Aber grundsätzlich denke ich, dass es schwer ist, einen Spieler halten zu wollen, wenn nur der Verein die Option ziehen will.
Frage:
Stimmt es, dass Ihre Ehefrau die treibende Kraft für den geplanten Abschied ist?
Narcisse:
Das ist Quatsch. Wir fühlen uns sehr wohl in Gummersbach. Wir hatten und haben hier eine wundervolle Zeit. Da sind sich meine Frau und ich völlig einig. Der VfL hat in sämtlichen Lebensbereichen alles Erdenkliche dafür getan, dass es uns hier gut geht. Meine Frau spricht beispielsweise inzwischen sehr gut deutsch. Zuletzt wurde ihr sogar ein interessanter Job angeboten. Die Wertschätzung, die uns hier entgegen gebracht wird, gab und gibt einem schon ein großartiges Gefühl. Dafür sind wir sehr dankbar.
Frage:
Warum dann der Abschied? Spielen finanzielle Gründe die entscheidende Rolle? Oder gibt es noch eine Möglichkeit, dass Sie doch noch beim VfL bleiben?
Narcisse:
Wie gesagt: Die
Zeit in Gummersbach hat uns sehr viel gegeben. Andererseits ist Chambery mein Heimatverein. Natürlich gibt es dorthin ganz besondere Beziehungen - unabhängig vom Geld.
Frage:
Nochmal nachgefragt: Das letzte Wort ist gesprochen, die Reise geht zurück nach Frankreich?
Narcisse:
Ja, so ist es geplant. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, sondern uns zu Hause an den Tisch gesetzt und aufgeschrieben, was für Gummersbach und was für Chambery spricht. Das galt für sportliche wie für private Aspekte. Und als wir alles zusammengezählt haben, war klar, dass wir Gummersbach verlassen.
(Quelle:http://www.rundschau-online.de)