Freundschaft!
Was wir brauchen ist halt dieser unbedingte Wille in der Abwehr wie es ihn 2016 gab. Im 1. Lockdown habe ich mir nochmal das Finale angesehen und diese Körpersprache und dieser Wille sind ja fast aus der Mattscheibe gesprungen. Dazu dann eine (weit) überdurchschnittliche Torwartleistung, die ich so seitdem nicht mehr wahrgenommen habe, reichen dann für einen Sieg. Und wenn der erste gelingt, kann das den Knoten platzen lassen.
Nicht "dazu". Daraus resultierend. Das ist ein häufig gemachter Fehler. Die Leistung des Torwarts allein dem Torwart anzurechnen. 70 bis 80 Prozent der Torhüterleistung geht auf die Abwehr, die die Bälle so kanalisiert, dass er es einfacher hat. Wir leben jetzt zu Strafe (
) seit fünf Jahren damit, dass Wolff für einen Wundertorhüter gehalten wird. Von den Medien (heute mal wieder Hamm), was schlimm genug ist. Aber zum Teil auch von den Trainern. Das hat Deutschland das Finale in Rio gekostet.
Mir ist vor ein paar Tagen aufgefallen, dass Wolff mit 16/33 fast eine identische Quote hatte wie Arpad Sterbik (17/35) im CL-Final-Hinspiel 2006. Und dann habe ich mal geguckt, was Wolff in dem Spiel für Freie gehalten hat. Es waren 0/4 bei Siebenmetern und 1/4 bei Kontern. Ich habe jetzt nicht mehr im Kopf, wie bei Sterbik die Zahlen im gesamten Spiel aussahen, aber ich weiß noch, dass er bis zu dem Zeitpunkt, als Ciudad Real etwas runterschaltet (ungefähr nach einer dreiviertel Stunde), 2/3 bei den Siebenmetern hatte und 4/5 bei Kontern. Insgesamt stand er zu dem Zeitpunpt bei 16/25! Das ist dann schon ein Hinweis, ob der Torwart auch individuell so stark ist oder an dem Tag so gut ist oder ob es eher an der Abwehr lag. Und bei Deutschland lag es insbesondere an der Abwehr. Speziell an Lemke und noch viel mehr an Pekeler. Bei CR war es neben der Abwehr einfach auch Sterbik pur.
Übrigens ist die deutsche Abwehr bei diesem Turnier alles andere als schlecht. Eher ziemlich gut. Aber eben nicht so überragend, wie 2016. Irgendwie müsste sie das sein, um hier richtig was reißen zu können. Aber Ausnahmeleistungen kann man einfach nicht immer erwarten. Die deutschen Torhüter haben genauso viel gehalten wie beispielsweise die französischen. Sind dabei im gebunden Spiel jeweils besser als die Franzosen (Außen, Kreis, Rückraum), was für eine gute Abwehr spricht. Allerdings haben Wolff und Bitter noch keinen (!) freien Ball (Siebenmeter/Konter) gehalten. Die Spanier gegen GER drei und die Franzosen gegen GER einen. Wenn man da Waffengleichheit gehabt hätte, würde man mit 5:1 Punkten an der Spitze stehen (mit Frankreich).
Und noch ein bisschen Historie. Aus meinem Gedächtnis würde ich sagen, dass das Finale 2016 eine Top3-Leistung der deutschen Abwehr in diesem Jahrhundert war. Und eigentlich kann man die drei sogar ziemlich klar ranken, anhand der Zahlen.
3. 15:15 gegen Frankreich bei der EM 2002. Angriffquote des Gegners: 37 Prozent. Torhüterleistung GER: 13/28 (46 Prozent), 5 Steals, 4 Blocks.
2. 24:17 gegen Spanien bei der EM 2016. Angriffquote des Gegners: 33 Prozent. Torhüterleistung GER: 16/33 (48 Prozent), 7 Steals, 5 Blocks.
1. 22:15 gegen Russland bei den OS 2004. Angriffquote des Gegners: 28 Prozent. Torhüterleistung GER: 14/29 (48 Prozent), 8 Steals, 8 Blocks.
Das gegen Frankreich war das beste Defensivspiel, dass ich je gesehen habe, weil die Franzosen sogar noch einen Tick besser waren.
Und wie die Deutschland die Russen in der zweiten Halbzeit in Schach gehalten hat, war einfach nicht von dieser Welt. Zur Pause hat Russland sogar geführt (10:9) und in der 38. Minute sogar mit 12:10, dann aber hat GER in 22 Minuten nur noch drei Tore zugelassen.