Ich kann manch beschwichtigenden Kommentar von Nicht-MT-Fans komplett nachvollziehen. Klar sollte man den Ball flach halten, klar kann man gegen Flensburg verlieren. Die haben wie Kiel und die RNL eine noch bessere Truppe, einen besseren Trainer usw. Man sieht die Sache nur halt anders, wenn man a) jedes Spiel der Mannschaft seit Jahren verfolgt und b) Fan eines Vereins ist. Trotzdem - unsachlich sollte man nicht werden.
Wenn man aber seit drei Jahren z.T. grottigen Handball fast (ich sage nicht immer) wöchentlich serviert bekommt und auch bei Siegen gurkt man sich durch Einzelaktionen oft so durch, dann kann man halt auch schon nach nur einem blutleeren Auftritt ungehalten werden. Das Ganze soll nun echt nicht in die 4. Saison gehen. Die Tatsache, dass man kein Team zu formen vermag, wird durch die individuelle Klasse vieler Spieler (die ja Erwartungen weckt) halt noch offensichtlicher. Und dass man sich kadertechnisch durchaus mit z.B. Magdeburg und den Füchsen -zumindest auf dem Papier- messen kann, wird hoffentlich niemand bestreiten. Da muss mehr kommen, und wenn schon keinerlei Spielkultur vorhanden ist, dann doch wenigstens Kampf und Emotionen. Das sind gut bezahlte Profis auf der Platte, denen ich den Willen nicht abspreche, aber seit Jahren kommt nicht das Gefühl auf, dass ein Rädchen ins anderen greift. Unter Heiko Grimm sehe ich auch 1 1/2 Jahre nach Amtsübernahme dahingehend keine wesentliche Entwicklung.
Die letzte Saison hat man mit Platz 5 abgeschlossen. Von der Papierform war man da voll im Soll. Aber auch da hat man spielerisch selten überzeugen können und auch vor der Verletzungsserie gegen Topmannschaften konsequent alt ausgesehen. Man hat davon profitiert, dass Berlin ebenso viel Verletzungspech hatte, das Göppingen kaum Konstanz hatte und dem BHC vielleicht das Glück des Tüchtigen/die Erfahrung hinten raus gefehlt hat. Das soll die Endplatzierung von der Papierform nicht schmälern, gefühlt hat die letzte Saison die Leistungslücke aber zu den Topmannschaften eklatant vergrößert. Und das wäre auch -das ist allerdings reine Spekulation- ohne dieses Ausmaß an Verletzungspech nicht groß anders gewesen.
Dass meine vielleicht zu kritische Darstellung nicht der Weisheit letzter Schluss ist, ist mir bewusst. Aber ich kann mir als Handballliebhaber dieses kopflose Spiel, in dem Stärken von Spielern nicht zu einem ganzheitlichen System eingesetzt werden, kaum noch anschauen. Ich bin da auch kein Schönwetterfan: Wenn die MT gegen einen vermeintlich "kleinen" Gegner durch 15 Kühn-Tore und weiteren Einzelaktionen gewinnt, bin ich ebenso unzufrieden. Ich habe vielleicht einfach einen zu hohen Anspruch. Trotzdem: Es gibt Vereine, die mit weniger Mitteln gefühlt seit Jahren mehr rausholen, womit sich der Handballfan zufrieden geben kann - und das ist primär nicht rein ergebnisorientiert.