Beiträge von BlKW168

    Die Diskussionen hier spiegeln ziemlich genau die Situation
    und damit die Defizite wider, die speziell den deutschen Frauenhandball seit
    vielen Jahren im handballerischen Nirvana verweilen lassen. Zwei grundlegende Probleme
    möchte ich kurz skizzieren (um alles zu beschreiben, wären mehrbändige Romane
    erforderlich):


    Viele Kommentatoren jonglieren und spekulieren hier mit
    Zahlen und Quoten und versuchen verzweifelt, damit die Ergebnisse und ihr Zustandekommen
    zu erklären. Sie verkennen genau wie Verband und Trainerstäbe die Tatsache,
    dass Handball weitaus mehr beschreibt als die Summe individueller Leistungen
    der einzelnen Spieler. Eine solche Betrachtungsweise passt beim Kegeln, Curling
    oder auch in der Biathlonstaffel, wo im Grundsatz die Summe der
    Einzelergebnisse das Mannschaftsergebnis bilden. Handball dagegen bietet
    (analog Basketball, Volleyball, Eishockey etc.) so unendlich viel mehr
    Optionen, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Man muss die Möglichkeiten nur
    erkennen und verinnerlichen. Leider sehe ich gerade hier in Deutschland genau
    das Gegenteil, man verfängt und verirrt sich regelmäßig in den selbst
    auferlegten verbandsstrategischen und spieltaktischen Korsetts und verweigert
    immer hartnäckiger die Selbsterkenntnis der eigenen tiefgründigen
    Unzulänglichkeit.


    Um einen Beleg für meine Position aufzuzeigen verweise ich
    auf das seit vielen Jahren urdeutsche, übrigens auch bei unseren Herren immer
    wieder festzustellende Defizit bei der Torwurfeffektivität. Es ist lange
    bekannt, geändert wird genau nichts, Torwurftraining der Nationalmannschaft (wie
    hier im Forum tatsächlich gefordert!) bringt da keine Linderung, im Gegenteil.
    Die Ursachen liegen viel tiefer, in der Grundausbildung, ich gehe später nochmal
    auf die tatsächlichen Zusammenhänge ein. Wer glaubt, ein Training analog dem Torwandschießen
    im Aktuellen Sportstudio mit 2 (oder 4) Löchern in den Ecken einer Bretterwand
    mit aufgemalter Torsilhouette kann hier irgendetwas zum Positiven verändern,
    hat noch nie selber versucht, in einer entscheidenden Spielsituation den Ball
    an der Torhüterin vorbei in das gegnerische Gebälk zu versenken.


    Die Schlussfolgerungen zu diesem Dilemma darf sich wieder
    jeder selber erarbeiten. Schon vor geraumer Zeit habe ich hier eine Zeit lang
    mit Nachdruck auf diese problematische Entwicklung und ihre Hauptursachen
    hingewiesen: Die Linie von Hörrmann und Co., alle Kraft und alle verfügbaren
    Mittel in den Spitzensport zu stecken, um damit möglichst viel Geld zu
    verdienen, hat auch im deutschen Handball (und nicht nur dort!) seine Spuren
    hinterlassen. Was im Individualsport schon problematisch ist, hat für die Mannschaftssportarten
    auf mittlere und lange Sicht letale Folgen. Der Breitensport als Basis für die
    Suche und vor allen Dingen auch das Finden von Talenten für die Spitzenvereine verhungert
    am ausgestreckten Arm und stirbt im Ergebnis dieser fatalen Strategie einen
    langsamen aber leider endgültigen Tod. Was im gehuderten Profifußball noch mit teuren
    Transfers aus dem Ausland kaschiert werden kann, zeigt in weniger privilegierten
    Sportarten und selbst im Amateurfußball seine todbringende Kausalität:


    Mangels strategischer und monetärer Unterstützung immer weniger
    ehrenamtliches Engagement


    ==> dramatischer Rückgang der Nachwuchsarbeit insbesondere
    im Amateurbereich


    ==> immer weniger Aktive ==> immer weniger Talente


    ==> immer weniger
    Mannschaften ==> immer weniger Ligen


    ==> immer weniger Spiele ==> Notlösung
    Spielgemeinschaften


    ==> immer weniger Regionalderbys ==> immer weniger
    Zuschauerinteresse


    ==> immer weniger Neueinsteiger ==> immer weniger
    Aktive, Trainer etc.


    … usw. usw. ==> Das Siechtum ist unausweichlich und
    mittlerweile wohl auch unumkehrbar.


    Ein weiterer Punkt, den ich hier nur kurz anklingen lassen
    möchte, der aber mindestens genauso wichtig ist: spielsinnentstellende Regeländerungen,
    die unseren Sport zum Rennball haben verkommen lassen mit katastrophalen Folgen
    für die Spielkultur (insbesondere hinsichtlich der Anzahl erfolgversprechender
    Spielsysteme!), bringen noch ein weiteres Problem mit sich: Für nahezu alle
    Positionen einer Mannschaft haben (interessanterweise mehr im Frauen- als im
    Männerhandball!) jetzt bestimmte schnelligkeitsbetonte Spielertypen
    entscheidende Vorteile gegenüber allen anderen, die entweder Athletik trainieren
    bis zum Umfallen, ohne wirklich eine reale Chance zu haben, in dieser Hinsicht
    das Niveau der Ausnahmesprinter je zu erreichen oder gleich aufgeben und
    bestenfalls die Sportart wechseln. Ihre in anderen Bereichen liegenden Stärken
    wie beispielsweise Spielintelligenz, situative Entscheidungskompetenz und vor
    allen Dingen auch Wurfhärte/Wurfpräzision/Wurfcleverness können nicht zu
    Geltung kommen und schon gar nicht weiterentwickelt und in ein Team
    weitergetragen und verinnerlicht werden, solange Sie die geforderten rein
    athletischen Grundparameter nicht erreichen. Die wenigen Ausnahmetalente, denen
    sowohl die athletische als auch die spieltechnische Komponente gleichermaßen
    und im Übermaß gegeben ist, sind viel zu rar gesät, als dass sie in der Breite
    wirksam werden könnten.


    Darüber hinaus ist nach meiner Wahrnehmung in Deutschland
    nicht erst seit Beginn der Ära Gröner sowohl in der Nationalmannschaft als auch
    bei vielen Bundesligateams die Athletik als Auswahlkriterium im Vergleich
    beispielsweise zum Spiel- und Wurfvermögen wirklich extrem überbetont. Andere
    erfolgreiche Handballnationen bauen ihre Spielstrategie in vielerlei Hinsicht
    zumindest in wesentlichen Teilen auf die Potentiale ihrer talentiertesten und
    leistungsstärksten Spielerinnen auf. In Deutschland wird mehrheitlich das
    vermeintlich erfolgversprechendste Spielsystem quasi verordnet und die
    Mannschaften um dieses System herum ausgewählt und aufgestellt. Wenn es im
    Spiel dann nicht läuft (weil man im Verlauf eines Turniers immer ausrechenbarer
    wird!), ist man in seinen taktisch/strategischen Fesseln gelähmt und (nicht nur
    auf der Trainerbank) handlungsunfähig. Immerhin werden dieses Thema und die
    damit zwangsläufig verbundenen Probleme (Stichwort Minevskaja, Behnke und Co.)
    hier im Forum zumindest ansatzweise angesprochen. Der Schritt zur Erkenntnis,
    dass genau dieser Aspekt die Ursache für die in den letzten Jahren mit
    zunehmender Turnierdauer immer enttäuschenderen Verläufe ist, ist eigentlich
    nur ein kleiner.


    Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zunehmende
    Verletzungsintensität. Die mit den Regeländerungen rasant zunehmende Dynamik
    sprengt gerade im Handball mittlerweile alle Grenzen, die Biologie und Physik
    gesetzt haben. Auch wenn die Medizin ebenfalls enorme Fortschritte gemacht hat,
    kann sie dieses Problem nicht einmal ansatzweise lösen. Haben wir wirklich so
    viele begnadete und leidenschaftliche Spielerinnen, dass wir regelmäßig in
    jeder Saison, in jedem Turnier eine erhebliche Zahl auf dem Altar der (scheinbaren)
    Attraktivität opfern? Ist die mittlerweile hemmungslose Rasanz des Rennballs
    wirklich das einzige Element, dass ein allgemeines öffentliches Interesse über
    die Grenzen der Handballfamilie hinaus generiert/garantiert? Ich glaube nicht.


    Was ich auch nicht unerwähnt lassen möchte, weil auch in
    diesem Zusammenhang die Attraktivität und Akzeptanz unserer Sportart zunehmend
    in Frage zu stellen ist:


    Die Schiedsrichterleistungen können gerade auch im
    internationalen Maßstab mit der Entwicklung nicht einmal ansatzweise mithalten.
    Was ich da in den letzten Jahren gesehen habe, ist von wenigen Ausnahmen
    abgesehen so grauenhaft, dass es mir mittlerweile schwerfällt, hier
    ausschließlich an Unvermögen zu glauben. Vielmehr scheinen die vielen
    Regeländerungen und die dazu vorgegebenen Anwendungsempfehlungen bewusst so gestaltet
    zu sein, dass den Schiedsrichtern eine maximale Einflussnahme auf den
    Spielverlauf garantiert ist. Dass es auch im Spitzensportbereich weniger
    talentierte Schiedsrichter gibt, ist unbestritten, aber meiner Meinung nach
    nicht wirklich das Hauptproblem. Ich habe mir in diesem Zusammenhang auch immer
    wieder Spiele angesehen, bei denen ich keine der beiden agierenden Mannschaften
    favorisiere, mein vorstehend beschriebener Eindruck hat sich dabei eher noch
    verstärkt.


    Um wieder zum Thema des organisierten Niedergangs des
    Handballsports in Deutschland zurückzukehren:


    Interessant finde ich auch die Tatsache, dass unsere
    Nationalmannschaft und unsere international spielenden Spitzenteams in ihren
    Ergebnissen regelmäßig diese fatale Entwicklung widerspiegeln, ohne dass die Verbände
    (Bundes- und Landesebene) auch nur ansatzweise reagieren. Genau dieses Problem
    bildet sich auch hier im Forum ab, wo die Mehrzahl die dramatischen Warnsignale
    vollends ignoriert und für den Status quo und ein "weiter so"
    plädiert. Man ordnet regelmäßig wiederkehrende Totalausfälle als Augenblicksversagen
    und nicht als Ergebnis einer systematischen Fehlentwicklung ein und verweigert
    sich strikt auch nur dem Ansatz einer Kurskorrektur. So geht unser einzigartiger
    Sport dahin und letztendlich von der breiten Öffentlichkeit nahezu unbemerkt unter.
    Und das im Mutterland des Handballs!


    Den Spielerinnen unserer Nationalmannschaft wünsche ich noch
    möglichst viele erfolgreiche Spiele. Ich möchte betonen, dass ich ihre Leistungen,
    die sie trotz der widrigen Rahmenbedingungen regelmäßig bringen, durchaus zu
    würdigen weiß. Allen anderen Beteiligten wünsche ich ein unruhig-besinnliches
    Weihnachtsfest und natürlich Gesundheit. Vor allem dort, wo normalerweise Verstand
    und Intelligenz arbeiten.


    PS.


    Der letzte Absatz ist keineswegs bös gemeint. Er ist eher
    als uneigennütziger Weckruf eines alten Handballknochens zu verstehen. Dass das
    nicht nur Begeisterung hervorruft, liegt in der Natur der Sache. Auf die
    Reaktionen warte ich deshalb sehr gespannt…

    Also ich komme auf 4 Schritte, ja deshalb hätte es Freiwurf geben können. Ich nehme an der Blick der Schiedsrichter lag eher im Bereich Wurfarm, Oberkörper, Betreten des Kreises.

    Die oben genannten Beispiele resultieren im Übrigen nicht aus einer unkorrekten Regelanwendung, sondern aus einer falschen Wahrnehmung.

    Also 4 Schritte oder mehr sind ein klarer Regelverstoß der Torschützin, keine falsche Wahrnehmung. Die hatten höchstens die Schiedsrichter, wenn sie ihren Blickwinkel so einrichten, dass der Bereich unterhalb der Knie ausgeblendet wird. So oder so ein irreguläres Tor.

    Mehrer Meter sehe ich nicht. Vielleicht ein Meter bis maximal 1,50m. Der Ball liegt anfangs richtig, dann gibt es eine progressive Strafe gegen die Bank, dabei verlieren die Schiedsrichter den Ausführungsort aus dem Blick.


    Wo der Ball liegt, spielt keine Rolle, entscheidend ist, wo das Foulspiel stattgefunden hat. Wem der richtige Maßstab und der richtige Blickwinkel nicht gegeben ist, der sollte vielleicht die schwarzen Linien auf dem Spielfeld im Bereich zwischen "Tatort" und der Position der Spielerin, die beim betreffenden Freiwurf den Ball zu Conze spielt, in seine Betrachtungen mit einbeziehen. Dann erkannt man die seitliche Verschiebung um 2,5 bis 3 Meter. Übrigens danke für die Bestätigung, dass die Schiedsrichter auch in dieser Situation den richtigen Blickwinkel verloren hatten. Danke auch für den Hinweis, dass die Bank vom HC Leipzig hier offenkundig mit einer Schiedsrichterentscheidung nicht einverstanden war. Weiter unten dazu mehr. Theoretisch kann hier natürlich auch ein Wechselfehler vorgelegen haben, aber für ein solches Szenario finde ich keinerlei Hinweise.

    Aber meine Beobachtungen und Erfahrungen sind genau das Gegenteil. Gerade bei Videoanalysen bei den Lehrgängen werden ähnliche Szenen mit verschiedenen Entscheidungen gezeigt und daraufhin eine gemeinsame Linie erläutert und gefordert.


    Genau das ist Teil des Problems. Dass der Verband mit den Schiedsrichtern regelmäßig Videoanalysen durchführt, weiß ich auch. Aber es trägt augenscheinlich nicht dazu bei, die Zahl der offensichtlichen Fehlentscheidungen wahrnehmbar zu reduzieren.

    Zugute halten würde ich den Schiedsrichtern dass keine der Spielerinnen sich bei den beiden Szenen beschwert hat, das heisst auch die hatten eine ähnliche Wahrnehmung.


    Eine interessante Aussage, ich weiß nur nicht, worauf sie beruht, meine Wahrnehmung von den Vorgängen in der Halle war eine andere. Neben der Intervention von der Bank (s.o.) bleibt noch die langanhaltende Diskussion von Julia Weise mit einem der Schiedsrichter unmittelbar nach Spielschluss.Wenn ich Gestik und Mimik der Spielerin richtig deute, geht es in dieser Auseinandersetzung genau um die Position der Ausführung des letzten Freiwurfes.
    Mal ganz abgesehen davon, dass die Intensität des Protestes der Spielerinnen wohl kaum der richtige Maßstab für die Bewertung der Korrektheit einer Schiedsrichterentscheidung sein sollte. Das wäre eine ganz neue Qualität. Deshalb ...

    Über die Regel(un)kenntnis der Kommentatoren sprechen wir mal nicht.


    wäre ich mit solchen und ähnlichen Unterstellungen etwas zurückhaltender. Solche Schnellschüsse können schnell nach hinten losgehen.

    Welche Szene meinst du genau ? Das Spiel in Neckarsulm ?


    Nicht nur, aber auch. Übrigens habe ich das in dem betreffenden Thread vorhin auch kundgetan.

    Ich habe gerade in den letzten Jahren von der dritten Liga bis zur CL schon zu viele Aktionen live erlebt, wo großzügige Regelinterpretationen eine immer härter werdende Gangart geradezu provozierten und dann nicht selten schwere Verletzungen zur Folge hatten. Laute Schreie und schmerzverzerrte Gesichter gehen mir da zu sehr unter die Haut, als das ich das regungslos und schulterzuckend hinnehmen würde.

    Klar wird Moser seitlich gestoßen und Hendrikse geschubst. Aber weder besonders hart, noch mit böser Absicht. Beide Szenen kommen so in jedem Spiel mehrmals vor.

    dass sind Situationen die beim Handball vorkommen, da es ein Kontaktsport ist. Irgendein grobes Foul habe ich da jetzt nicht gesehen. Für mich ist die Landung beider Spielerinnen eher sehr unglücklich.


    Wer selber leistungsorientiert Handball gespielt hat weiß, dass jedes Stoßen beim Sprungwurf die Landung zu einem unkontrollierbaren Risiko werden lässt. Immer wieder gibt es schwere Verletzungen, die die weitere Karriere in Frage stellen oder gleich beenden. Das Regelwerk ist an dieser Stelle auch recht eindeutig, es muss nur mit aller Konsequenz durchgesetzt werden. Sonst gehen uns irgendwann die Rückraumspielerinnen (und -spieler) aus. Bei unserer Nationalmannschaft (und nicht nur da) ist ja schon jetzt der Notstand ausgebrochen. Wer das gut findet, darf auch weiterhin solche regelwidrigen Aktionen verharmlosen.
    Mir persönlich gefällt die weiter oben angesprochene "Schweizer Variante" der Regelauslegung deutlich besser.

    steht immer häufiger in einem krassen Missverhältnis zu dem
    Anspruch einer professionell ausgeübten Mannschaftssportart und auch zu den von
    den Sportlerinnen angebotenen Leistungen.


    Da das Schiedsrichter- und Regelforum in Bezug auf
    fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen in aktuellen Spielen eher eine
    untergeordnete Rolle spielt, möchte ich bewusst an dieser Stelle mal ein paar
    Fragen aufwerfen, zumal ja auch in der 1. Liga der HBF aktuell die Schiedsrichterleistungen
    heftig in der Diskussion stehen.


    Als Beispiel wähle ich das Spiel HC Leipzig gegen SV Werder
    Bremen von gestern. Gerade weil dieses Spiel für die wichtigen Entscheidungen
    in dieser Liga in dieser Saison eher von untergeordneter Bedeutung ist, stellt
    sich die Frage nach der Ursache für diese krassen Fehlleistungen der Schiedsrichter.
    Obwohl dieses Spiel wie nicht wenige andere auch dazu Anlass geben würde, will
    ich jetzt keinen Roman schreiben sondern konzentriere den Fokus auf zwei
    spielentscheidende Szenen am Ende des Spiels, wo für mich die Fehler des
    Schiedsrichtergespanns so klar und offenkundig sind, dass ich keine
    Interpretationsspielräume sehe:


    Beim 25:26-Anschlusstreffer der Bremerinnen läuft die
    ausführende Spielerin mit dem Ball in der Hand so viele Schritte, dass die
    Finger einer Hand kaum ausreichen, um diese zu zählen. Da sie beim Durchbruch
    an den Kreis bedrängt wurde, wäre hier ein Freiwurf für Bremen die richtige
    Entscheidung gewesen.


    Beim Ausgleich zum 26:26-Endstand wurde vom angreifenden
    Team der Tatort gleich um mehrere Meter von RR auf RM verlegt. Für eine
    Rechtshänderin als ausführende, weil mit Abstand wurfstärkste Spielerin
    (Kompliment für den überzeugenden und sympathischen Auftritt von Conze!) nicht
    ganz ohne Bedeutung. Für die Schiedsrichter offensichtlich nicht …


    Bitte nicht falsch verstehen: Ich ziehe hier nicht in erster
    Linie über die( jungen) Schiedsrichter her, im Gegenteil. Ich ziehe den Hut vor
    jedem Unparteiischen, der sich dieser Herausforderung in unserer dynamischen
    Sportart stellt und mit den zahlreichen mehr oder weniger berechtigten
    Anfeindungen dauerhaft umgehen kann. Ich bin mir auch der Tatsache bewusst,
    dass im Handballsport kein Schiedsrichter der Welt immer richtig entscheidet,
    ich hatte mich an anderer Stelle schon ausführlicher dazu ausgelassen.


    Was mir viel mehr Sorge bereitet ist die Tatsache, dass der Verband
    offensichtlich immer weniger Interesse daran hat, seine Schiedsrichter bei der
    Regelauslegung auf eine einheitliche Linie zu bringen. Das Maß für die
    Konsequenz bei der Durchsetzung der Regeln wird regelmäßig zur
    Verhandlungsmasse und liegt mittlerweile immer häufiger allein in der Hand der
    Schiedsrichter, die mit dieser Tatsache nur überfordert sein können. Jede
    Diskussion zu diesem Thema wird im Keim erstickt, obwohl durch diese
    (vorsätzliche ?) Ignoranz nicht nur etliche Spiele einen Spielausgang erfahren,
    der dem Spielverlauf auf der einen und der korrekten Anwendung des Regelwerkes
    auf der anderen Seite kaum gerecht wird.

    Richtig schlimm wird es, wenn im Ergebnis
    dieser fatalen Entwicklung Spielerinnen so schwer verletzt werden wie am
    vergangenen Wochenende.

    Nach meiner Überzeugung sind die offensichtlichen
    Differenzen zwischen den beiden Führungsspielerinnen einerseits und dem
    amtierenden Nationalcoach auf der anderen Seite nicht allein auf persönliche Differenzen
    zurückzuführen. Die Ursachen liegen viel tiefer und die Folgen sind längst
    nicht nur bei der Nationalmannschaft wahrzunehmen. Ausgangspunkt für die
    zunehmenden Probleme bei der Strukturierung der Mannschaften und ihrer taktischen
    Ausrichtung sind die gravierenden Regeländerungen der letzten Jahre. In der
    Folge mutiert unser geliebter Handballsport insbesondere bei den Frauen (bei
    den Männern dominiert die individuelle Physis nach wie vor in weitaus höherem
    Maß) immer mehr zum Rennball und gerade in der Übergangsphase gibt es gewaltige
    Konflikte zwischen der Grundausbildung nach "Alter Schule" und den
    heutigen Anforderungen im leistungssportlichen Bereich. Die physischen
    Privilegien großer kräftiger Spielerinnen verlieren sich zunehmend und kehren
    sich oft genug sogar in's Gegenteil um. Insbesondere die Verletzungsanfälligkeit
    ist in den letzten Jahren enorm gestiegen und leider sind es oft schwere
    Verletzungen. Die Gesundheit wird hier auf dem Altar der Dynamisierung unserer
    Sportart geopfert, um sie (vermeintlich?) attraktiver, mainstreamgerecht und
    damit zukunftstauglich (???) zu gestalten.


    Man kann diese Entwicklung jetzt gut oder weniger gut
    heißen, im Ergebnis nähern sich Strategie und Taktik immer mehr dem american
    football an, wo dynamische Bewegungen und Durchbrüche im Raum gegenüber dem
    "Vollzug" (touchdown) hinsichtlich Attraktivität und Bedeutung eindeutig
    dominieren. Damit werden besonders bei den Frauen zunehmend schnelle, wendige
    und ausdauernde Spielertypen dominieren, die großen sprung- und wurfgewaltigen
    Rückraumspezialistinnen und in gewissen Umfang auch große kräftige Spielerinnen auf KM geraten zwangsläufig in's Hintertreffen. Selbst wenn
    sie versuchen sich anzupassen, haben sie von wenigen Ausnahmetalenten abgesehen
    kaum eine Chance. Denn sie können die Regeln der Physik nicht außer Kraft setzen.
    F=mxc bedeutet auch hier, dass die im Bewegungsapperat wirkenden Kräfte um so
    höher sind, je mehr Masse um so schneller bewegt wird. Und bei aller Genialität
    der Natur sind der Leistungsfähigkeit von Bändern, Muskeln, Knochen etc.
    Grenzen gesetzt. Ob die Verbandsgewaltigen das bei den Regelreformen
    berücksichtigt haben, wage ich zu bezweifeln.
    Ich finde es schade und sehe es als großen Verlust, wenn im Ergebnis dieser für mich fatalen Entwicklung so sympathische Sportlerinnen wie Kim und Julia in der aktuell praktizierten Version des Handballs ihre Potentiale nicht ausschöpfen können. Die aktuellen Meinungsverschiedenheiten werden nicht die einzigen Konflikte bleiben. Es bleibt abzuwarten, ob der eingeschlagene Weg auch der richtige ist. Ich habe da so meine Zweifel, denn Attraktivität wird nicht nur durch Tempo sondern auch durch Vielfalt gestaltet, und die bleibt nach meiner Wahrnehmung gerade auf der Strecke.

    Das ist für mich mittlerweile nicht mehr nachzuvollziehen. Alles, was man zu diesem Thema aus dem offiziellen Lager (egal ob Trainer, Verein, Kommentatoren oder Presse) hören oder lesen kann ist die Aussage, dass der Angriff eigentlich ganz gut spielt aber die Abwehr einfach zu viele Tore schluckt. Wer den aktuellen THC (egal ob Meisterschaft, DHB-Pokal oder heute wieder EHF-Cup) so wahrnimmt, hat nach meinem Dafürhalten den Blick für das Wesentliche im Handball verloren. Wer so viele klare Chancen liegen lässt (besser gesagt reihenweise kläglich vergibt) und so viele unnötige Ballverluste (unforced errors) produziert, braucht sich nicht zu wundern, wenn er im schnellen Gegenstoß viele einfache Tore kassiert.
    Meine Botschaft an Herbert Müller: Die erfolgreiche Abwehrarbeit beginnt mit dem erfolgreich abgeschlossenen eigenen Angriff!

    Abbingh und Dulfer strahlen jede für sich allein mehr Torgefahr aus als der gesamte deutsche Rückraum zusammengenommen. Und das obwohl die Niederländerinnen nun gerade nicht zu den stärksten Mannschaften Europas gehören, wie man gerade wieder sehen konnte ...
    Woran liegt das nur ... ?( 8o :cool: :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes:

    Kroatien spielt einfach nur Handball und nutzt die Mehrzahl der Torchancen. Was macht Deutschland?
    Ich glaube auch nicht, dass übermäßiger Kräfteverschleiß die Hauptursache darstellt. dann dürfte nicht die halbe Mannschaft fast durchgängig auf der Bank sitzen.

    Wenn ich sehe wie Michelmann zu Gröner schielt, ahne ich, was demnächst kommen könnte.
    Heute übrigens eine gute, unaufgeregte Schiedsrichterleistung. Davon wünsche mir mehr.

    Der Unfug bezog sich auf die spielentscheidenden Fehler, natürlich haben die SR Fehler gemacht, aber definitiv weniger als die Mannschaften und erst recht nicht spielentscheidend.

    In der Schlussphase bei ausgeglichenem Spielstand mit einer unberechtigten Zeitstrafe eine 4 gegen 6 - Konstellation herbeizuführen, hat keinen Einfluss auf den Spielausgang? Offensichtliche Fehlentscheidungen im Spielverlauf mehrheitlich gegen eine Mannschaft haben keinen Einfluss auf das Zweikampfverhalten, auf die psychologische Einstellung der Spielerinnen, auf die Taktik? Ich habe da eine andere Wahrnehmung ...

    Das die deutsche Mannschaft gewaltige Defizite im Aufbauspiel und in der Verwertung klarster Chancen (freie Würfe vom Kreis, beim Tempogegenstoß usw., usw.) hat, ist auch heute wieder mehr als offensichtlich. Das kritisiere ich hier schon lange, nicht erst bei dieser EM. Dieses oft entscheidende Manko rechtfertigt aber nicht teilweise miserable Schiedsrichterleistungen. Da hilft auch billige Polemik nicht.

    Selten so einen Unfug gelesen,


    Gut, dann setze ich gerne noch einen drauf. Auch die betreffende 2 Min.-Strafe gegen Xenia war in meinen Augen mehr als fragwürdig. Solange die Hand nicht aktiv zum Gesicht geführt wird, sondern die Angriffsspielerin in die ausgestreckten Arme läuft und dann zu Boden sinkt, kann man in so einer Situation so ziemlich jede Entscheidung treffen, aber nicht die Abwehrspielerin auf die Bank schicken. Zukünftig sollen die Abwehrspielerinnen sicher Spalier stehen, wenn eine Angreiferin zum Kreis durchbrechen will.

    Im Rahmen der Möglichkeiten ein gutes Spiel der deutschen Mannschaft, immerhin gegen den amtierenden Weltmeister. Die ausschlaggebenden Defizite liegen wieder in der Wurfausbeute aus dem Rückraum und damit auch dem fehlenden Druck auf den Innenblock der gegnerischen Mannschaft. In der ersten Halbzeit konnte das noch durch einige gute Anspiele an den Kreis kompensiert werden, in der zweiten Halbzeit kam da einfach zu wenig. Ohne die zwei Schlagwürfe von KIm hätte das noch viel trauriger ausgesehen.
    Grausam auch anzusehen, wie im Spiel zweier gleichwertiger Mannschaften einige katastrophale Fehlentscheidungen (Tor entschieden nach einem unbedrängten Wurf vom Kreis mit fünfeinhalb Schritten Anlauf, 2 x 2-Min.-Strafen, einmal nach einem Stemmschritt, der notwendig war, um eine Kollision mit dem einlaufenden Außen zu vermeiden, der aber als Vorsatz ausgelegt wurde und einmal für einen harmlosen Blockversuch gegen einen Wurf von der Mittellinie) entscheidenden Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen. Den Schiedsrichterinnen unterstelle ich ich dabei Vorsatz. In den beschriebenen Situationen sowieso, da sie eindeutig waren und im Einzelfall selbst das Videostudium nur als Alibi missbraucht wurde. Aber auch bei den 50/50-Entscheidungen wurde deutlich, das Holland ein Heimspiel mit Heimschiedsrichtern hatte.

    Dass die deutsche Mannschaft die Möglichkeit gehabt hätte, diesen Konflikten aus dem Weg zu gehen tröstet nur wenig. So verliert der Handball Zuschauer. Zumindest die, die nur gelegentlich zuschauen und sich nach solchen Spielen und vor allen Dingen nach solchen Schiedsrichterleistungen mit Grausen abwenden.

    Respekt, das hatte ich so nicht erwartet. Konnte mir das Spiel zwar bisher nicht ansehen, aber nach allem was ich gehört und gelesen habe, war es wirklich eine deutliche Steigerung. Vielleicht kann die Mannschaft ja doch noch über ihren Schatten springen, würde mich sehr freuen ...

    wenn Pros den Ball ins Seitenaus schmeißen liegt das nicht an ihrer technischen Basisausbildung, das ist fehlende Stressresistenz und das kann sich im Leistungssport schnell mal drehen.

    Da liegen wir ja in den meisten Punkten auf einer Linie. Auch und gerade zum Thema Stress gebe ich dir durchaus recht. Ich möchte aus meiner Sicht noch ergänzen, dass Stress (für eine Spielerin genauso wie für die ganze Mannschaft) in erster Linie dann entsteht, wenn ich für die verschiedenen Spielsituationen regelmäßig keine erfolgreichen Lösungen finde und so zunehmend Fehler produziere. Sozusagen ein sich selbst verstärkender Mechanismus. Variable Wurftechniken und Trefferbilder können dem genauso entgegen wirken wie spieltaktische Vielfalt. Beides vermisse ich im deutschen Handball insbesondere aber nicht nur bei den Frauen zunehmend.

    Was bei Bölk noch gelegentlich aufblitzt, geht an allen anderen deutschen Spielerinnen nahezu komplett vorbei. Torwurfeffektivität, also die gelungene Paarung von Variabilität,Treffsicherheit und Cleverness, sehe ich seit Jahren nur im Ausnahmefall, also wenn eine Spielerin mal "einen Lauf" hat. Dieses Problem betrifft alle Positionen und alle eingesetzten Spielerinnen. Freie Würfe werden seit Jahren reihenweise verballert ...


    Was sagte der Kommentator gestern Abend nach einem erfolgreichen Hüftwurf von Eliza Buceschi im Spiel Ungarn - Kroatien:


    So einen Wurf habe ich von einer deutschen Spielerin noch nie gesehen ...


    Wir haben schon mit 10 Jahren solche und andere Wurftechniken in unserem engagierten unterklassigen Kleinstadtverein regelmäßig geübt, bis sie in Fleisch und Blut übergegangen waren. Der nächste Lernschritt war dann, wann ich solche Würfe am effektivsten einsetze und wie ich solche Situationen herbeiführe. Allerdings liegt diese schöne Zeit 50 Jahre zurück.Wenn ich heutzutage diese Wurftechniken aber sogar im leistungssportlichen Bereich nicht (mehr) beherrsche und selbst freie Würfe regelmäßig verballere, brauche ich mir über das eine oder andere taktische Geplänkel im Spielaufbau eigentlich keine Gedanken zu machen, denn mit den wenigen zur Verfügung stehenden Worfoptionen bin ich dann viel zu schnell ausrechenbar, den ausgeklügelten Strategien beim Videostudium sei Dank.

    Nicht nur die Nationalmannschaft, auch der THC ist dafür ein gutes Beispiel. Anfangs kam die durch fragwürdige Regeländerungen untermauerte "kick and rush"-Variante unserer Sportart den Teams zugute, die sich am schnellsten umgestellt haben und basierend auf einem beweglichen Abwehrbollwerk viele freie Konter laufen konnten. Zusammen mit der schnellen Mitte und schnellfüßigen Durchbruchsvarianten kamen genügend Torerfolge zusammen, um mit schnellen, wendigen Spielerinnen erfolgreich zu spielen. Das Positionsspiel wurde sträflich vernachlässigt, erfolgreiche Rückraumwerferinnen (!!!) wie Nadja Nadgornaja, Katrin Engel oder heute Beate Scheffknecht zeichneten und zeichnen sich in diesem System in erster Linie dadurch aus, dass sie ihre Würfe aus 1:1-Situationen (!) entwickeln und erfolgreich abschließen. Erfolgreiche Kombinationen, die mit Würfen aus dem Rückraum abgeschlossen werden, wurden immer mehr zur Mangelware. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die dafür prädestinierten Spielerinnen sich im Konkurrenzkampf gegen die kleineren wieselflinken Konditionswunder immer seltener durchsetzen konnten. Mittlerweile sind die Aufstellungen von Jahr zu Jahr nahezu beliebig neu durchgemischt, die Spielweise bleibt aber die gleiche und ist immer besser vorhersehbar. Die Gegnerschaft stellt sich darauf ein, die Erfolge werden weniger. Es setzen sich zunehmend wieder die Mannschaften durch, die auch aus dem Rückraum heraus variabel spielen und werfen. Wenn ich mir nur die Situation auf RR anschaue, treibt es mir die Tränen in die Augen. Sowohl bei der Nationalmannschaft als auch beim THC, hat man es offensichtlich schon aufgegeben, diese Position "regulär" zu besetzen. Ich habe diese beiden Beispiele bewusst gewählt, weil sie sehr gut veranschaulichen, wo die Umwandlung vom Handball zum Rennball hinführen kann, wenn man klassische Strukturen in der Mannschaftsaufstellung und in der Spielweise immer weiter in den Hintergrund drängt.

    Also das finde ich jetzt auch extrem daneben für den uninspirierten Kack den die Mädels da zusammenwerfen der Basis die Schuld zu geben!!


    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob du das ironisch meinst. Andernfalls hättest du mich allerdings heftig missverstanden.
    Nochmal:

    Wer in der ungestörten Vorwärtsbewegung den Ball regelmäßig (auch schon vor CORONA!) in's Seitenaus statt zur Mitspielerin befördert, hat erhebliche Defizite in der Grundausbildung. Was nicht gerade die beste Voraussetzung für die von dir beschriebenen höheren Aufgaben darstellt, die übrigens entgegen deiner Darstellung durchaus auch dem (qualifizierten) Nachwuchs schon abverlangt werden.
    Aber ich möchte hier ausdrücklich nicht die eine oder andere Spielerin kritisieren. Jede Einzelne versucht ihr Bestes zu geben, gerade bei den Nationalspielerinnen bin ich mir da sicher. Als Ursache für die allermeisten Probleme im aktuellen deutschen Handball sind vielmehr die Verbandssstrukturen und deren unseliges Wirken zu nennen. Im leistungssportlichen Bereich regiert ausschließlich das Geld die Welt. Der Breitensport wird im Regen stehen gelassen und kämpft jeden Tag verzweifelt um die Aufrechterhaltung des Spielbetriebes und damit auch und gerade um die Aufrechterhaltung der Attraktivität des Handballsports in der Wahrnehmung im kommunalen und regionalen Bereich. Die Vermittlung (wurf-)technischer und taktischer Feinheiten rückt da im Trainigsbetrieb des Nachwuchses ganz schnell in den Hintergrund, wenn es um das nackte Überleben geht. Frag mal nach bei "netter59", was der Thüringer Landesnachwuchstrainer, den ich übrigens aus meiner eigenen aktiven Zeit noch ganz gut kenne, letztens in der führenden Thüringer Tageszeitung zur Situation des Handballs in Thüringen in einem sehr ausführlichen Interviev geäußert hat. Der "Nette" zählt mich wohl kaum zu seinen Verbündeten, aber er wird mit Sicherheit bestätigen, dass das, was ich hier seit 2 Jahren und auch aktuell predige, ziemlich genau diesen Ausführungen entspricht.
    Die "großen" (soll heißen vergleichsweise finanzstarken) Vereine kaufen sich die (mehr oder weniger) fertig ausgebildeten Spieler vom Markt, egal ob ich die nationale oder die internationale Bühne bzw. den Frauen- oder den Männerhandball betrachte. Solange die Verbände dieses System vorbehaltlos forcieren, wird sich daran auch nichts ändern. Und Vereine wie Buxtehude oder auch HC Leipzig, die sich um gute Nachwuchsarbeit bemühen, aber keine finanzstarken Investoren haben, werden ähnlich wie BMG im Fußball immer nur die zweite Geige spielen.

    Dass der Breitensport in diesem System überhaupt keine Chance hat, zu bestehen, liegt auf der Hand. Das der Leistungssport gerade bei Mannschaftssportarten auf den Breitungssport angewiesen ist, um die Sportart populär zu halten und um auf einen nie versiegenden Strom an jungen Talenten zugreifen zu können, ist offensichtlich nur noch den Wenigsten bewusst. Wenn die verantwortlichen Verbände hier nicht schnell und grundlegend ihre Strategie verändern und Leistungsport und Breitensport gleichermaßen fördern, ist der endgültige Untergang nicht mehr fern.
    Es wäre jammerschade um diese geniale Sportart.

    Aber solche Aussagen, wie diese, bei einer 22-jährigen, das ist schon mutig.


    Glaube mir, es fällt mir wirklich nicht leicht, solche Aussagen in die Tastatur zu hämmern. Ich möchte hier niemandem Unrecht tun und ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn sie mich vom Gegenteil überzeugt. Aber ich habe sie in den letzten Jahren oft und intensiv beobachtet, gerade beim THC war in ihrem Angriffsspiel die Stagnation nicht zu übersehen. Deshalb und angesichts ihrer bisherigen Leistungen hier bei der EM fehlt mir der Glaube, dass der Weg in das Ausland ihre Angriffsleistungen wieder verbessern könnte. Ballverlust in der ungestörten Vorwärtsbewegung kommt gleich nach einem aktiv geworfenen Eigentor. Kerstin Wohlbold war übrigens auch so eine Kandidatin. Ihre unpräzisen Querabspiele haben nicht nur ihre Mitspielerinnen regelmäßig zur Verzweiflung sondern auch den eigenen Spielfluss zum Erliegen gebracht. Will damit nur sagen, es ist kein spezifisches Problem von Emily Bölk. Womit wir wieder bei der Grundlagenausbildung wären ...

    hier so viele detaillierte und präzise Analysen zu den Auftritten der deutschen Handballfrauen zu lesen. Aus meiner Sicht wurden die Probleme und Defizite sauber herausgearbeitet und beschrieben. Zwei Aspekte möchte ich noch hinzufügen:

    Bölk war ein großes Talent (= Stärken und Schwächen und großes Potential), die Entwickung zu einer Weltklassespielerin ist aber ausgeblieben. Sie wird es auch nicht mehr werden, gelegentliche straffe und zielgenaue Sprungwürfe reichen da bei Weitem nicht. Wer so oft aus der Vorwärtsbewegung heraus bei Querabspielen die Mitspielerin nicht findet (ohne das Gegenspielerinnen auch nur in der Nähe sind!), hat gravierende Schwächen. Das war nicht nur gegen Rumänien auffällig, das kennzeichnet ihr Aufbauspiel schon seit Jahren.
    Was bei Bölk noch gelegentlich aufblitzt, geht an allen anderen deutschen Spielerinnen nahezu komplett vorbei. Torwurfeffektivität, also die gelungene Paarung von Variabilität,Treffsicherheit und Cleverness, sehe ich seit Jahren nur im Ausnahmefall, also wenn eine Spielerin mal "einen Lauf" hat. Dieses Problem betrifft alle Positionen und alle eingesetzten Spielerinnen. Freie Würfe werden seit Jahren reihenweise verballert, übrigens nicht nur in der Nationalmannschaft, auch in der Bundesliga und in den internationalen Wetbewerben. Selbst bei der Nationalmannschaft der Männer ist zumindest in wichtigen Spielen dieses deutsche "Phänomen" immer wieder zu beobachten. Ich bin auf diese Thematik in diesem Forum schon mehrfach eingegangen.

    Wo liegen die Ursachen?
    Ich bin da ganz schnell wieder bei der Grundlagenausbildung des Nachwuchses. Saubere Zuspiele sowie das Erkennen und sichere Verwerten von Tor(wurf-)chanchen werden den Kindern hier vermittelt und im Spielbetrieb gefestigt. Der Breitensport hat hier eine ganz grundlegende Bedeutung, ist in Deutschland aber seit Jahren im Niedergang begriffen. Wenn das Fundament im Eimer ist, fängt der Kirchturm igendwann an zu schwanken. Da hilft es nicht, wenn die Kugel an der Spitze golden glänzt.