"Es geht mir um eine Perspektive"
Im Interview spricht Vedran Zrnic vom VfL Gummersbach über die Zukunft des Vereins
Vedran Zrnic ist der neue Kapitän der Handballer vom VfL Gummersbach. Mit welchen Erwartungen er in die neue Saison startet, darüber sprach er mit Andrea Knitter.
Sie gehen in Ihre sechste Saison mit dem VfL und sind damit dienstältester Spieler. Was ist das für ein Gefühl?
Ich glaube, nur Kyung-Shin Yoon und Francois-Xavier Houlet haben länger für den VfL gespielt. Das ist doch eine tolle Sache. Es ist ja nicht nur der VfL, sondern die ganze Bundesliga, in der ich noch ein paar Jahre spielen möchte.
Ihr Vertrag läuft im Sommer aus, jetzt sind Sie Kapitän geworden. Bedeutet das, dass Sie wie ihre Vorgänger im Amt nun den Verein verlassen?
Sie meinen den schon berühmten Fluch des VfL (lacht). Das muss nicht sein. Ich kann mir auch vorstellen, beim VfL zu bleiben. Ich werde mit den Verantwortlichen sprechen und hoffe, dass möglichst schnell eine Entscheidung fällt.
Was erwarten Sie in dieser Hinsicht vom VfL?
Ich werde in zwei Wochen 32 Jahre alt, ich kann zwar noch einige Jahre spielen, doch wird es vermutlich mein letzter Vertrag sein. Da brauche ich eine Perspektive. Ich bin im Januar bei der Weltmeisterschaft zum weltbesten Rechtsaußen gewählt worden, das war eine Bestätigung meiner Leistung und soll auch honoriert werden. Dabei geht es mir nicht ums Geld, sondern um eine Perspektive. Wir haben in der vergangenen Saison wieder wichtige Spieler verloren und starten diesmal mit einem ganz kleinen Kader in die Meisterschaft. Wenn das so weitergeht, braucht der VfL Anfang nächster Saison acht oder neun neue Spieler.
Trotzdem möchten Sie gerne bleiben?
Ich bin Optimist, was die Zukunft des VfL angeht. Aber es muss auch mit Blick auf die neue Halle etwas passieren. Schauen Sie sich Wetzlar an, die Mannschaft war immer hinter uns. Jetzt haben sie einen Kader von 15 gestandenen Handballern, von denen sechs im Rückraum spielen. Unser Kader ist im Gegensatz dazu geschrumpft.
Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die neue Saison?
Wir müssen versuchen, gut in die Saison zu starten. Es wird uns sicher schwerer als in den vergangenen Jahren fallen, gegen große Mannschaften zu gewinnen. Doch wenn alles stimmt, werden wir auch für Überraschungen sorgen. Das Wichtigste ist, dass wir alle gesund bleiben. Immerhin stehen 80 bis 90 Spiele vor mir, wenn ich die Europameisterschaft in Serbien und die Olympischen Spiele in London dazu zähle.
Welche Aussagekraft hat denn in diesem Zusammenhang die Saisonvorbereitung?
Das ist schwer zu sagen, denn es gab Höhen und Tiefen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren haben wir diesmal jedoch kein Turnier gewonnen. Wir mussten aber auch die gesamte Zeit auf Christoph Schindler verzichten, dazu kam der lange Ausfall von Patrick Wiencek. Mit Ketin Mahé haben wir aber einen jungen Spieler dazu bekommen, der neue Ideen ins Spiel einbringt.
Sie mussten hochkarätige Abgänge verkraften. Vom Gerüst her ist die Mannschaft aber weitgehend geblieben. Ist das ein Vorteil?
Eigentlich schon, denn wir sind eingespielt. Doch durch die verletzungsbedingten Ausfälle in der Vorbereitung hatten wir bisher nicht die Chance, in unseren Rhythmus zu finden.
Wie sehen Sie Ihre Aufgabe als Mannschaftskapitän?
Ich möchte Vermittler sein. Ich freue mich immer wieder darüber, wenn ich den jungen Spielern etwas zeigen kann, sie mich um Rat fragen und ich sie weiterbringen kann. Manchmal sehe ich mich schon in der Rolle eines Co-Trainers. Die Kameradschaft in der Mannschaft ist gut, es herrscht eine richtig gute Atmosphäre.
Wo wird der VfL am Ende der Saison stehen?
Das ist schwer zu sagen. Es ist eine solide Mannschaft, doch es muss eben alles passen. Dann können wir auch das erreichen, was wir im letzten Jahr mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger erreicht haben. Auch wenn die Konkurrenz in dem Wettbewerb beispielsweise mit der SG Flensburg-Handewitt und RK Celje stärker geworden ist.
Welche Mannschaften sehen Sie in der Bundesliga vorne?
Ich glaube, dass der THW Kiel im Rennen um die Meisterschaft im Vorteil ist. Der Hamburger SV hat seinen Titel und ist nicht mehr so hungrig. Zur Spitze zähle ich aber auch Göppingen und Flensburg.
Und wo steht der VfL?
Auf einer Stufe mit dem TBV Lemgo und TV Großwallstadt im Mittelfeld der Tabelle.
Als erster Gegner wartet gleich HBW Balingen auf Sie. Ist das eine unangenehme Aufgabe?
Balingen ist immer ein schlechter Gegner für uns, wie die vergangene Saison gezeigt hat. Wir haben gegen Balingen in der Verlängerung im Pokal verloren und zum Jahresabschluss in der Bundesliga auch noch in letzter Sekunde. Daher haben wir noch eine Rechnung offen.
(Quelle:Kölnische Rundschau vom 02.09.2011)