Nomadentum soll ein Ende haben
Interview der Woche: VfL-Neuzugang Barna Putics hat sportlich und privat große Pläne
Vor gut einer Woche hat der VfL Gummersbach den ungarischen Nationalspieler Barna Putics verpflichtet. Ulrich Klein sprach mit dem Torjäger.
Herr Putics. Ihr Debüt im VfL-Trikot haben Sie am vergangenen Wochenende gegen Magdeburg "nur" auf der Auswechselbank gegeben. Wie groß war der Frust?
Von wegen Frust. Es war genau richtig, dass mich der Trainer gegen Magdeburg nicht gebracht hat. Das war doch ein Spitz-auf-Knopf-Spiel, in dem die Jungs eine unglaubliche Energieleistung gebracht und einen richtig starken Gegner niedergekämpft haben. Das war einfach nur Klasse. Für mich selbst wäre ein Einsatz in einem so engen Spiel zu früh gekommen, da ich bis dahin ja erst ein paar Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert hatte.
Haben Sie dennoch etwas aus diesem Spiel mitgenommen?
Es war großartig zu sehen, wie bedingungslos die Mannschaft gefightet hat. Das war allererste Sahne. Mindestens genau so beeindruckend war aber die Atmosphäre in der Halle. Sensationell wie die Leute uns angefeuert haben. Die Unterstützung der Fans war gewiss ein paar Tore wert. Vielleicht waren es genau diese drei Treffer Differenz, die dafür gesorgt haben, dass wir am Ende als 31:28-Sieger vom Parkett gegangen sind.
Unabhängig von diesem emotionalen Highlight - wie sind Ihre ersten Eindrücke von Gummersbach?
Rein sportlich gesehen war das Magdeburg-Spiel natürlich schon mal ein Knaller, bei dem ich extrem mitgefiebert habe. Ich habe das Team zwar erst kurz kennen gelernt. Aber eines ist mir dennoch schon klar geworden: Ich werde in einer sehr, sehr guten Mannschaft spielen, in der ein super Klima herrscht. Den Zusammenhalt des Teams spürst du vor, während und auch nach dem Training. Nicht selten gehen einige Jungs dann zusammen was essen oder sitzen einfach noch eine Weile in der Kabine und fachsimpeln.
Und wie groß ist der private Wohlfühlfaktor in Gummersbach?
Meine Frau Csilla und ich haben ein sehr schönes Zuhause in der Berstig gefunden. Wir fühlen uns richtig wohl. Fehlt nur noch der Nachwuchs. Wir arbeiten dran.
Das heißt: Sie wollen längerfristig beim VfL bleiben . . .
Ja, das ist mein Ziel. Ich habe zunächst einen Vertrag bis Saisonende. Und bis dahin will ich zeigen, was ich drauf habe und mich für einen längerfristigen Vertrag empfehlen.
Das Nomadentum soll also in Gummersbach ein Ende haben . . .
Ich hatte nie vor, ständig die Vereine zu wechseln. Ich bin kein schwieriger Typ. Aber ganz objektiv betrachtet, hatte ich oftmals gar keine andere Wahl.
Wieso?
Einige Wechsel waren schlichtweg erzwungen. Nachdem ich im August 2008 von meinem Heimatverein Veszprem zu TuSEM Essen gegangen war, musste TuSEM drei Monate später einen Insolvenzantrag stellen. Ich hatte bis dahin in 13 Bundesligaspielen über 80 Tore geworfen, so dass der FC Barcelona auf mich aufmerksam geworden war. Im Dezember 2008 hat mich Barca dann auch auf Leihbasis verpflichtet. Als dann im Februar 2009 Veszprems Kreisläufer Marian Cozma in einer Disco erstochen und Zarko Sesum sowie Ivan Pesic schwer verletzt worden waren, hat mich Veszprem zurückgeholt. Ich bin dort aber kaum zum Einsatz gekommen, weil es Probleme mit dem Trainer gab. Zur neuen Saison hat mich dann RK Koper geholt, ehe mich GWD Minden unbedingt haben wollte. Mit dem Bundesliga-Abstieg endete mein Vertrag dort. Aber ich durfte mich dort noch fithalten und habe auf Angebote gehofft.
Und wie kam es jetzt zum Engagement beim VfL?
Den ersten Kontakt zum VfL gab es schon vor drei Jahren. Mit TuSEM Essen habe ich damals in der Kölnarena knapp gegen den VfL verloren. Immerhin konnte ich in diesem Spiel aber elf Tore erzielen und das Gummersbacher Interesse war geweckt. Das Thema hat sich dann aber irgendwie zerschlagen und ich habe in Barcelona angeheuert. Der Draht zu VfL-Trainer Sead Hasanefendic ist allerdings nie abgerissen, und jetzt hat es geklappt.
Mit welchen Perspektiven?
Die Bundesliga ist immer ein großes Ziel vom mir gewesen, nachdem mein Vater Anfang der 1990er Jahre für den TV Großwallstadt gespielt hat. In dieser Zeit habe ich auch so gut Deutsch gelernt. Dass ich jetzt tatsächlich die Möglichkeit habe, für einen solchen Traditionsverein wie den VfL Gummersbach zu spielen, ist einfach der Hammer. Das ist ein Riesenchance für mich, und die werde ich nutzen.
(Quelle:OVZ-Druckausgabe vom 09.10.2010)