Meine Aussage aus der Vorrunde (Seite 28 oder so, vor dem Frankreich-Spiel):
Ich kann die ganze leidige Trainerdiskussion auch und gerade im
Zusammenhang mit dem gestrigen Spielverlauf nicht nachvollziehen. Es ist
eine seit vielen Jahren (und mehreren Bundestrainern) beobachtete und
bekannte Schwäche der deutschen Nationalmannschaft: Bei zunehmendem
Druck in wichtigen Spielen steigt die Fehlwurfquote regelmäßig deutlich
an. Wenn man dann trotzdem gewonnen hatte, lag es am enormen Kampfgeist,
genialen Torhüterleistungen, weniger genialen Schiedsrichterleistungen,
über sich hinauswachsenden Einzelspielern, nachlassenden Gegnern ...
oder einer beliebigen Kombination dieser Ereignisse. Dem aktuellen
Bundestrainer allein alle Probleme anzulasten, ... neee, wirklich nicht.
Danke für die Bestätigungen von gestern Abend:
Die Chanenverwertung killt uns.
ALLE haben die Flatter!!!
die waren mausetot...
und wir sind so blöd udn bringen sie zurück
Meine Aussage möchte noch dahingehend erweitern, dass der Bundestrainer dieses Problem offensichtlich schon vor geraumer Zeit als gravierend und grundsätzlich erkannt hat. Wenn ich die Spiele gegen Frankreich und Kroatien sowie speziell die Ansagen in den timeout-Situationen richtig interpretiere, geht seine Gegenstrategie eindeutig dahin, den einzelnen Spielern den Druck dadurch zu nehmen, dass eingespielte Angriffsabläufe nicht mehr zum Dogma oder gar zum Rettungsanker erklärt werden. Jeder darf jederzeit ausbrechen, wenn es die Situation ermöglicht oder sogar erfordert. Hier hilft unserer Mannschaft auch das enorme Reaktions- und Antizipationsvermögen aller Spieler (einzeln UND im Zusammenspiel !), das zwar in erster Linie für das ausgezeichnete Abwehrverhalten verantwortlich zeichnet, aber eben auch immer wieder neue Angriffssituationen schafft, auf die sich der Gegner schwer einstellen kann. Das löst zwar das Problem der Abschlussschwäche nicht grundsätzlich (wie wir leider wieder viel zu oft sehen mussten !), verteilt aber automatisch die Verantwortung und der einzelne Spieler verliert den Mut nicht gleich gänzlich. Jetzt muss noch ein Rezept gefunden werden, die "Verweigerer" (Drux über längere Phasen des Spiels, Groetzki zum Schluss, auch andere waren phasenweise abgetaucht) im laufenden Spiel wieder zu "ermutigen", ohne dass sie dann jede Halbchance mit Gewalt an sich reißen. Potentielle Torgefahr von allen Positionen, dann sind wir am kommenden Wochenende nicht chancenlos, mal sehen ...
Die Schiedsrichterleistung schätze ich ganz ähnlich ein wie beim Frankreichspiel. Eine normale Heimschiedsrichterleistung, normale Fehlerquote. Nichts, was die Proteste der Kroaten wirklich legitimiert, die waren stehend k.o. und hatten die WM schon gegen Brasilien vergeigt. Schade, wenn so begnadete Handballer immer wieder dadurch unangenehm auffallen, dass Schiedsrichterleistungen nur dann akzeptiert werden, wenn sie zu ihren Gunsten ausfallen.

