23.01.2006 - Interview mit Hans-Peter Krämer und Stefan Hecker
Hans-Peter Krämer (Vorsitzender des Aufsichtsrates) und Stefan Hecker (Geschäftsführer) äußern sich im Gespräch zu Fragen, die nach den gescheiterten Vertragsverhandlungen mit Kyung-Shin Yoon in der Öffentlichkeit laut wurden.
Glauben Sie, dass der VfL Gummersbach sich doch noch mit Kyung-Shin Yoon über eine Vertragsverlängerung einigen kann?
Stefan Hecker: Ich hoffe das sehr. Aber es liegt einzig und allein bei Yoon. Wenn er das Angebot, das wir ihm gemacht haben, annimmt, ist er herzlich willkommen.
Kann der VfL Gummersbach nicht doch ein wenig zulegen?
Hans-Peter Krämer: Eindeutig nein. Kyung-Shin Yoon ist auch mit dem neuen Angebot einer der bestbezahlten Spieler der Liga.
Aber sollte man nicht angesichts der Verdienste von Yoon doch noch einmal nachgeben?
Stefan Hecker: Yoon ist zweifellos ein Spieler, der unglaublich viel für den VfL getan hat. Aber dafür ist er auch überdurchschnittlich bezahlt worden. Im Übrigen stimmen die Zahlen, die in der Presse kolportiert wurden nicht. Seitens des VfL werden sie aber weiterhin nicht öffentlich besprochen.
Aber der VfL hat Yoon doch in den letzten Jahren gegenüber der Mannschaft besonders herausgehoben. Warum jetzt nicht mehr?
Hans-Peter Krämer: In der Tat hat Yoon vor drei Jahren unter dem Druck der damaligen Verhältnisse einen unglaublichen Vertrag erhalten. Aber alles hat seine Grenzen. Yoon würde auch mit dem neuen Angebot erheblich mehr als alle seine Mannschaftskollegen verdienen.
Der Aufsichtsrat hatte in Anwesenheit von Stefan Hecker und Francois-Xavier Houlet ein noch erheblich niedrigeres Angebot einstimmig festgelegt. Stefan Hecker und ich sind in dem Gespräch mit Yoon deutlich über unsere Befugnisse hinausgegangen.
Aber ist das nicht mit Blick auf die letzten zehn Jahre richtig?
Hans-Peter Krämer: Yoon ist ein Ausnahmespieler, und wir würden ihn gerne behalten. Deshalb haben wir ihm auch noch einmal einen Zweijahresvertrag angeboten. Aber das System "VfL Yoon" war in der Vergangenheit, auch gemessen an den Erwartungen der Anhänger,
weder sportlich noch wirtschaftlich besonders effizient. Erst mit einem konsequenten Umbau, natürlich unter Einbeziehung von Yoon, sind wir in der jüngsten Vergangenheit wieder eine Spitzenmannschaft geworden.
Stefan Hecker: Genau! Spieler wie Sigurdsson und Narcisse haben ähnliche Rollen wie Yoon übernommen. Trotzdem bekommen sie weniger als Yoon. Aber eben nicht mehr so viel. Und das ist gerecht und für das Mannschaftsgefüge von großem Wert.
Die bekannten Sponsoren und die hohen Einnahmen in der Kölnarena bieten aber doch die Möglichkeit, allen mehr zu geben. Warum tun Sie das nicht?
Hans-Peter Krämer: Es bestehen in der Öffentlichkeit völlig falsche Vorstellungen über die Verhältnisse beim VfL Gummersbach. Köln verursacht hohe Kosten, und die Mannschaft ist sehr teuer. Aber ohne Köln hätten wir keine Sponsoren und wären längst abgestiegen. Alle übrigen Kosten halten sich bei zurückhaltender Personalausstattung und sparsamer Haushaltsführung in engen Grenzen. Wir müssen uns jedes Jahr die Lizenz erkämpfen. Allerdings sind wir auch stolz darauf, in den letzten fünf Jahren die Gehälter immer pünktlich bezahlt zu haben.
Yoon hat sich über den Stil der Verhandlungen und die schnelle Bekanntgabe geärgert. Was sagen Sie dazu?
Stefan Hecker: Hans-Peter Krämer und ich haben Yoon in einem gemeinsamen Gespräch die Vorzüge des Angebotes immer wieder verdeutlicht. Mehrfaches Nachfragen, ob er nicht wenigstens eine Nacht über sein "Nein" schlafen wolle, hat er kategorisch abgelehnt. Uns wundert schon, dass er sich über unsere schnelle Reaktion gewundert hat.
Aber auch die Presse hielt das für stillos.
Hans-Peter Krämer: Wieso eigentlich? Wenn etwas laut Aussage von Kyung-Shin Yoon endgültig ist, sollte man das auch sagen. Ich wundere mich über populistische Journalisten und deren Aussagen, obwohl sie sonst am liebsten vor allen anderen Kollegen Informationen bekommen wollen. Aber es wird in Leitartikeln wider besseren Wissens nicht immer die Wahrheit gesagt. Es hört sich halt so besser an.
Wie empfinden Sie die Reaktionen der Fans?
Hans-Peter Krämer: Ich kann die Betroffenheit gut nachvollziehen. Wir bekommen zwar auch zustimmende Meinungen, aber die sind deutlich in der Minderheit. Die überwiegende Mehrheit reagiert traurig bis aggressiv. Teilweise sind heftige Beleidigungen darunter. Ich kann mir das nur mit nicht vorhandenem Hintergrundwissen erklären. Wenn das in dieser heftigen Form allerdings anhält, werde ich mir ernsthaft überlegen, ob es noch Sinn für mich macht, weiterzumachen. Denn ich will den Menschen mit einem starken VfL Gummersbach Freude machen und nicht erbitterten Streit auslösen.
Stefan Hecker: Da sehe ich für meine Person genauso.
Ihr Ausblick, wie geht es weiter?
Stefan Hecker: Wir waren genau so enttäuscht wie die Fans, als die Verhandlungen scheiterten. Ich habe mit Kyung-Shin Yoon noch zusammen gespielt, über die Jahre ist eine echte Freundschaft entstanden. Ich hoffe, dass Yoon das ihm vorliegende Angebot annimmt.
Hans-Peter Krämer: Ich stimme dem zu, wir haben abgesehen von den finanziellen Unstimmigkeiten ein hervorragendes Verhältnis. Und die Erfolge der näheren Zukunft würden wir alle am liebsten mit Kyung-Shin gemeinsam feiern.
(Quelle:http://www.vfl-gummersbach.de)