Interview der Woche mit Frank von Behren (GWD Minden)
10.04.2008
Der verlorene Sohn ist zurückgekehrt. Nach Jahren in Gummersbach und Flensburg unterschrieb Frank von Behren im Winter einen Vertrag bei dem Verein, mit dem er seine ersten Erstligaerfahrungen machte - GWD Minden. Warum er sich freiwillig dem Abstiegskampf verschrieb und weshalb der Wechsel dennoch seine Chancen auf Olympia erhöht, erzählt er in einem ausführlichen Interview.
Nennen Sie einmal drei Gründe, warum GWD Minden in dieser Saison nicht absteigt.
Von Behren: Ganz einfach: drei Siege. Wenn wir gewinnen, und die anderen eben nicht, dann sollte das reichen. Innerhalb einer Woche spielen wir daheim gegen Wetzlar, in Melsungen und daheim gegen Großwallstadt. Das könnte schon die Woche der Wahrheit werden. Zudem steht uns das Duell mit dem TuS N-Lübbecke in heimischer Halle ins Haus.
Könnten Sie nicht auch einer dieser Gründe sein?
Von Behren: Ich? Ach was. Wie wir gewinnen, das ist mir völlig egal. Da muss keiner ein Gewese um meine Person machen. Die Grün-Weißen sind heiß, im Abstiegskampf zu bestehen, da kann ich doch nicht über mich reden.
Vor allem dem Spiel gegen die HSG Wetzlar am kommenden Samstag kommt unter diesen Aspekten eine besondere, möglicherweise sogar vorentscheidende Bedeutung zu, oder?
Von Behren: Das müssen wir gewinnen - ohne Wenn und Aber. Andererseits ist es mal wieder an der Zeit, ein Spiel zu gewinnen, egal wie der Gegner heißt. Viele Spiele bleiben uns schließlich nicht mehr, um die für den Klassenverbleib erforderlichen Punkte zu holen. Ein Heimsieg am Samstag könnte unsere Nerven ein wenig beruhigen. Denn eines ist auch sicher: In den Abstiegsduelle ist sicher nicht die hohe Spielkunst zu erwarten, deshalb musst du nervenstark sein, um in diesen Matches zu bestehen.
Sie selbst haben sich so ganz nebenbei wieder in die Nationalmannschaft zurückgespielt. Hat das auch mit Ihrem Wechsel nach Minden und den vermehrten Spielanteilen zu tun?
Von Behren: Mehr spielen zu wollen, war sicher ein Hauptgrund, weshalb ich im Winter von der SG Flensburg-Handewitt zu GWD Minden gewechselt bin. Und die vermehrten Spielanteile haben mir auch die Perspektive für die Nationalmannschaft wieder eröffnet. Aber ich habe auch mit Blick auf die Zukunft in Minden unterschrieben. Irgendwann beginnt man schon damit, sich Gedanken darüber zu machen, was nach dem Handball kommt.
Viele prophezeien Ihnen eine Funktionärskarriere in Minden als Nachfolger von Manager Horst Bredemeier.
Von Behren: So etwas in der Art könnte ich mir auch vorstellen, ohne dass ich nun konkret sagen möchte: Ich werde Nachfolger von Hotti Bredemeier. Aber ich habe mich noch am Mittwoch an der Hochschule in Oldenburg bezüglich des Studiengangs „Sportmanagement" informiert. Das, die begleitende Praxiserfahrung und noch zwei weitere Jahre Handball könnte eine gute Vorbereitung auf eine solche Aufgabe sein.
Eine andere wertvolle Erfahrung könnte für Sie im Sommer anstehen. Olympia scheint mehr denn je ein Thema für Sie zu sein. Sind Sie dabei?
Von Behren: Das müssen Sie den Bundestrainer fragen. Gleiches habe ich übrigens auf die Frage „Boykott - ja oder nein" geantwortet. Enn wenn der Heiner Brand mich nominiert, bin ich gegen einen Boykott der Spiele, tut er das nicht, bin ich dafür. Nein, im Ernst: Olympia wäre ganz sicher das Highlight. Doch gegenwärtig stelle ich dieses Thema hinten an. Zunächst gilt es, sich ganz auf die anstehenden Aufgaben in der Liga zu konzentrieren, um den Abstieg von GWD zu verhindern.
Das Gespräch führte Arnulf Beckmann (Handballwoche)