29.10.2007 - Markus Hausdorf
"Auf Dauer ist es nicht befriedigend nur in der Deckung zu spielen" - Michael Hegemann im Gespräch
Michael Hegemann spielte von 2001 bis 2005 bei der HSG Düsseldorf, war vier Jahre lang der Top-Torjäger der Blau-Gelben. Er entwickelte sich zum Leistungsträger, wurde Führungsperson und wurde im November 2004 dafür belohnt: Er wurde von Heiner Brand mit der Nominierung in die Nationalmannschaft belohnt. 2005 wechselte "Hege" zum VfL Gummersbach, wo er allerdings unter Coach Velimir Kljaic wenig Chancen erhielt sich zu präsentieren. 2006 verließ er die Oberbergischen und fand beim TBV Lemgo seine neue Heimat. HSG-Pressesprecher Markus Hausdorf sprach mit Michael Hegemann in der Bundesliga-Pause und noch vor seiner Verletzung, eine Mittelgelenks-Luxation zieht vermutlich eine sechswöchige Pause nach sich.
HSG-LIVE: Mit 12:8 Punkten steht ihr derzeit im oberen Mittelfeld – wie beurteilst Du Eure Situation ?
Michael Hegemann:
Ich denke, dass wir bisher einfach einen sehr holprigen Start hingelegt haben. Wir sind, wenn man sich nur die Punkte ansieht, nur zwei Punkte hinter unserem Soll. Die Heimniederlage gegen Melsungen durfte nicht sein. Schade ist nur, dass für uns in einigen Spielen noch viel mehr drin war. Wir schaffen leider noch nicht über einen großen Zeitraum ein hohes Niveau zu halten. Unser Spiel unterliegt noch zu großen Schwankungen.
HSG-LIVE: Bislang spielst Du in den Planungen von Peter Meisinger vor allem in der Deckung eine große Rolle – aber im Angriff bekommst Du eher selten die Chance Dich zu beweisen...
Michael Hegemann:
Das ist richtig. In der Deckung bekomme ich viel Vertrauen und Einsatzzeiten. Im Angriff ist das leider nicht so, aber ich hoffe, dass ich mich durch gute Trainingsleistungen auch für den Angriff empfehlen kann. Auf Dauer ist es für mich nämlich nicht befriedigend nur in der Deckung zu spielen.
HSG-LIVE: Welches Ziel hast Du Dir in dieser Spielzeit mit dem TBV Lemgo gesetzt ?
Michael Hegemann:
Das ist nicht so leicht zu beantworten. Wir haben in dieser Saison ein ganz neues Team und müssen uns schnellst möglichst finden. Unser Ziel sollten schon die Europapokal-Plätze sein, aber eine genaue Platzierung habe ich mir nicht als Ziel gesetzt.
HSG-LIVE: Die Nationalmannschaft hat gerade beim Supercup in Dortmund und in Halle/Westfalen gespielt. Du selbst warst – ebenso wie Michael Haaß – nicht dabei. Wie siehst Du Deine Zukunft in der DHB-Auswahl ?
Michael Hegemann:
Ich hoffe, dass ich mich durch gute Leistungen in Lemgo wieder ins DHB-Team spielen kann und dann noch einige Länderspiele bestreiten kann.
HSG-LIVE: Der Gewinn der Weltmeisterschaft im eigenen Lande liegt nun rund neuneinhalb Monate zurück. Du kamst leider nicht selbst zum Einsatz, warst aber ganz nah dran. Wie hast Du dieses Turnier und den großen Triumph erlebt ?
Michael Hegemann:
Es war natürlich ein unglaubliches Erlebnis. Diese Euphorie im Lande war überragend und wir sind davon durch das Turnier getragen worden. Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert und haben das mit Abstand beste Kollektiv gestellt.
HSG-LIVE: Hält der Boom, der durch die Handball-Weltmeisterschaft ausgelöst wurde, aus Deiner Sicht noch immer an ?
Michael Hegemann:
Ich denke, dass dieser Boom schon noch anhält. Gerade wenn man die Fernsehzeiten sieht, haben wir deutlich zu gelegt und sind viel präsenter als vorher. Das birgt aber auch das Problem, dass viele Spiele auch nicht zur traditionellen Anpfiffzeit beginnen und es häufig zu Verschiebungen kommt. Das ist natürlich ein Problem für die Zuschauer, die in die Halle wollen. Deshalb, so glaube ich, sind die Zuschauerzahlen zur Zeit auch etwas hinter den Erwartungen zurück. Aber mit der Zeit, hoffe ich, dass es sich wieder einpendelt. Ansonsten glaube ich, dass der Handball auch für Sponsoren wieder deutlich attraktiver geworden ist und wir den Schub, der durch die WM entstanden ist gut mitgenommen haben.
HSG-LIVE: Im Sommer kam mit „Projekt Gold“ die Dokumentation zur Handball-Weltmeisterschaft in die Kinos. Was war es für Dich für ein Gefühl, Dich auf der Kinoleinwand zu sehen ?
Michael Hegemann:
Der Film hat mir sehr gut gefallen und es war schon komisch sich selbst auf einer so großen Leinwand zu sehen.
HSG-LIVE: Vier Jahre lang hast Du bei der HSG Düsseldorf gespielt, hast Du noch immer eine besondere Verbundenheit mit der HSG ?
Michael Hegemann:
Natürlich habe ich noch viel Kontakt zur HSG. Ich hatte dort vier wunderbare Jahre und habe dort noch viele Freunde.
HSG-LIVE: Wie hast Du dann die letzte Saison und den Abstieg Deines Ex-Vereines erlebt ?
Michael Hegemann:
Ich bin direkt nach unserem Spiel raus und habe Frank Flatten und Erwin Schierle angerufen um zu erfahren wie die HSG gespielt hat. Als ich dann hörte, dass sie verloren hatten und damit abgestiegen waren, war ich schon sehr traurig und niedergeschlagen.
HSG-LIVE: Innerhalb der nächsten zwei Jahren soll der Aufstieg realisiert werden – wie schätzt Du die Chancen ein, dass es tatsächlich klappt ?
Michael Hegemann:
Ich bin mir sicher, dass Erwin Schierle und Frank Flatten die HSG zusammen wieder in die Bundesliga bringen. Auch wenn der Start bisher etwas holprig verlief, bin ich mir sicher, dass die HSG am Saisonende aufsteigt.
HSG-LIVE: Im Sommer läuft Dein Vertrag in Lemgo aus... wie siehst Du Deine Zukunft ?
Michael Hegemann:
Zur Zeit mach ich mir darüber noch keine Gedanken. Aber zu gegebener Zeit werde ich mich mit den TBV-Verantwortlichen zusammen setzen und dann werden wir weiter sehen.
HSG-LIVE: In Düsseldorf wirst Du immer wieder als mögliche Verstärkung gehandelt – könntest Du Dir noch einmal vorstellen zur HSG zurückzukehren ?
Michael Hegemann:
Ich habe der HSG so viel zu verdanken, dass die HSG für mich immer eine Option ist.
HSG-LIVE: Damals haben viele gesagt, dass Du die HSG hättest nie verlassen sollen – war es ein Fehler nach Gummersbach zu wechseln ? Oder würdest Du diesen Schritt immer wieder gehen ?
Michael Hegemann:
Ich würde diesen Schritt immer wieder gehen. Ich war in Düsseldorf an einem Punkt angelangt, wo ich das Gefühl hatte, dass ich mich nicht mehr weiterentwickeln konnte und ich eine neue Herausforderung brauchte. Ich wollte im Europapokal spielen und konnte mir in Gummersbach diesen Traum erfüllen. Deshalb war es richtig den Schritt zu wagen.
HSG-LIVE: Wie sieht es mit Deinem Studium aus ? Wann wirst Du eine Schulklasse unterrichten und in welchen Fächern ?
Michael Hegemann:
Ich stehe kurz vor meinem ersten Staatsexamen, wann ich aber eine Schulklasse unterrichten werde weiß ich noch nicht. Meine Hauptfächer werden dann Mathe, Sport und Deutsch sein.
HSG-LIVE: Was macht Michael Hegemann, wenn er mal nicht Handball spielt ?
Michael Hegemann:
Da ich und meine Freundin seit einigen Wochen einen jungen Hovawartwelpen haben, beansprucht er meine ganze noch verbleibende Zeit.
HSG-LIVE: Vielen Dank für das Gespräch und Dir weiterhin viel Erfolg.
(Quelle:http://www.handball-world.com)