Interview mit Viktor Szilagyi
„Jetzt holen wir den EHF-Pokal“
Erstellt 28.05.09, 20:41h, aktualisiert 29.05.09, 07:45h
Gummersbachs Hanballprofi Viktor Szilagyi spricht über das EHF-Pokalfinale gegen Velenje. Der VfL-Routinier setzt am Pfingstmontag in der Lanxess-Arena auf die Mithilfe der Fans.
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Szilagyi, nach dem verlorenen DHB-Pokalfinale in Hamburg gegen den THW Kiel haben Sie bittere Tränen vergossen - in welcher emotionalen Verfassung wird man Sie am Montag nach dem Final-Rückspiel gegen Gorenje Velenje in der Lanxess-Arena antreffen?
VIKTOR SZILAGYI: Ich hoffe doch sehr, in einer viel besseren als damals. Natürlich geht einem eine solche Endspiel-Niederlage wie die beim Final Four extrem nahe, zumal ich mit meinen 31 Jahren ja auch nicht wissen kann, wie oft ich noch die Gelegenheit zu einem Titelgewinn bekomme. Aber wir alle haben uns noch in der Color Line Arena geschworen: Jetzt holen wir eben den EHF-Pokal nach Gummersbach! Denn noch einmal wollen wir nicht zuschauen, wie der Gegner den Pokal ausgehändigt bekommt. Diesmal stehen wir bei der Siegerehrung nicht traurig am Rand.
Die Chancen stehen nicht schlecht - das Final-Hinspiel in Slowenien hat der VfL mit 29:28 gewonnen, dabei allerdings auch einen deutlich komfortableren Vier-Tore-Vorsprung aus der Hand gegeben.
SZILAGYI: Das muss uns auch eine Warnung sein. Ohnehin besitzt Velenje ein extrem starkes Team, die sind drauf und dran, slowenischer Meister zu werden, haben ihr Saisonziel also schon erreicht, sehen den EHF-Cup als Zugabe und können deshalb auch schön locker bleiben. Für uns dagegen wäre es eine Riesenenttäuschung, wenn wir jetzt den Europacup nicht holen. Velenje ist also mental sogar im Vorteil . . .
. . . den Sie wie wettmachen wollen?
SZILAGYI: Indem wir von Beginn an Gas geben, den Gegner dominieren, ihm erst gar keine Chance lassen, sich zu entfalten und den Rhythmus zu finden. Am besten wäre es, wenn wir die Slowenen die ganze Zeit so weit auf Distanz halten, dass wir erst in gar keine Stresssituation geraten. Außerdem zähle ich ganz besonders auf unsere Fans.
In der laufenden, also Ihrer ersten Saison beim VfL, war die Lanxess Arena allerdings nur selten ein richtiger Hexenkessel . . .
SZILAGYI: Das wird sie aber am Montag sein. Und wie man sich als Gegner in Köln fühlt, wenn die ganze Arena für den VfL brüllt, das habe ich bei meinen Auftritten mit TuSEM Essen oder dem THW Kiel hier erlebt - das beeindruckt jeden.
Mit TuSEM Essen haben Sie 2005 schon einmal den EHF-Pokal gewonnen - kurz bevor dem Verein die Lizenz verweigert und er zum ersten von mittlerweile zwei Zwangsabstiegen verurteilt wurde . . .
SZILAGYI: Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Auch damals spielte ich für einen Traditionsklub, der lange nichts mehr Großes gewonnen hatte, aber auch wirtschaftliche Probleme hatte. Aber das war's dann auch schon mit den Parallelen.
Die VfL-Profis haben ihrem Arbeitgeber im März, April und Mai jeweils 25 Prozent ihrer Gehälter gestundet, um seine Liquidität sicherzustellen; obendrein drücken den Klub mächtige Altschulden . . .
SZILAGYI: Trotzdem lässt sich die Situation des TuSEM damals und des VfL heute nicht vergleichen. In Essen war seinerzeit schon vor dem Finale die Insolvenz besiegelt, in Gummersbach mag es heute zwar gewisse finanzielle Engpässe geben, aber man geht damit auf absolut seriöse und offene Weise um. Womöglich muss der Etat etwas abgespeckt werden, doch der Verein wird die Lizenz erhalten. Jetzt zählt aber erst mal das Endspiel am Montag.
Allerdings kann man unter den gegebenen Umständen wohl davon ausgehen, dass dieses EHF-Cupfinale dem VfL einstweilen die letzte Chance auf einen Titel bietet.
SZILAGYI: Wer weiß? Aber ich finde ohnehin, man sollte als Sportler jedes Endspiel so nehmen, als sei es das letzte der Karriere.
Das Gespräch führte Christoph Pluschke
(Quelle:http://www.ksta.de)