HSV-Präsident Andreas Rudolph: "Wir werden ein gewichtiges Wort bei der Vergabe der Spitzenplätze mitsprechen"
Am kommenden Wochenende will sich Bundesligist HSV Hamburg mit der Teilnahme am Schlecker-Cup den nötigen Feinschliff für die kommende Spielzeit verpassen. Die beginnt für die Hanseaten mit dem Auftaktmatch um den Supercup bereits ein paar Tage früher. Deshalb will Andreas Rudolph, Präsident der Handballer vom HSV Hamburg, sein Team bei diesem hochkarätigen Vorbereitungsturnier persönlich in Augenschein nehmen. Dem 51-jährigen Geschäftsmann, der sein Geld im Health-Care-Bereich verdient, scheint die mäßige vergangene Bundesliga-Saison seiner Handballer trotz des Erfolges im DHB-Pokal noch nicht vergessen zu haben. In dieser Saison soll allerdings vieles besser werden. Arnulf Beckmann unterhielt sich mit ihm.
In zwei Wochen beginnt für den HSV Hamburg mit dem Spiel um den Supercup gegen THW Kiel die neue Spielzeit. Kribbelt es schon?
Andreas Rudolph:
Natürlich. Wir sind beim HSV ganz stolz darauf, dieses Spiel erreicht zu haben. Vor allem sind wir stolz, weil wir das Spiel in diesem Jahr als echter Pokalsieger erreicht haben und nicht wie vor zwei Jahren als Nachrücker nach verlorenem Pokalfinale. Und selbstverständlich bin ich heiß auf die neue Saison.
Immerhin hat sich der HSV Hamburg so gut verstärkt, dass das Team von den vermeintlichen Experten zu den Spitzenmannschaften der Liga gerechnet wird.
Andreas Rudolph:
Dazu zählten uns die Handball-Insider auch schon im vergangenen Jahr. Aber in diesem Jahr wird es gelingen. Wir haben uns gezielt verstärkt und werden ein gewichtiges Wort bei der Vergabe der Spitzenplätze in der Liga mitsprechen. Allerdings sprechen wir hier nicht vom deutschen Meistertitel.
Was darf man denn von Kyung-Shin Yoon erwarten?
Andreas Rudolph:
Um es auf den Punkt zu bringen: Wir erwarten von Nick, dass er uns in den Situationen weiterhilft, in denen wir in der vergangenen Saison die big points nicht gemacht haben. Er soll mit seiner Routine und mit seiner Einstellung zum Handball das Team mitreißen.
Christian Fitzek, Ihr Sportdirekor, prognostizierte, dass zwischen Rang eins und Rang fünf alles möglich ist. Sehen Sie das auch?
Andreas Rudolph:
Rang eins ist für uns nicht erreichbar. Dafür hat sich der ohnehin starke THW Kiel zu gut verstärkt. Aber ich hoffe schon, dass uns eine Platzierung zwischen zwei und fünf gelingt.
Wie sehr steckt denn die verkorkste vergangene Saison, die allein dank des Pokalsiegs gerettet werden konnte, noch in den Köpfen?
Andreas Rudolph:
Wir haben in der kommenden Saison eine gezielt verstärkte Mannschaft, die sicher mehr Stabilität haben wird als in der vergangenen Saison. Doch schon in der abgeschlossenen Spielzeit haben wir in einzelnen Spielen unter Beweis gestellt, dass wir mit den Spitzenteams auf Augenhöhe sind. Und dass in den letzten Spielen dann die Konsequenz fehlte, hatte natürlich auch mit dem fehlenden Druck im Kampf um den bereits erreichten Europacup-Platz zu tun. Da wird nichts mehr in den Köpfen meiner Spieler herumspuken.
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Supercup, Meisterschaft, nationaler Pokal und auch noch Europacup: Wie wird der HSV die Vierfach-Belastung bewältigen?
Andreas Rudolph:
Das wird die Mannschaft stemmen können. Wir haben mittlerweile ein sehr ruhiges, sehr gesetteltes Umfeld geschaffen, in der ruhig und konsequent gearbeitet wird. Die Mannschaft weiß, dass es hohe Erwartungen an sie gibt, aber sie kann sich auch darauf verlassen, dass rundum für sie gesorgt wird.
Und welche Ziele leiten Sie aus den gegebenen Voraussetzungen ab?
Andreas Rudolph:
Wir wollen einen Titel, wobei ich, wie gesagt, davon ausgehe, dass die nationale Meisterschaft für uns nicht zu erreichen sein wird. Um das Final Four zu erreichen und – wie im vergangenen Jahr – zu gewinnen, gehört natürlich auch eine Menge Losglück. Ich denke, die realistischste Chance bietet sich uns im Europacup der Pokalsieger, auch wenn sowohl russische wie auch spanische Teams gezeigt haben, dass sie auch außerhalb der Champions League in der Lage sind gegen deutsche Teams zu bestehen.
Der HSV bewegt sich in einer Medienstadt, in der dem Team viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Befürchten Sie im Falle eines Fehlstarts negative Schlagzeilen?
Andreas Rudolph:
Damit müssten wir leben, wenn es so käme. Andererseits ist es ein Riesenvorteil, in den Medien derart präsent zu sein wie wir es sind. Damit präsentieren wir uns unserem Publikum. Und damit präsentieren wir uns auch unseren Partnern. Doch wenn wir unsere sportlichen Ziele nicht erreichen, dann müssen wir auch Kritik und Häme einstecken können. Uns bleibt nichts anderes übrig.
Pokalsieg, Europacup-Teilnahme, tolle Halle und gewaltiges Medieninteresse: Die Voraussetzungen für Handball in Hamburg sind hervorragend. Wird die Handball-Welt in dieser Saison den Durchbruch des HSV zur Spitzenmannschaft erleben?
Andreas Rudolph:
Das hoffe ich sehr. Man darf allerdings nicht vergessen, wie schwer es in Fußball dominierten Großstädten ist, Handball zu etablieren. Das zeigen die Beispiele in München und in Berlin. Dafür haben wir in Hamburg schon viel erreicht. Wir haben sehr ordentliche Zuschauerzahlen und eine enorme Medienpräsenz.
Meine Frage zielte eigentlich auf die sportliche Entwicklung ab.
Andreas Rudolph:
Sportlich hoffe ich, dass wir endlich den Durchbruch zur Spitzenmannschaft schaffen und in der Entwicklung den nächsten Schritt gehen.
Sie selbst wirken gern im Hintergrund. Was hat Sie angesichts Ihres knapp bemessenen Zeitbudgets dennoch bewogen, ins Management eines Bundesliga-Vereins ein zusteigen?
Andreas Rudolph:
Wenn ich das nur wüsste. Aber ich bin selbst mit Leib und Seele Handballer. Und deshalb hat es mich fasziniert, wie das Team damals, als die Zukunft hier in Hamburg ungewiss war, zusammen gehalten hat. Da wollte ich ganz einfach helfen, dass es hier weitergeht.
Ihr Tipp für die kommende Saison: Wer wird Meister und wo landet der HSV?
Andreas Rudolph:
Meister wird der THW Kiel, da bin ich mit sicher. Und wir werden auf dem dritten Rang landen und uns damit für die Champions League qualifizieren.
(Quelle:http://www.handball-welt.de)