Die Aufstellungen beim THC in den verschiedenen Spielphasen habe ich bei vielen Spielen regelmäßig nicht nachvollziehen können. Natürlich liegt es mir fern, Herbert Müller diesbezüglich zu kritisieren, das steht mir auch überhaupt nicht zu. Er ist in der Verantwortung und er hat den Matchplan. Aber verstehen möchte ich das in der einen oder anderen Situation schon ganz gerne. Einige wenige Argumente: Bedingt durch die unglaubliche Verletzungsmisere war schon in der CL-Vorrunde absehbar, dass auch in dieser Saison höhere Weihen kaum zu erreichen sind. Spätestens nach dem ersten Hauptrundenspiel hat sich dieser Eindruck endgültig bestätigt. Es ist genau diese Situation eingetreten:
Hinzu kommt die physische Überforderung des verbliebenen Rumpfkaders durch die Dreifachbelastung. Wo sollen da Sicherheit und Stabilität herkommen?
Spätestens an dieser Stelle hätte ich erwartet und akzeptiert, international kürzer zu treten, um die verbliebenen Kräfte auf die BL zu fokussieren und damit die Chance für die Option CL 2019/20 zu verbessern. Wenn so junge Spielerinnen in einer neuen Mannschaft in einem neuen Umfeld so viel Verantwortung aufgebürdet bekommen, kann man das natürlich als Nagelprobe sehen. Aber die Gefahr ist gegeben, dass sie daran verzweifeln, wenn es nicht wie gewünscht und erwartet läuft. Daran kann auch das hoffnungsvollste Talent zerbrechen, und ich sehe es ja nicht alleine so:
Ich glaube, für die Verantwortung, die ihnen aufgebürdet wird, sind die Schultern von Emily Bölk und Alicia Stolle (um zwei zu nennen) noch ein wenig zu schmal. Ich hoffe nur, dass man die Mädels nicht "verheizt".
Ein interessantes Gespräch mit einem der "Macher", das ich letztes Jahr führen durfte, hatte auch diese Frage zum Thema. Letztendlich wurde ausgeführt, dass der Übergang von der CL-Vorrunde in den EHF-Cup eigentlich nicht in Frage kommt, da die CL ein deutlich besseres Image aufweist und eben ein ganz anderes "Zugpferd" für das Publikum darstellt. Ich kann dieser Sichtweise durchaus folgen, aber unter den besonderen Umständen wäre es zumindest für mich kein "Makel" gewesen, in dieser Saison international im EHF-Cup zu "räubern". Unter Umständen hätten sich dort auch Situationen ergeben, wo bei klarer Führung (ähnlich wie bei klaren Rückständen in der CL) auch die zweite Garnitur Einsatzzeiten bekommt. Aber selbst in der BL passiert das beim THC nur sehr selten und wenn dann in recht bescheidenen Umfängen. Ich habe da eine andere Meinung als die "Insider":
zu Julia Redder-man kann auch auf der Bank lernen,sie ist der selbe Fall wie ehemals Marke Blase-für die 2.Liga zu gut aber für einen Club in der oberen Bundesliga Spitze eben auch nicht gut genug
Wenn junge Spielerinnen im Aufgebot einer erfolgreichen Mannschaft stehen, ist das eine Inspiration und sie möchten unbedingt zeigen, dass diese Nominierung gerechtfertigt ist. Dass das bei "voller Kapelle" und knappen Spielständen eher nicht geschieht, ist völlig normal. Wenn aber wie gegen CSM das verbliebene Häuflein nahezu das gesamte Spiel chancenlos auf dem Zahnfleisch über den Hallenboden kriecht, habe ich Zweifel, ob das wirklich immer der richtige Weg ist.
Dass Herbert Müller immer das bestmögliche Ergebnis will und dafür immer volles Risiko geht, war auch daran zu erkennen, dass er am letzten Sonntag wie schon in anderen Spielen zuvor offensichtlich keinen Gedanken daran verschwendete, nach zwei schnellen 2-Min.-Strafen die betreffende Spielerin (gegen die Norwegerinnen war es Emily Bölk) in der Abwehr zurückzunehmen. Wie gesagt, keine Kritik, nur Erstaunen, letztendlich gibt ihm der Erfolg ja recht. Nicht nur in diesem Fall, sondern auch und gerade über die ganzen Jahre beim THC. Für mich bleibt da nur die Frage, ob der Wahnsinn Methode hat, oder ob da auch viel Intuition im Spiel ist. Bewundernswert ist es so oder so.
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