Beiträge von BlKW168

    Die Aufstiegsrunde ist eine Wundertüte

    Der Modus ist aus meiner Sicht ziemlich daneben. Hat eine Mannschaft in der Tendenz die leichteren Gegner auswärts und die schwereren Gegner zu Hause, sieht es gut aus. Im umgekehrten Fall wird es bedeutend schwerer. Dem Zufall sind da Tür und Tor geöffnet, von möglicher Einflussnahme will ich gar nicht reden...

    Über sportdeutschland.tv rege ich mich schon lange nicht mehr auf, dieses Kapitel ist für mich seit geraumer Zeit abgehakt. Für das, was da (nicht) geboten wird, habe ich gottseidank noch nicht einen Euro investiert.

    Dass jetzt nun sogar der Liveticker der HBF (1. und 2. Liga!) komplett aus dem Ruder gelaufen ist, überrascht auf den ersten Blick, passt aber letztendlich zu dem Bild, dass die Verantwortlichen dieses Verbandes damit vermitteln. Ein Dilettantenstadel vor dem Herrn!

    Ich meinte das gar nicht böse, auch wenn es vielleicht so rüberkam.

    Keine Sorge, so habe ich es auch nicht aufgefasst. Außerdem ist es mir bewusst, dass meine ellenlangen Monologe über mehrere Threads hinweg nicht jedem gefallen. Ein eigener Bereich für dieses Thema ist sicher eine gute Idee. Allerdings wäre es hilfreich wenn die schon geschriebenen Beiträge aus den verschiedenen Threads dorthin übertragen werden könnten.

    Sonst müsste ich ja wieder von vorn anfangen... :schrei:

    ;) :)  :bier:

    Geht es hier noch um die aktuelle Saison? Frage für ein paar Interessierte

    Zumindest auch, denn es ist nach meinem Dafürhalten ja die letzte mit einer regulären Meisterschaft.

    Antworte für ein paar Besorgte ...

    Mir ist schon bewusst, dass Inhalt und Umfang meiner Beiträge in den einzelnen Threads oft mehr als grenzwertig sind und ich bin froh und sehr dankbar, dass die oberste Heeresleitung dieses Forums das bisher so uneingeschränkt toleriert. Mir ist auch klar, dass meine Argumentation nicht jedem gefällt, stellt sie doch einige grundlegende Aspekte des aktuellen Status quo infrage. Ich betreibe diesen Aufwand aber nicht, um irgend jemand zu ärgern oder mir selbst irgendeine Befriedigung zu verschaffen. Mich treibt nur die Sorge um, dass die Verantwortlichen in den Verbänden beim ständigen Ringen um ein Schneller/Höher/Weiter an der Spitze die wesentlichen und existenziellen Grundlagen unserer Sportart aus den Augen verlieren und die Basis nur als Selbstbedienungsladen wahrnehmen. Das wäre mittel- und langfristig nicht nur, aber auch für die HBF1 höchst problematisch.

    Zur Beruhigung für alle Interessierten:

    Mittlerweile bin ich den Großteil meiner Gedanken zu diesem Themenbereich losgeworden und konnte sie auch aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet erläutern. Dafür und für die damit verbundene Aufmerksamkeit bin ich sehr dankbar. Für alles, was jetzt darauf folgt, liegt die Verantwortung in anderen Händen und ich hoffe, dass die wichtigen Personen in diesem Spiel die richtigen Entscheidungen treffen.

    Meine Rolle dabei wird noch mehr als bisher eine passive sein.

    Nur, und ich verstehe, dass das dein Punkt ist, man hat mit der schnellen Mitte noch dazu beigetragen, diese Entwicklung zu beschleunigen. Für mich bräuchte es diese Regel auch nicht, auch wenn ich sie nicht ganz so kategorisch ablehne, wie du. Denn ich glaube, damit wäre von den von dir angesprochenen Problemen keines wirklich gelöst. Das glaube ich, wird aus oben genannten Gründen nicht möglich sein.

    Völlig richtig. Ich behaupte ja auch nicht, dass die Schnelle Mitte die Wurzel allen Übels ist. Für den Niedergang sind viele Gründe verantwortlich, interne und externe.

    Die internen können wir selbst unmittelbar beeinflussen. Und, auch da gebe ich dir vollkommen recht, stehen nicht nur dynamisierende Regeländerungen wie die "Schnelle Mitte" und "7 gegen 6" im Fokus. Auch veränderte und oft auch uneinheitliche Regelinterpretationen und Regelauslegungen tragen dazu bei, dass während der Spiele und oft auch noch danach bei allen direkt und indirekt Beteiligten mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen gesetzt werden. Ich nenne hier nur mal beispielhaft das Zählen der Schritte, das aktive Betreten des 6-Meter-Raumes, die Unterscheidung zwischen Stürmerfoul und unzulässiger Abwehraktion, der Angriff auf den ballführenden Spieler und insbesondere auf den Wurfarm oder auch die Vergabe der Strafen (Gelb, 2-Min., Rot). So würde ich beispielsweise JEGLICHES Halten und Ziehen am Trikot sofort mit "Gelb" bestrafen (im Widerholungsfall also mit 2-Min. bzw. Rot), denn nur so ist eine einheitliche und gerechte Bewertung dieses groben Regelverstoßes gegeben. Die derzeit (nicht nur bei dieser Regel!) praktizierten Interpretationsspielräume sind viel zu unscharf und rühren nicht nur regelmäßig am Gerechtigkeitsempfinden von Spielern, Offiziellen und Zuschauern sondern untergraben über kurz oder lang auch die Autorität der Unparteiischen.

    Auf die Veränderungen in der Organisation des Spielbetriebes gehe ich jetzt nicht im Detail ein, das würde an dieser Stelle zu weit führen. Dass die Einführung des Final4 in der Meisterschaft, die Reduzierung der Anzahl der Mannschaften in den oberen Spielklassen oder auch die Einführung der Bezahlschranke bei der Übertragung der Spiele ebenfalls gravierende Auswirkungen haben (werden), wird sicherlich niemand ernsthaft bestreiten.

    Bei den externen Rahmenbedingungen sind die Veränderungen ähnlich gravierend und betreffen ja auch nicht nur den Handball. Die Angebote für Freizeitbeschäftigungen sind gerade für junge Menschen unglaublich vielfältig geworden. Einen zunehmenden Anteil haben dabei Spiele, wo nur noch einzelne Finger tatsächlich in Bewegung geraten, der ganze Rest passiert durch visuelle Wahrnehmung und virtuelle Aktivitäten. Hinzu kommen ein verändertes Körperbewusstsein und neue, in meinen Augen sehr fragwürdige Schönheitsideale. Falsche Ernährung und Bewegungsmangel tun ihr Übriges und führen dazu, dass nur noch vergleichsweise wenige Kinder von vornherein die körperlichen Voraussetzungen für zielgerichtete und erfolgsträchtige sportliche Betätigung mitbringen. Gerade für die klassischen Mannschaftssportarten in der aktuell verschärften Konkurrenzsituation eine fatale Entwicklung, denn was nützen zwei herausragende und drei gute Spieler bzw. Spielerinnen, wenn ich damit nicht einmal eine Stammsieben für eine Mannschaft auf das Parkett bekomme. Viele kleine Vereine gerade auch in ländlichen Regionen hatten dieses Problem schon immer. Wie haben sie sich geholfen? Oft waren es die jungen Spieler selbst, sie haben in ihren Schulklassen und/oder in ihrem Wohnumfeld andere Kinder überzeugt, mal mit zum Training zu kommen, auch wenn ihre körperlichen Voraussetzungen alles andere als optimal waren. Nicht wenige dieser "Ergänzungsspieler" blieben dabei, weil sie sich in der Gemeinschaft wohlfühlten, weil aus ersten kleinen Erfolgserlebnissen größere wurden, weil die verbesserte Fitness von Kindern und Eltern gleichermaßen positiv bewertet wurde etc. etc. etc.. Alle profitierten, die Teilnahme am Spielbetrieb war gesichert. Gerade an der Basis des Handballsports ist das seine wichtigste Voraussetzung überhaupt und natürlich auch der entscheidende Ausgangspunkt für die Entwicklung der Spielerinnen und Spieler, die aufgrund ihrer besonderen Eignung und Begabung die Möglichkeit haben, einen über den Breitensport hinausgehenden Entwicklungsweg einzuschlagen.

    Grundsätzlich sollten wir wirklich darüber nachdenken, ob wir angesichts dieser Entwicklungen den Kindern nicht wieder niedrigschwelligere Einstiegsangebote unterbreiten. Konzentrieren wir uns dagegen weiterhin auf einige wenige Leistungszentren und fördern und unterstützen ausschließlich die vermeintlich oder tatsächlich Hochbegabten, wird der Handballsport in Deutschland immer weiter ausbluten. Die Folgen nicht nur für den Spielbetrieb sind schon jetzt fatal. Fünf vor Zwölf war es vor einer halben Stunde...

    Ursprünglicher Handball war Großfeldhandball; ich habe ihn selbst gespielt. Und das war wirklich der hier gelegentlich gescholtene Rennball, insbesondere für die beiden Läufer, die sich die Seele aus dem Leib rannten - aber wer weiß das heute schon noch ... Ich habe gern Großfeld gespielt, möchte ihn aber nicht zurück haben.

    Alles was du hier sagst, kann ich (auch aus eigener Erfahrung) nur bestätigen. Eine Ergänzung ist mir wichtig: Nach dem Übergang zum Kleinfeld- und insbesondere dann zum Hallenhandball gab es über viele Jahre einen nie dagewesenen Zustrom an jungen Spielerinnen und Spielern in die Vereine. Selbst in kleineren Vereinen waren manche Altersklassen doppelt besetzt sprich mit zwei eigenständigen Mannschaften. Das resultierte nach meiner Überzeugung in erster Linie aus der Tatsache, dass sich Handball mit dem Wechsel auf das kleine Spielfeld erstmals wirklich emanzipierte und so deutlich wie nie vom Fußball abhob, gerade hinsichtlich der Anforderungsprofile. Dieser Wechsel leitete eine einzigartige Erfolgsphase des Handballsports ein, übrigens nicht nur in Deutschland.

    Aktuell geht die Entwicklung leider wieder in die andere Richtung, und dafür gibt es Gründe. Ein wichtiger Grund ist aus meiner Sicht, dass mit der überzogenen Dynamisierung und den damit verbundenen Änderungen an den Anforderungsprofilen der diesbezügliche Abstand zum den Sport dominierenden Fußball wieder deutlich reduziert wird, was mittlerweile übrigens auch im weiblichen Bereich eine bedeutende Rolle spielt. Den Begriff vom "Kampfschwein mit Pferdelunge" habe ich ja nicht ohne Grund geprägt. Auch auf das Thema Verletzungsanfälligkeit habe ich in diesem Zusammenhang schon mehrfach hingewiesen. Und nicht zuletzt sehe ich auch die Gefahr, dass die Aktionen auf dem Spielfeld regelmäßig so schnell und so dicht ablaufen, dass die Details von vielen Zuschauern oft gar nicht mehr differenziert wahrgenommen werden können. Ich erlebe es nicht selten, dass in meinem Umfeld selbst die Zeitlupe nicht immer ausreicht, das Geschehen richtig aufzulösen. Auf jeden Fall ist meine eigene Wahrnehmung nicht der Maßstab, denn nicht jeder hat soviel eigene Erfahrungen beim aktiven Spiel sammeln können. Wo soetwas letztendlich hinführen kann sieht man beim Eishockey in Deutschland ganz gut. In vielen Szenen kann der Weg des Puck's sekundenlang gar nicht mehr verfolgt werden, irgendwann und irgendwie ist er dann trotzdem oder gerade deswegen im Tor gelandet. Die Begeisterung für diese Art, einen Mannschaftssport auszuüben, hält sich außerhalb der bekannten Hochburgen in engen Grenzen...

    Ich kann aus meiner Sicht nur noch einmal an die Verantwortlichen in den Verbänden appellieren, die aktuellen Entwicklungen im Handball gerade im Breiten- und Nachwuchsbereich genau zu beobachten. Im Ergebnis wäre dann zu prüfen, ob der eingeschlagene Weg tatsächlich zielführend ist oder ob dadurch der Abstieg des Handballs nicht noch weiter forciert wird.

    Ja, das zurückrennen erleichtert beim modernen Handball die Abwehrarbeit schon sehr. Wenn man das nicht so mag, ist es eventuell nicht die passende Sportart ;)

    Ja, danke für das in's Lächerliche ziehen dieses Thema's, ist ja sowieso eher belanglos, dass immer weniger junge Menschen Handball spielen. Egal, dass mit der Einführung der "Schnellen Mitte" die Raserei nach jedem Angriff stattfindet, unabhängig davon, ob ein Tor erzielt wurde oder nicht.

    Frauenhandball steht sowieso immer weniger im Fokus der Öffentlichkeit, da ist das alles nicht so wichtig. Die in der Qualität einzigartigen kostenpflichtigen Übertragungen von SDTV werfen für die Mehrzahl der Außenstehenden ja gottseidank einen undurchsichtigen Schleier über das ganze Geschehen und mit der Einführung des " Final Four" auch in der Meisterschaft reduziert sich das seltsame Treiben auf wenige wichtige Spiele im Jahr.

    Nur zu, auf geht's, es wird schon werden.

    Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

    Verflixt nochmal, wer hatte das gesagt? :tschau:

    Schnelle Mitte ist ein weiteres mögliches taktisches Mittel, das die Mannschaften in unterschiedlichem Umfang nutzen. In der Regel rennen - wie auch bei dem Tempogegenstößen - die kleinen flinken Außen und nicht der Rückraum.

    Mir geht es weniger um das nach vorne rennen können (obwohl das im Zusammenhang mit potentieller Überlastung natürlich auch eine Rolle spielen kann), sondern um das zurückrennen müssen...

    Es reicht eben nicht mehr, groß und wurfgewaltig zu sein,

    Mmh, so langsam weiß ich nicht mehr, wie ich es noch erklären soll. Mir geht es nicht darum, große, wurf- und sprunggewaltige Spielerinnen zu privilegieren. Meine Sorge bzw. meine Wahrnehmung ist vielmehr, dass sie entweder gar nicht erst kommen oder früher oder später wieder gehen, weil sie beim Rennball schon aus Gründen des Zusammenspiels von Biometrie, Physik und Biologie erheblich benachteiligt sind. Auch die ausgefeiltesten Trainingmethodiken können das nicht kompensieren. Ob sie das selber genau so einordnen oder ob sie sich dabei eher von ihrer Selbstwahrnehmung (Verletzungen!) oder ihrem Unterbewusstsein leiten lassen ist zweitrangig, das Ergebnis ist das gleiche... Wie du selber schreibst: Das Anforderungsprofil hat sich massiv geändert!

    Ich bleibe dabei:

    Ohne einen substanziellen Kurswechsel (oder einen überraschenden und überragenden Erfolg wie Olympiasieg in Paris) marschiert der Frauenhandball in Deutschland direkt in die Bedeutungslosigkeit. Denn die Basis ist am Zusammenbrechen und der Nachschub an Talenten (von Ausnahmetalenten, wie wir sie für die Nationalmannschaft eigentlich brauchen, will ich gar nicht reden!) ist demzufolge schon jetzt kaum noch gegeben. Der Handball zieht sich mehr und mehr aus der Fläche zurück, wer meint, dass die verbleibenden Leuchttürme reichen, dem sei sein Optimismus gegönnt.

    P.S.

    Zu dem Thema Schiedsrichter und Regelauslegung sage ich jetzt nichts weiter. Was die Verantwortlichen hier treiben ist in meinen Augen untragbar. Habe gerade die zweite Halbzeit der Füchse gegen den THW gesehen, unglaublich...

    O.k., erst mal danke für die ausführlichen sachbezogenen Antworten, dass ist hier im Forum leider nicht die Regel. :thumbup: :hi:

    Hier mal in Kurzform meine Positionen dazu:

    Den Handball vergangener Tage, wo die Spiele 18:15 geendet haben und wo im Angriff nach Torerfolg des Gegners locker nach vorn getrabt wurde, will doch keiner mehr sehen.

    Das "locker nach vorn traben" ist doch nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite hat der Spieler, der im Positionsangriff ein Tor erzielt hat, oft überhaupt keine Chance, rechtzeitig wieder im Abwehrverbund zu stehen, weil er (oft nach einer harten Attacke) im Kreis oder irgendwo anders am Boden liegt oder auch neben der Torhüterin oder auf Höhe der Grundlinie mit dem Rücken zum eigenen Tor erst mal wieder die Kurve kriegen muss. Bei einer gut ausgeführten schnellen Mitte wird dem gegnerischen Team so automatisch eine Überzahlsituation geschenkt, ohne dass sie dafür besonderen Aufwand betreiben musste. Natürlich versuchen die Mannschaften, einen solchen Vorteil zu nutzen, die Rennerei geht los und oft genug funktioniert das ja auch. Das eingangs erzielte Tor wird dadurch aber entwertet. Wer das toll findet, bitteschön, ich habe da eine andere Meinung.


    Und ich habe den Eindruck, dass dadurch kleinere, schmalere, flinke Typen (wieder) Chancen haben, die sie zuvor nicht hatten.

    Ja, das ist so, aber in meinen Augen auch wieder nur die halbe Wahrheit. Denn die ganze Rennerei benachteiligt natürlich größere schwerere Athleten und die Verletzungsgefahr steigt aufgrund der Hebelwirkungen im Bewegungsapperat deutlich an, zumal wenn die kurzen schnellen Sprints nicht nur gelegentlich sondern mehr oder weniger ständig abgefordert werden.

    Es stimmt einfach nicht, dass mit der Fokussierung auf den Rennball ein erheblicher Teil der Vielfältigkeit an erfolgsversprechenden taktischen Spielvarianten verloren geht.

    Neben der oben beschriebenen Rennerei gibt es einen weiteren Aspekt: Die großen sprung- und wurfgewaltigen Rückraumspielerinnen werden in der aktuellen Umsetzung des Regelwerkes auch dadurch benachteiligt, dass beim Sprungwurf Angriffe auf den Körper oder gar auf den Wurfarm nicht mehr so konsequent geahndet werden, wie es die Regel eigentlich vorschreibt. Dieser Umstand ist nur ein weiterer Baustein auf dem Weg vom Handball zum Rennball, wo der klassische Positionsangriff nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Der Durchbruch ist da aktuell die gern genommene Alternative, dafür brauche ich aber keine große Linkshänderin, eine kleinere, schnelle und durchsetzungsstarke Rechtshänderin tut es da auch. Karolina Kudlacz-Gloc ist dafür das klassische Beispiel mit der Folge, dass man nicht nur scheinbar auf die große wurfstarke Linkshänderin notfalls auch verzichten kann. Dieses Beispiel lässt sich natürlich auch auf die anderen Rüchraumpositionen übertragen. Wenn solche Rahmenbedingungen die möglichen taktischen Varianten im Angriffsspiel nicht reduzieren, dann weiß ich es nicht...

    Im Breitensportverein wird der Anwurf zwar im Kreis ausgeführt, mit schneller Mitte hat das aber meist nicht viel zu tun (im weiblichen Bereich). Insofern glaube ich einfach nicht, dass das ein Grund für den Spielerinnenschwund ist. Das ist die ganz allgemeine Lustlosigkeit heutzutage, ins Schwitzen zu kommen und verlässlich und regelmäßig viel Zeit aufzuwenden.

    Das ist ja quasi schon die Bankrotterklärung für unsere Sportart und diese Sichtweise hat durchaus ihre Berechtigung. Wenn sogar in einem Land mit über 80 Mio. Einwohnern und großer Handballtradition diese tolle Mannschaftssportart zusehends ihre Basis verliert, sollten wir uns durchaus fragen, ob wir das schulterzuckend hinnehmen oder ob wir nach Wegen suchen, die Attraktivität des Handball's (wieder) zu steigern und für ein breites Spektrum (!!!) an Spielertypen interessant zu machen. Wenn es so weiterläuft wie aktuell, können wir die Turnhallen zuschließen.

    Beim Thema Verletzungen sehe ich das Problem primär bei zu hoher Belastung

    Das sehe ich genauso, im Wesentlichen allerdings vor einem anderen Hintergrund, nämlich der ganzen verrückten Rennerei.

    An zuviel Spielbetrieb kann es zumindest im Amateurbereich nicht liegen, der findet nämlich in weiten Teilen unseres Landes nur noch im Notlaufmodus statt.

    Ein interessantes Beispiel im professionellen Bereich ist auch Julia Weise vom HCL. Mit viel Potenzial, Begeisterungsfähigkeit und Engagement ausgestattet standen ihr alle Türen offen, durch viele (U-Auswahl, Mannschaften im CL-Spielbetrieb) ist sie nicht hindurch gegangen. Jetzt beendet sie frühzeitig ihre aktive Laufbahn und widmet sich beim HCL auf Basis ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin zukünftig dem Nachwuchs. Sie begründet diesen Schritt mit einer schon über Jahre andauernden physischen Überlastung. Ich denke, es gibt niemanden, der davon ausgeht, dass sie beim HCL nicht optimal sportmedizinisch betreut wurde und als angehende Physiotherapeutin wird sie mit Sicherheit auch die Signale ihres Körpers richtig deuten. Und zu viele Spiele oder gar Doppelbelastungen sehe ich in ihrer Laufbahn auch nicht. Vielleicht liegt es doch an der Rennerei und an dem damit verbundenen Verschleiß???

    Ich gönne jedem seine Sicht der Dinge, aber wenn ich sehe, was in unseren Sporthallen passiert bzw. nicht mehr passiert, mache ich mir wirklich große Sorgen...

    Natürlich finden das nicht alle toll und sicher kommen da viele irgendwann an ihre Grenzen und verlieren dann die Lust.

    Aus meiner Erfahrung als Trainer sind das aber gerade die Spielerinnen, auf die man perspektivisch eh nicht bauen kann, weil sie meist nicht den nötigen Biss haben,

    Ein klassischer Zirkelschluss! Dass diejenigen, die mit der Rennballvariante nicht so klarkommen (egal aus welchen Gründen), diejenigen sind, die am ehesten abspringen, ist ja nur logisch. Aber sei es, wie es sei, ich will es ja niemandem ausreden, nur vor den zu erwartenden Konsequenzen warnen. Schade finde ich es allerdings, wenn sich in der argumentativen Auseinandersetzung manche immer nur ein (scheinbar oder tatsächlich) passendes Thema herauspicken und glauben, damit dann die ganze Diskussion abräumen zu können.

    Auf den dramatischen Rückgang der am Spielbetrieb teilnehmenden Mannschaften ist hier bisher noch keiner eingegangen, auf die zunehmende Häufigkeit und Schwere der Verletzungen und dem damit verbundenen "Schwund" leider auch nicht, obwohl gerade in diesem Zusammenhang immer mehr hoffnungsvolle Karrieren tragisch enden. Denn die wenigsten können oder wollen wie eine Lydia Jakubisova mehrere schwere Verletzungen wegstecken und trotzdem jedesmal scheinbar unbeeindruckt wieder zurückkommen. Und nur im absoluten Ausnahmefall schaffen das die großen sprung- und wurfgewaltigen Spielerinnen...

    Ich bedauere es außerordentlich, dass mit der Fokussierung auf den Rennball ein erheblicher Teil der Vielfältigkeit an erfolgversprechenden taktischen Spielvarianten verloren geht!

    Und später splittet sich das ganze eben: die, die das Tempo mitgehen können und wollen, übrigens nicht nur physisch, sondern auch im Kopf, orientieren sich Richtung Leistungssport, die anderen bleiben bei ihrem Breitensportverein. Letztlich ist das eine Ausdifferenzierung, Optimierung und Professionalisierung wie wir sie in allen Bereichen erleben.

    Es wäre ja durchaus akzeptabel, wenn es so laufen würde. Aber da ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens. Frag' einfach mal nach, wie viele Breitensportvereine es noch gibt und mit wie vielen Mannschaften sie noch am Spielbetrieb teilnehmen. Die Entwicklung dieser Zahlen in den letzten 15 Jahren spricht da eine deutliche Sprache! Wie gesagt, es geht hier eigentlich um die Frage, wieso immer weniger Talente den Weg bis ganz nach oben schaffen (wollen). Wir sind hier mit unserer Diskussion genau am Ausgangspunkt des ganzen Dilemma's!

    Die schnelle Mitte spielt bei der Sportwahl im Kindesalter keine Rolle.

    Bei den Allerjüngsten nicht, da bin ich ganz bei dir. Das ändert sich aber sehr schnell, wenn sie dann mit der Jagdwurstvariante dauerhaft konfrontiert werden. Die Verantwortlichen im Nachwuchsbereich bestätigen mir das regelmäßig. Ich glaube nicht, dass wir uns den damit zwangsläufig verbundenen Aderlass noch lange leisten können. Beim Tennis als Individualsportart mag das noch funktionieren, beim Handball ist es tödlich, weil der Spielbetrieb einbricht.

    Ich kann den Wunsch nach noch mehr Rasanz durchaus nachvollziehen. Aber der Preis dafür erscheint mir zu hoch. Wie schon gesagt, auch das Thema Verletzungen spielt für mich in diesem Zusammenhang eine große Rolle...

    Natürlich hat die „schnelle Mitte“ dazu geführt, dass das Handballspiel jetzt sich schon sehr verändert hat. Die Möglichkeit, den TW heraus zu nehmen übrigens auch.

    Dadurch ist das Spiel jetzt viel dynamischer und facettenreicher geworden. Klar braucht man da auch die körperlichen Voraussetzungen dazu. Sportarten entwickeln sich auch weiter. Den Handball vergangener Tage, wo die Spiele 18:15 geendet haben und wo im Angriff nach Torerfolg des Gegners locker nach vorn getrabt wurde, will doch keiner mehr sehen.

    Die Entwicklung im Fußball ist ja da ganz ähnlich: dort setzt die Athletik auch die Maßstäbe.

    Das ist ja alles richtig, aber der Ausgangspunkt für diese Diskussion ist eine andere: Wir haben aktuell insbesondere im Frauenhandball zunehmend große Probleme, alle Positionen in der Nationalmannschaft adäquat zu besetzen und den Spitzenvereinen geht es ja ganz ähnlich. Dafür gibt es Ursachen. Die mit den genannten Regeländerungen verbundene Dynamisierung hat nicht nur das Spiel verändert sondern auch das Anforderungsprofil für die Spielerinnen und Spieler und übrigens auch die Verletzungshäufigkeit und insbesondere auch die Häufigkeit schwerer Verletzungen.

    Ich will das Thema jetzt nicht noch einmal bis in das kleinste Detail durchdeklinieren, das habe ich hier schon mehrfach zelebriert. Aber wer 1 und 1 zusammenzählen kann, für den liegen die Zusammenhänge auf Hand.

    Und ja, natürlich gibt es noch weitere, auch gesellschaftliche Ursachen für diese Misere, aber sie sind aus meiner Sicht nicht so existenzbedrohend wie die selbstverschuldete Reduzierung des Handballs auf die aktuelle Rennballvariante.

    Noch etwas:

    Für mich waren auch Ergebnisse wie 18:15 oder 13:12 durchaus in Ordnung, solange die betreffenden Spiele abwechslungsreich und spannend waren und das waren sie meistens. Und natürlich gab es auch schon damals torreiche Spiele, an einem 44:40 war ich mal selber mit 21 Toren beteiligt.

    Ob da heute ein 38:21 attraktiver ist, wo die physisch stärkere Mannschaft das unterlegene Team in der zweiten Halbzeit in Grund und Boden rennt, wage ich zu bezweifeln. Da kann sogar ein 0:0 im Fußball spektakulärer sein ...

    Die weitaus größere Zahl von Toraktionen und die damit verbundene Vielfältigkeit war ja gerade im Zusammenhang mit der Begeisterungsfähigkeit junger Sportler oft das Argument, es mal mit dem Handball zu versuchen. Nicht nur, wenn die feinmotorischen Fähigkeiten eher an den oberen als an den unteren Extremitäten ausgeprägt waren sondern auch, wenn die Bereitschaft fehlte, fast ununterbrochen im Dauerlaufmodus kreuz und quer über ein vergleichsweise riesiges Spielfeld zu keuchen, wechselten nicht wenige junge Sportler vom Fußball zum Handball und waren oft begeistert, wie vergleichsweise vielfältig Handball erfolgreich gespielt werden kann. Wenn aber durch die aktuellen Regeln der Kreis potentiell erfolgreicher Handballer von vornherein eingeschränkt weil auf ein spezielles Anforderungsprofil reduziert wird, braucht man sich über die gegenwärtigen Probleme insbesondere im Frauenhandball nicht zu wundern, denn ein in vielen Punkten identisches Anforderungsprofil besteht auch im aufstrebenden Frauenfußball ...

    Also Kampfschwein musst man schon immer sein,

    Würde ich präzisieren auf "Kampfschweine wurden schon immer gerne gesehen".

    Aber die elegante Shooterin mit Auge und Händchen hatte auch ihre Daseinsberechtigung und wurde ebenso gerne gesehen und gerne genommen. Heute kommt sie gar nicht erst und geht lieber zum Basketball oder Volleyball.

    ;) :hi:

    P.S.

    Ich weiß natürlich, was du meinst. Meine geliebte bessere Hälfte war eigentlich begeisterte und erfolgreiche Hochspringerin. Als sie in sehr jungen Jahren beim Sichtungstraining im Sportclub auf Herz und Nieren getestet und gecheckt wurde, schlug man ihr eine Laufbahn als Speer- oder Diskuswerferin vor, noch größere Chancen sah man für sie im leichtathletischen Mehrkampf. Sie wollte aber Hochspringerin bleiben, schlug diese Angebote letztendlich aus und blieb bei ihrem Heimatverein. Natürlich wollte ich das damit verbundene Entfaltungsvakuum sowie ihre unzweifelhaft gegebenen athletischen Voraussetzungen nutzen und lotste sie mit in's Handball-Trainingslager an die Ostsee. Beim ersten "lockeren Trainingsspielchen" lief sie auch tapfer mit auf und stellte sich gar nicht mal so dumm an. Aber obwohl sie weißgott keine Mimose ist reichten die ersten kräftigeren Körperkontakte und ein Kopftreffer durch einen abgefälschten Querschläger aus und sie verließ das Spielfeld dreimal schneller, als sie es betreten hatte. Die Nummer war durch ...

    Wie ich hier schon seit Jahren betone:

    Das bestehende System zur Nachwuchsförderung und Talententwicklung hat sich in Deutschland schon lange totgelaufen. Vor allem, weil Breitensport und Nachwuchsentwicklung nicht nur sträflichst vernachlässigt wurden sondern auch, weil die neuen Regeln, die Handball zum Rennball mutieren ließen, unseren ehemals für die breite Masse attraktiven Volkssport in einen elitären Tummelplatz für Kampfschweine mit Pferdelunge verwandelt haben. Gerade für den Nachwuchs im Allgemeinen und für den Frauenhandball im Speziellen hat das für viele (potentielle) Aktive eher abschreckenden Charakter. Da nutzt es auch nichts, wenn man die wenigen Talente, die auf dieser Grundlage noch bereit sind, den steinigen Weg nach oben zu erklimmen, mit Handschellen an die Karriereleiter fesseln will. Um hier wieder eine tragfähige Perspektive zu bekommen, müssten viel grundsätzlichere Veränderungen in Angriff genommen werden. Nur wenn Handball auch für den Breiten- und Nachwuchssport wieder attraktiver wird (und damit meine ich Regelwerk, finanzielle und sportpolitische Unterstützung gleichermaßen) sehe ich die Möglichkeit, dass wieder mehr Talente gefunden und gefördert werden, die bereit sind, in gesunder Konkurrenz um den Weg nach ganz oben zu kämpfen. Dann braucht man auch keine Handschellen mehr...

    Weder bei den Verbandsgewaltigen noch in den oberen Ligen sehe ich gegenwärtig den Willen und die Bereitschaft, einen solchen Weg zu gehen. Ich sehe nicht einmal die Erkenntnis, dass der gegenwärtig eingeschlagene Weg eine steil abwärts führende Sackgasse darstellt...

    Unsere Hoffnungen und Wünsche in Gottes Gehörgang, aber ich wäre da zurückhaltender in meiner Prognose. Wenn das Spiel läuft und die beiden wahlweise verteilen, werfen und durchbrechen können, wird das funktionieren. Wird es eng und sind Kreativität und schnelle richtige Entscheidungen gefragt, sind lockere Siege für mich keine Selbstverständlichkeit. Nicht, dass ich den beiden das nicht zutraue, aber haben sie dafür die Routine im Zusammenwirken mit ihren Mitspielerinnen?