"Göppingen spielt zu undiszipliniert"
Sonntag steigt das 1. EHF-Europacup-Finale zwischen FA Göppingen und TBV Lemgo. Göppingens Handball-Legende Bernhard Kempa im Sport1-Interview.
Göppingen/München - Er ist der Erfinder des berühmten "Kempa-Tricks". Mit 85 Jahren beobachtet Bernhard Kempa immer noch intensiv die Spiele seines Frisch Auf Göppingen.
Er führte den Klub, der am Sonntag (14 Uhr) im EHF-Europacup-Finale auf den TBV Lemgo trifft, als Trainer in den 60er-Jahren selbst zum Europacup und von 1970 bis 1972 auch zur Deutschen Meisterschaft.
Kempa war drei Mal Weltmeister
Kempa wurde als Handballspieler dreimal Weltmeister, als Tennis-Spieler im Senioren-Bereich ebenfalls dreimal Weltmeister.
Im Sport1.de-Interview äußert sich die Handball-Legende zu den Problemen der Mannschaft und die Aussichten seines Klubs im Finale gegen Lemgo.
Sport1.de: Wie sehen Sie die Aussichten von Frisch Auf Göppingen nach dem 23:32-Debakel beim TBV Lemgo am Mittwoch in der Bundesliga?
Bernhard Kempa: Das sind zwei verschiedene Dinge. Wenn sich die Mannschaft zusammenreißt, kann sie am Sonntag das Spiel gewinnen. Die zehn Hinausstellungen haben uns in Lemgo sehr weh getan.
Sport1: Ist das ein großes Problem der Truppe?
Kempa: Ja. Sie spielt zu undiszipliniert. Die halten den Gegner noch im Fallen fest. Und dann setzt es die Zeitstrafen.
Sport1: Sind die Spieler zu impulsiv?
Kempa: Das kann man wohl sagen. Da sind sechs Jugoslawen im Team. Die haben eine ganz andere Spielweise.
Sport1: Muss da Trainer Petkovic nicht eingreifen?
Kempa: Das müsste er. Aber er ist selbst so ein Temperamentsbündel, der ständig seine Spieler antreibt. Und deshalb kann er sie auch kaum bremsen.
Sport1: Sie sind oft bei den Spielen. Hört der Trainer auf Ihren Rat?
Kempa: Ja, ich habe mich zuletzt noch lange mit Petkovic unterhalten. Aber es fällt ihm selbst sehr schwer, in der Hitze des Gefechts und unter dem Zuschauereinfluss die entscheidende Ruhe zu bewahren.
Sport1: Wenn man die heutige Mannschaft mit der damaligen Europacupsieger-Truppe vergleicht, sehen sie da Unterschiede?
Kempa: Ich habe als Trainer immer darauf geachtet, das das ganze Spielfeld ausgenutzt wird. Die Jungs waren damals beweglicher, heute spielen sie wegen ihres Gewichts und ihrer Größe sehr oft mit Kraft. Ansonsten kann man die Zeiten kaum vergleichen.
Sport1: Ihr Tipp zum Finale?
Kempa:Wenn Frisch Auf zu Hause gewinnt und die Torhüter die Nerven behalten, könnten sie auch in Lemgo gut aussehen. Dann tippe ich auf einen Göppinger Erfolg. Aber mann muss abwarten, ob die Lemgoer nicht doch die verletzten Markus Baur und Florian Kehrmann im Rückspiel bringen. Da wir vorher immer viel gemutmaßt und erzählt.
Sport1: Wann spielen Sie wieder Tennis?
Kempa: Schon sehr bald. Schließlich habe ich schon einige Titel geholt. Ich bin 50mal Deutscher Meister. Selbst gegen frühere Wimbledon-Spieler sehe ich noch sehr gut aus, weil ich eine große Spielübersicht habe.
Das Gespräch führte Wolfgang Kleine
(Quelle.http://www.sport1.de)