Herr Kljaic, der deutsche Rekordmeister VfL Gummersbach will wieder an seine alten Erfolge anknüpfen. Erklärtes Saisonziel ist daher mindestens der dritte Platz. Sie sagten auch, dass Sie um die Meisterschaft mit mischen wollen. Sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden und glauben Sie noch an die Chance, Kiel und Flensburg an der Tabellenspitze angreifen zu können.
Velimir Kljaic: "Mit dem Saisonverlauf bin ich absolut zufrieden. Wir haben zwar noch ein schweres Programm, aber wenn wir unsere Heimspiele gewinnen und auswärts keine unnötigen Punktverluste fabrizieren, haben wir sicher die Chance noch mal vorne anzugreifen. Das einzige worüber ich mich bisher geärgert habe, ist die Tatsache, dass wir aus dem DHB-Pokal ausgeschieden sind. Wir wollten unbedingt ins Final-Four nach Hamburg, doch gegen Kronau/Östringen haben wir durch eigene Nachlässigkeiten den Sieg verschenkt.“
Zum Rückrundenbeginn forderten Sie von Ihrer Mannschaft mehr kämpferischen Einsatz und vor allem Biss in der Abwehrarbeit. Konnte sie diesen Anspruch schon umsetzen.
Velimir Kljaic: "Gegen Göppingen war ich mit dem Einsatz sehr zufrieden. So müssen wir weiter arbeiten. Gefährlich wird es immer dann, wenn die Mannschaft nacheinander einige Spiele gewonnen hat. Dann schleichen sich Lässigkeiten ein. Dadurch gehen immer ein paar Prozent der Leistungsfähigkeit verloren und es resultieren Niederlagen daraus."
Mit dem TBV Lemgo treffen Sie am 11. März im Gerry Weber Stadion auf ein Team, das in dieser Saison Höhen und Tiefen durchlebt hat, sich zuletzt aber stabilisieren konnte. Wie schätzen Sie diese Mannschaft ein.
Velimir Kljaic: "Vor dem TBV Lemgo habe ich großen Respekt. Die Mannschaft präsentiert sich besser als in der Vorrunde. Sie hat sehr gute Leistungen gezeigt, was auch daran liegt, dass Markus Baur wieder mit dabei ist. Wir müssen an diesem Tag sehr gut sein um zu gewinnen. Wir wollen Revanche für das Hinspiel. Da hat Lemgo bei uns einen Punkt mitgenommen, den holen wir uns mindestens wieder.“
Halten Sie es für realistisch, dass Lemgo oder Magdeburg Ihnen den dritten Platz und damit die Champions League noch streitig machen können.
Velimir Kljaic: "Ja, alles ist möglich. Die Differenz zwischen uns und Lemgo ist schnell ausgeglichen. Die fünf oberen Mannschaften sind ebenbürtig und eine unnötige Niederlage bringt einen sofort in Bedrängnis. Ich glaube nicht, dass es der TBV noch bis an die Tabellenspitze schafft, aber Platz drei ist für ihn auf alle Fälle noch drin.“
Mit Denis Zakharov hat der VfL Gummersbach bereits den siebten Neuzugang für die Saison geholt. Gleichzeitig mussten sieben Spieler gehen und für die neue Saison stehen mit Vedran Zrnic, Momir Ilic und Torhüter Nándor Fazekas weitere Neuzugänge parat. Dafür werden Kyung-Shin Yoon und Michael Hegemann zum Saisonende gehen. Sind diese Transferaktivitäten ein Zeichen dafür, dass der VfL noch nicht die richtige Zusammensetzung gefunden hat. Wo sehen sie in Ihrem Kader noch Schwächen?
Velimir Kljaic: "Ein Verein ist kein Gefängnis, es werden immer wieder Spieler gehen. Zum Teil war es ihr eigener Wunsch und das müssen wir akzeptieren. Grundsätzlich ist es Ziel des VfL, die Mannschaft zu verjüngen. Die Vereinsführung macht jetzt einen wichtigen Schnitt und deshalb wurden und werden ältere durch jüngere Spieler, alle zwischen 20 und 23 Jahren, ersetzt. Mit dem neuen Kader haben wir in der neuen Saison sehr viel Potenzial. Mittelfristig ist noch zu überlegen, ob noch ein guter junger Linksaußen und vielleicht noch ein Mittelmann geholt werden muss.“
Als Sie mit Kroatien 1996 in Atlanta Olympiasieger wurden, spielten Sie vor 38.000 Zuschauern. Der VfL trägt wichtige Spiele in der Kölnarena aus. Sie und die Mannschaft sind also große Kulissen gewohnt. Sind Sie dennoch auf die berüchtigte Stimmung im Gerry Weber Stadion gespannt.
Velimir Kljaic: "Das ist ein tolles Stadion und es ist schön vor so einer Kulisse zu spielen. Die Stimmung bei den Spielen in Deutschland mit den vielen neuen ausverkauften Hallen ist sowieso einzigartig. Das gibt es sonst nirgends in dieser Form. Damit verleiht die Bundesliga dem Handball ein positives Image. Aber ehrlich gesagt, bin ich bei den Begegnungen so auf das Spiel konzentriert, dass ich nicht höre, was auf den Rängen passiert. Dass war bei mir schon als Spieler so.“
Auf die Frage nach Ihrem Lieblingsschauspieler antworteten Sie einmal: Jack Nicholson, der ist einfach verrückt. Mögen Sie es auch, wenn Ihre Spieler etwas exzentrisch sind.
Velimir Kljaic: "Ja, ich mag Spieler die einen eigenen Charakter haben. Das ist mir wesentlich lieber, als wenn sie zu brav sind. Wer mir keinen Widerstand entgegenbringt, macht das auch nicht beim Gegner. Die Spitzenleute sind alle etwas eigenwillig. Und zwei, drei Typen mit ordentlichem Pfeffer sind für jede Mannschaft wichtig. Ein Spieler, der mir immer in Erinnerung bleiben wird, ist zum Beispiel Mikael Källmann. Der war immer schwer zu kontrollieren, sowohl für mich, aber auch für die Gegenspieler. Er war maßgeblich mit verantwortlich für die Erfolge von Wallau-Massenheim Anfang der Neunzigerjahre. Zwei dieser "Rambo-Typen" könnte ich gebrauchen.“
(Qquelle: http://www.handballwoche.de)