AUSZEIT > STEFAN HECKER, GESCHÄFTSFÜHRER VFL GUMMERSBACH
„Wieder Ruhe im Verein" Eine exklusive Auszeit mit Stefan Hecker
GUMMERSBACH/KÖLN
Er ist ein Urgestein der Liga. 561 Mal stand Stefan Hecker bei einer Liga-Partie im Tor. Kein Wunder, dass der 48-Jährige nicht mehr ohne
Handball kann. Nach der aktiven Laufbahn wechselte er deshalb ins Management und ist seit April 2004 beim VfL Gummersbach tätig. Vor
einigen Wochen aber überraschte er die Fachwelt mit seinem Rücktritt. - Nur Tage später distanzierte er sich dann wieder davon. Nach
dem Rücktritt vom Rücktritt als Geschäftsführer des VfLGummersbach sprach HANDBALLWOCHE - Mitarbeiter
Dieter Lange mit dem 157-fachen Nationaltorhüter
> Herr Hecker, Sie haben die Fachwelt in den letzten Wochen überrascht.
Erst kündigten Sie Ihren Geschäftsführervertrag beim VfLGummersbach zum 1. März 2008, dann zogen Sie Ihre Kündigung wieder zurück.
Stefan Hecker: Zunächst einmal: Meine Kündigung als Geschäftsführer war nicht als Abkehr vom VfL gedacht, vielmehr wollte ich mit diesem Schritt nur klar machen, dass es nicht so weiter ging wie bisher. Im letzten Jahr war ich beim VfL Geschäftsführer, Sportlicher Leiter und für das komplette Sponsoring einschließlich der Sponsorenbetreuung verantwortlich. Das war zeitlich einfach nicht mehr machbar.
> Was hat Sie zum Rücktritt vom Rücktritt bewegt?
Durch den neuen Aufsichtsrat ist einmal wieder Ruhe in den Verein
gekommen. Außerdem ist mir in einem Gespräch mit dem neuen Aufsichtsratschef Claus Horstmann eine Entlastung zugesagt worden. Durch die Anstellung von Francois-Xavier Houlet als Sportdirektor ist dies im
sportlichen Bereich schon vollzogen, und in den nächsten Tagen soll auch
ein neuer kaufmännischer Leiter eingestellt werden.
>Sie wohnen nach wie vor in Essen, ihr Ex-Club TUSEM ist wieder erstklassig. War für Sie TUSEM Essen ein Thema?
Ich hätte sicherlich eine Alternative zum VfL gehabt, aber ein konkretes
Angebot von Essen gibt es nicht
> Wo liegen künftig die Schxverpunkte Ihrer Arbeit beim VfL?
Ich bin 2004 von Hans-Peter Krämer angesprochen worden, um mich um die Betreuung der Business-Partner zu kümmern. Damals hatten wir nur knapp 20 Business-Partner, heute sind es über 160, die immerhin über eine Millionen Euro zahlen. Mein Ziel ist es, die Zahl auf 250 zu steigern. Das ist möglich, es erfordert aber den vollen Einsatz, ist quasi ein Full-Iime-Job.
> Apropos Sponsoren: Nach dem Wegfall der beiden Hauptsponsoren TUI und ISE hat der VfL immer noch keinen neuen Trikotsponsor gefunden, die Lösung mit der Krombacher Brauerei auf der Brust ist nur eine Ubergangslösung. Wann und wen wird der VfL als neuen Trikotsponsor präsentieren?
Zu diesem Thema kein Kommentar von mir. Fakt ist, dass es zu diesem
Zeitpunkt nicht leicht ist, einen neuen Hauptsponsor zu akquirieren,
da bei fast allen potenziellen Interessenten die Werbeetats schon
verplant sind.
> Hat der VfL die Begeisterung für den Handball nach dem Gewinn der Wetmeisterschqft verschlafen?
Keineswegs, aber auch der WM-Titel hat die Sponsorensuche zu keinem
Selbstläufer gemacht Es ist nach wie vor ein hartes Geschäft, obwohl die WM deutlich gemacht hat, wieattraktiv der Handballsport ist.
> Ist der VfL durch das Fehlen eines Trikotsponsors in finanziellen
Schwierigkeiten?
Das nicht direkt, schließlich haben wir neben neuen Partnern im Business-
Club auch neue Premiumpartner gewonnen, aber wir müssen noch um neue Sponsoren kämpfen. Und eins ist auch klar: Vereine wie Kiel, Flensburg, Hamburg, Kronau und auch Lemgo spielen derzeit noch in einer anderen Liga als der VfL, was die finanziellen Möglichkeiten angeht.
> Der VfL bestreitet in dieser Saison alle Heimspiele in der Kölnarena. Hat sich der Schritt gelohnt?
Dieser Schritt ist - hoffentlich- keine endgültige Abkehr von Gummersbach. Fakt ist nun ein mal, dass die alt-ehrwürdige Eugen-Haas-Sporthalle nicht mehr standesgemäß ist. Unser großes Ziel ist es deshalb nach wie vor, in Gummersbach eine neue Halle mit einer Kapazität von rund 4.000 Zuschauern zu bauen. Und trotz aller Schwierigkeiten habe ich dies
bezüglich die Hoffnung noch nicht aufgegeben.
> Aber die aktuellen Zuschauer zahlen in der Kölnarena bleiben
hinter Ihren Erwartungen zurück -oder?
Es ist richtig, dass wir bei den Zuschauerzahlen noch ein großes Potenzial nach oben haben. Aber diesbezüglich muss man auch bedenken, dass wir unsere Geschäftspolitik in dieser Saison geändert haben. Im Gegensatz zu
den vergangenen Jahren verschenken wir für die Spiele in der Kömarena
nicht mehr die meisten Karten. Das war in der Anfangsphase sicherlich
richtig, um in der Domstadt am Rhein Interesse für den Handball zu
entfachen, aber mit der Ausgabe von Freikarten haben wir es etwas
übertrieben. Es braucht jetzt eine gewisse Zeit, um die Handballfans
umzugewöhnen, aber die jetzigen Zuschauerzahlen sind echt.
> Trotzdem, halten Sie eine Rückkehr nach Gummersbach mit den Spielen gegen unattraktive Gegner möglich?
In dieser Saison nicht, denn alle Termine, sowohl für die Bundesliga als
auch in der Champions League, sind mit der Kölnarena abgestimmt und
dort für uns geblockt.
> Zum sportlichen Teil: Der VfL ist sehr holprig in die Saison gestartet. Der Weggang von Daniel Narcisse konnte natürlich nicht kompensiert werden. Wie sieht Ihr Saisonziel aus?
Klar, einen Daniel Narcisse kann keine Mannschaft der Welt gleichwertig
kompensieren. Außerdem hatten wir in der Vorbereitung und auch in der Anfangsphase mit großem Verletzungspech zu kämpfen. Und der aktuelle Ausfall von Gudjon Valur Sigurdsson trifft uns auch sehr hart. Natürlich wäre es schön, wenn wir es wieder in die Champions League schaffen würden, aber das ist ein sehr, sehr schweres Unterfangen, zumal auch die Spitze in der Bundesliga noch stärker geworden ist und es noch mehr potenzielle Anwärter für die Königsklasse gibt.
> Rächen sich jetzt die hausge machten Querelen im Führungsgremium, wodurch der VfL in der vergangenen Saison mehrere Monate quasi handlungsunfähig war und ein Wunschspieler nach dem anderen von Trainer Alfred Gislason von der Fahne ging?
Dazu möchte ich mich nicht äußern. Ich bin aber froh, dass wir durch die Neubesetzung des Aufsichtsrates jetzt wieder Ruhe im Verein haben, und mit Claus Horstmann einen Mann an der Spitze haben, der dank seiner fachlichen und menschlichen Qualitäten von allen respektiert wird.
> Trotzdem, die Spieler, die Alfred Gislason als Verstärkung gerne geholt hätte, hat er nicht bekommen.
Nachkarten nützt nichts, es ist aber unübersehbar, dass die Mannschaft nach anfänglichen Schwierigkeiten zusammenwächst und sich von Spiel zu Spiel gesteigert hat.
> Abschließend: Wie sehen Ihe Ziele und Wünsche beim VfL aus?
Ich hoffe einmal auf steigende Zuschauerzahlen in Köln; diesbezüglich müssen wir unsere Hausaufgaben noch machen. Dann hoffe ich immer noch auf eine neue Halle in Gummersbach. Beim Sponsoring gehören wir schon jetzt zu den Topadressen der Bundesliga, können uns aber noch
steigern. Sportlich hoffe ich, dass wir in der Champions League die zweite Gruppenphase erreichen und unsin der Bundesliga wieder für einen
internationalen Wettbewerb qualifizieren
(Quelle:Handballwoche Nr.41 vom 9.10.2007)